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Zeitlupe Altmann

 

"Danke" Didi!

Das war's also.

Didi Constantinis durchaus ereignisreiche Teamchef-Ära ist hochoffiziell Geschichte. Es wäre gelogen, an dieser Stelle von großem Abschiedsschmerz zu schreiben.

Dem Tiroler sei jedoch Respekt dafür gezollt, dass er mit einigen Tagen Verspätung eingesehen hat, dass eine „Lame-Duck-Rolle“ im restlichen Herbst keinen Sinn macht. Diesbezüglich ist er dem in dieser Causa naiven ÖFB einen Schritt voraus.

Fakt ist, um dieses Urteil kommt man nicht umhin: Das System Constantini ist gescheitert. Und zwar hochkant, und das im Grunde genommen von Anfang an, und nicht erst seit dem endgültigen Kollaps im Jahr 2011.

Mit einer Herangehensweise, wie sie Constantini und sein Staff an den Tag gelegt haben, kommt man im 21. Jahrhundert nämlich nicht mehr weit, das geht sich schlicht und einfach irgendwann nicht mehr aus – dies dämmerte während der letzten zweieinhalb Jahre immer mehr Beobachtern, zuletzt auch seinen Vorgesetzten.

Deshalb ist es auch ein Irrtum zu glauben, diverse Internet-Medien hätten den 56-Jährigen mit ihrer Kritik abgeschossen. Nein, ganz im Gegenteil, das wäre zu viel der Ehre: Er ist einzig und allein über sich selbst gestolpert. Von außen wurde bestenfalls gezielt auf seine massiven Defizite aufmerksam gemacht.

Vielleicht ist folgender Gedankengang für einen gelernten Österreicher eine Spur zu optimistisch und naiv gedacht, aber wer weiß: Möglicherweise könnte die Regentschaft Constantinis in der Nachbetrachtung dennoch als eine Art äußerst seltsamer Glücksfall in die ÖFB-Annalen eingehen.

Und zwar indem sie uns wenigstens ein klein wenig weg von der Seilschaft-Freunderlwirtschaft-eine-Hand-wäscht-die-andere-VIP-Club-Adabei-Schmähführer-Kommunikationsdefizit-Personalchaos-Konzept-und-Planlosigkeit-im-eigenen-Saft-Brater-Laptops-sind-Böse-Analysen-sind-anstrengend-Taktik-ist-Überbewertet-Ära hinein ins aktuelle Jahrtausend katapultiert.

Denn der neue Übungsleiter der Nation kann nach den Erfahrungen der letzten zweieinhalb Jahre gar nicht genug Antithese zum "Feuerwehrmann" sein.

Da man sich offenkundig nicht über eine aufstrebende, ausländische Lösung drübertraut, wäre Topfavorit Franco Foda die derzeit mit Abstand akzeptabelste „österreichische“. Der Sturm-Coach arbeitet ungleich moderner, und wenn man ihm eines bestimmt nicht vorwerfen kann, dann sind es Verhaberungs-Ambitionen. Einen gemütlichen Schmähführer würde sich der ÖFB mit dem erfolgsorientierten Meistermacher nicht ins Haus holen.

Wie richtungsweisend die Entscheidung über Constantinis Nachfolger ist, kann man gar nicht genügend deutlich machen. Von ihr wird der Output der talentiertesten Spielergeneration seit langem im restlichen Jahrzehnt maßgeblich abhängen. Das Material ist vorhanden, es braucht nur jemanden, der es zeitgemäß formt.

Dazu bedarf es jedoch nicht nur eines neuen Frontmans auf der Trainerbank, sondern auch der Bereitschaft zu gewaltigen strukturellen Änderungen im Hintergrund, wie das peinliche Chaos der letzten Tage eindrucksvoll belegt.

Das Klima für eine Erneuerung wäre aktuell in der Öffentlichkeit so günstig wie schon lange nicht. Ob der ÖFB angesichts seiner speziellen Strukturen selbiges nutzt? Man weiß es nicht und befürchtet Schlimmes.

Aber allein, dass dieses Klima herrscht, ist erstens eine Chance und zweitens in gewisser Hinsicht ein Verdienst von Constantinis Bauchgefühl-Bauchfleck.

So gesehen: "Danke" Didi!

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