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Geständnis nur der erste Schritt

Lance Armstrong hat also höchst offiziell Doping gestanden. Erstens: Na endlich! Zweitens: Na und?

Letztlich bestätigte der gefallene Radsport-Engel damit nur, was ohnehin schon jeder wusste. Und das auch noch – wie er selbst zugibt – „zu spät“.

Hier beginnen auch die Probleme des groß inszenierten Geständnisses im Rahmen eines Interviews mit US-Talk-Queen Oprah Winfrey.

Dass es zu spät kam – geschenkt. Der 41-Jährige ist nicht der erste Schuldige, der erst dann auspackt, wenn es nicht mehr anders geht – und sein „Märchen“, ohne Hilfe verbotener Substanzen vom Krebspatienten zum siebenfachen Tour-de-France-Champion aufzusteigen, ließ sich schon längst nicht mehr aufrecht erhalten.

Das größere Problem ist, dass Armstrong bisher nur jene Punkte zugab, wo leugnen längst zwecklos war.

Hintergründe? Hintermänner? Ein Einblick in das mafiöse System, in dem sich so mancher auf Kosten gedopter Athleten (nicht jeder Radprofi hatte die Einnahmen eines Lance A.) eine goldene Nase verdient hat? Fehlanzeige!

Damit wäre jedoch wirklich geholfen, sowohl die historische Aufarbeitung als auch die Zukunft des Radsports betreffend.

Denn dass in dieser dunklen Epoche des Radsports Doping dazugehörte „wie das Aufpumpen eines Reifens“, ist eine schöne Metapher, fällt aber nicht gerade unter die Kategorie „Breaking News“.

Die große Bereitschaft, allumfassend auszupacken, ließ Armstrong jedoch nicht durchblicken. Vielmehr nahm er sogar Weltverband UCI und den lebenslang gesperrten Mediziner Michele Ferrari in Schutz.

Sein subjektives Gefühl, sich gegenüber der Konkurrenz keinen entscheidenden Vorteil verschafft zu haben, weil illegale Hilfsmittel part of the game waren, mag nachvollziehbar sein. Richtig ist es dennoch nicht.

Setzt sich diese Einsicht bei Armstrong durch, sind nach diesem ersten Schritt weitere gefragt - diese Detailarbeit muss auch nicht in einem Mainstream-TV-Format erfolgen (jede Wette, es gibt bald einen neuen Armstrong-Bestseller in Buchform).

Seinem angeblichen neuen Lebensziel, Vertrauen zurück zu gewinnen, wäre es tendenziell dienlich.

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