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Prozess um größten Wett-Skandal Österreichs beginnt

Von der Ersatz- auf die Anklagebank.

Die im Vorjahr aufgeflogenen mutmaßlichen Spielmanipulationen und mehrfachen Wettbetrügereien rund um die Fußball-Profis Dominique Taboga (31) und Sanel Kuljic (36) werden ab Freitag im Grazer Straflandesgericht verhandelt.

Die insgesamt zehn Angeklagten im Alter von 26 bis 51 Jahren sollen 18 Spiele manipuliert haben.

Unter den Angeklagten findet sich auch Ex-Bundesliga-Spieler Thomas Zündel. Während Taboga im Juni vom Fußball-Weltverband (FIFA) lebenslang und weltweit für jegliche Tätigkeit im Fußball gesperrt wurde, fasste Zündel eine Sperre für ein Jahr aus.

Für die beiden sowie auch für Kuljic, der zuletzt Spielerbetreuer war, dürfte die Sportkarriere damit vorbei sein.

Blatter und Windtner sagen Kampf an

Angeklagt ist auch noch ein 31-jähriger Profi-Fußballer, der seine Karriere mit 1. Jänner beendet hat. Bei den übrigen Beschuldigten handelt es sich auch u.a. um einen 33-jährigen Team-Betreuer und ehemaligen Spieler, teilweise sind die Männer aus Serbien, Albanien und Tschetschenien.

Der Skandal ist der erste große heimische Wettbetrugsfall vor Gericht. Lange Zeit wurde in Österreich - wie in vielen anderen Ländern - das Problem der Spielmanipulation nicht als solches identifiziert.

Das hat sich inzwischen geändert. Von Weltverbandspräsident Sepp Blatter ("größte Gefahr und größte Geisel für den Fußball") bis zu ÖFB-Präsident Leo Windtner ("Spielmanipulation ist ein Übel, das den Sport in seinen Grundfesten zu erschüttern droht") haben die führenden Sportfunktionäre dem Matchfixing den Kampf angesagt.

Erhebung gegen weiter 18 Verdächtige eingestellt

Gegen die Angeklagten bestehen Vorwürfe der teils versuchten Manipulation von insgesamt 18 Spielen der Bundesliga sowie der Ersten Liga und zwar zwischen November 2004 und Oktober 2013.

Damit verbunden ist auch der ebenfalls teils versuchte Betrug, wobei diverse Wettanbieter zu Schaden gekommen seien. Weiters besteht der Verdacht der Erpressung.

Die Erhebungen gegen weitere 18 Verdächtige wurden im Vorfeld mangels Beweisen zur Gänze eingestellt. Die Ermittlungsverfahren gegen 15 weitere Beschuldigte wurden ausgeschieden und werden getrennt weitergeführt.

Der Ankläger gliederte die Vorwürfe in mehrere Faktenkomplexe: Wettbetrügereien, Erpressung sowie weitere Delikte wie etwa Nötigung oder Veruntreuung. In Sachen Wettbetrug haben die Beschuldigten offenbar in unterschiedlichen Konstellationen agiert.

Wetten bis zu 300.000 Euro

Dabei flossen Bestechungsgelder in der Höhe von 7.000 bis 40.000 Euro. Die Einsätze bei diesen Wetten waren bei einzelnen Spielen bis zu 300.000 Euro hoch.

Kuljic soll an zehn Spielmanipulationen beteiligt gewesen sein, Taboga an 14. Außerdem wird Kuljic, Taboga und drei weiteren Beschuldigten die Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

Der Prozess wird von Richterin Elisabeth Juschitz geleitet, die bereits 2008 mit Andrea Herberstein eine prominente Angeklagte vor sich im Schwurgerichtssaal sitzen hatte. Die Staatsanwaltschaft wird von Katrin Heidinger vertreten.

Vorerst sind zehn Verhandlungstage bis Ende August angesetzt. Zumindest zehn Zeugen - darunter Polizisten und Firmenvertreter - sollen gehört werden.

Taboga lässt Skandal auffliegen

Aufgeflogen war der Skandal im November 2013, nachdem Taboga eine Anzeige wegen Erpressung erstattet hatte.

Der ehemalige Grödig-Spieler belastete Ex-Teamspieler Kuljic, zwei weitere Verdächtige wurden damals festgenommen.

Aus dem Opfer wurde nur wenige Tage später ein Verdächtiger, seine Verhaftung folgte.

Bis Ende November weitete sich der Skandal auf 30 verdächtige Spieler aus, mutmaßliche Täter wurden u.a. in Deutschland verhaftet und nach Österreich überstellt.

Kuljic gab Manipulationen zu

Im Dezember ging das Strafverfahren von Salzburg nach Graz, da in der steirischen Landeshauptstadt bereits Ermittlungen gegen einen der Verdächtigen anhängig waren und es Überschneidungen gab.

Nachdem sich bei den folgenden Erhebungen die Verdachtsmomente gegen Taboga verhärteten, sperrte die österreichische Bundesliga ihn im Februar "auf Lebenszeit".

Nach der Enthaftung sprach der Fußballer in einem Interview von seinem geplanten Selbstmord, den seine Frau vereiteln konnte.

Kuljic gab im März seine Beteiligung an Spielmanipulationen zu und entschuldigte sich bei seiner Familie und "allen sportbegeisterten Menschen".

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