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Zeitlupe Altmann

 

Constantinis nichtssagend vielsagende Flucht

Ja, es gäbe nach der Kaderbekanntgabe für die EM-Qualifikationsspiele in Deutschland und gegen die Türkei sogar Ansätze, Verständnis für Didi Constantini zu zeigen.

Aus seiner Sicht ist es natürlich völlig nachvollziehbar, weiter auf Andreas Ivanschitz zu verzichten. Jetzt, wo ihm das Wasser bis zum Hals steht, ausgerechnet den Inbegriff eines „Constantini-Outlaws“ als Retter in der Not zu holen, wäre eine personalpolitische Bankrotterklärung.

Aus seiner Sicht ist es natürlich völlig nachvollziehbar, dass er seinen Kader nicht über den Haufen wirft. Erstens ist Kontinuität kein falscher Gedanke, zweitens stehen ihm nach zweieinhalb Jahren Ausgrenzung gewisser Akteure ohnehin nicht mehr viele Alternativen zur Verfügung, und drittens kann man in Zeiten der höchsten Not verstehen, dass er auf Akteure setzt, die für ihn rennen.

Man könnte Constantini sogar zu Gute halten, dass er seine personellen Gedanken diesmal so ausführlich wie selten erklärt hat – Stichwort „Linz ein Strafraumspieler“, „Arnautovic hat mich angerufen“, „Kulovits hat zwei sehr gute Spiele gemacht“. Dass sein Wille zur Kommunikation dem internationalen Vergleich trotzdem nicht standhält, ist wieder ein anderes Thema. Dass sich der anwesende ZDF-Redakteur („Warum gibt der Teamchef keine Antworten auf die Fragen, die er gestellt bekommt?“) wie in einem schlechten Film vorgekommen ist, liegt auf der Hand.

Man könnte Constantini zudem sogar zu Gute halten, wie schlau es ist, ausnahmsweise nur einen vorläufigen Kader zu nominieren. Dies gibt ihm die Gelegenheit, die Form des einen oder anderen Wunschkandidaten (etwa die zuletzt verletzten Schiemer und Prödl, oder der eben erst transferierte Maierhofer) im Laufe der Woche zu überprüfen.

Doch schon bei diesem Punkt beginnt die Kette der Ungereimtheiten.

Warum, ja warum, muss sich – wie in diesem Video eindeutig zu hören – der Teamchef von Pressesprecher Peter Klinglmüller einflüstern lassen, wie viele Spieler er nachnominieren wird? Man könnte sich zu fragen beginnen, wie viele Gedanken sich der Chef-Selekteur wirklich über seine Auserwählten macht. Letztlich spielte diese entlarvende Szene jedoch nur eine Nebenrolle. Denn was bei der letzten Frage dieses Medientermins passierte, war für Freunde des Eklats ganz großes Kino – in Wahrheit aber doch eher ein ganz trauriges, peinliches und entsetzlich bezeichnendes.

Wie bezeichnend ist es nämlich, dass Constantinis Assistenten Manfred Zsak und Franz Wohlfahrt – wie in diesem Video eindeutig zu hören – bezüglich eines Fragestellers folgenden Dialog führen? Frage:  „Is der leicht fett, der mitm Kapperl?“ Antwort: „Trottel!“

Und wie entnervt, verzweifelt und inhaltsleer ist man bereits, wenn man zuvor nach einer Frage des „Kapperlträgers“ (aka „Spaziergängers“) einfach aufsteht und geht? Man kann auch nichtssagend vielsagend sein. Diese Flucht kann man Constantini weder zu Gute halten, noch ist sie nachvollziehbar.

Wie reagiert der ÖFB auf dieses Niveau?

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