Aufmacherbild

Zeitlupe Altmann

 

Die "Tellerrandler"

Einige gar nicht mal so sarkastische Beobachtungen rund um die 1:2-Niederlage des ÖFB-Teams gegen die Slowakei:

Die „Tellerrandler“ haben Hochsaison. Manfred Zsak am Montag: „Wir haben uns die letzten vier Spiele der Slowakei auf Video angeschaut.“ Didi Constantini am Dienstag: „Zsaki und ich haben uns fünf, sechs Videos der Slowakei angeschaut, da war von ihren letzten Spielen alles Mögliche dabei.“ Welche vier, fünf oder sechs Matches sich das Duo reingezogen hat? Unmöglich zu erfahren. Im Prinzip auch wurscht, denn die Detailverliebtheit, mit der man sich entweder vier, fünf oder sechs Matches angesehen hat, überzeugt. Der Mannschaft wurde eine Halbzeit dieser vier, fünf oder sechs Matches präsentiert.

Immerhin: Vor anderen, für die Zukunft des österreichischen Fußballs viel wichtigeren Spielen, war nie davon die Rede, dass der Teamchef im Vorfeld vier, fünf oder sechs Matches des Gegners betrachtet hat. Aber gut, da ging es ja auch noch nicht hochoffiziell um die Zukunft des Teamchefs, der sich mit dem lästigen Vorwurf, wenig modern zu sein und nicht über den Tellerrand hinauszublicken, herumschlagen muss. Gut, den Vorwurf an sich gibt es seit Amtsantritt, aber eben nicht vom Chef höchstpersönlich.

Gegen diesen Vorwurf heißt es natürlich gegenzusteuern, möglichst subtil selbstverständlich. Also am besten via „Krone“. Das Kult-Buch „Die Fußball-Matrix“ des deutschen Autors Christoph Biermann sei seine Lektüre während des Camps in Klagenfurt, er habe die 244 Seiten „durchgeschmökert“. Die erhoffte Botschaft? Die könnte zum Beispiel so lauten: „Na schau, der bildet sich eh weiter, der Didi.“

Apropos „Krone“: Wie sich der Nationalteam-Verantwortliche des auflagenstarken Blattes schon seit einiger Zeit für Constantini ins Zeug legt, verdient irgendwie schon Bewunderung. Man ist beinahe geneigt, das Wort „Seilschaft“ zu verwenden, und verkneift es sich dann auch nicht. „Ungekrönter“ Höhepunkt: Die Mittwochs-Ausgabe dieser Woche. Auf zwei Seiten unternimmt die schreibende One-Man-Show wirklich alles, um möglichst unsubtil klar zu machen, wen sich die „Krone“ an der Spitze des (Fußball-)Landes wünscht.

Aus erster Hand erfährt man dabei die Gedanken des Präsidenten des Tiroler Landesverbandes - ein Herr namens Josef Geisler (Kennen Sie nicht? Egal. Die gefühlte Hauptaufgabe der Landesfürsten besteht im Prinzip darin, sich im Schnitt alle zweieinhalb Jahre in der Teamchef-Frage wichtig zu machen.).  Dieser Herr Geisler lässt zur Causa prima der letzten Tage Folgendes ausrichten: „Das Nationalteam soll in der Hand eines Praktikers bleiben, nicht in die der Theoretiker kommen, denen offenbar langsam die Argumente ausgehen.“ Gut, sechs Niederlagen in den letzten sieben Spielen sind natürlich auch ein gewichtiges Argument für die Praktiker, denn es hätten ja auch sieben sein können…

Da die „praktischen Tellerrandler“ also aktuell nichts unversucht lassen, doch noch die Kurve zu kriegen (Wer fühlt sich noch an Schüler erinnert, die im Juni draufkommen, dass das Schuljahr schon begonnen hat, da einige Fünfer im Zeugnis drohen?), ist selbst das 100-prozentige Tabu der Ära Constantini nur mehr ein 99-prozentiges. „Klar habe ich die Überlegung, dass Ivanschitz in der Zentrale torgefährlicher ist als etwa ein Junuzovic“, meinte der Teamchef nach dem Slowakei-Spiel.

Mal ganz abgesehen davon, dass dies die zweite „Watsch’n“  für Junuzovic in besagter Nachbetrachtung war, wäre es natürlich der Gipfel der Selbstdemütigung, würde der 56-Jährige den Inbegriff eines „Constantini-Outlaws“ in größer Not zurückholen. Im Sinne von Ivanschitz können wir uns aber gerne auf folgende Formulierung einigen: „Constantini springt über seinen Tellerrand, äääh Schatten.“ Wobei man aktuell ja ohnehin nicht gänzlich ausschließen kann, dass der 49-fache Internationale noch 2011 sein 50. Länderspiel bestreitet.

„Mit den früheren Spielern haben wir nichts gewonnen“, begründete Constantini 2009 übrigens den Verzicht auf lange Jahre gesetzte Akteure wie Ivanschitz. Mit dem Wissen von heute kann man feststellen:

Weniger als der „Tellerrandler“ kann man als Teamchef fast nicht gewinnen. Mit einer wichtigen Ergänzung: Am Spielermaterial liegt das längst nicht mehr, da sind sich wohl die meisten Experten einig…

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»