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UEFA-Rückzug aus FIFA-Bewerben möglich

UEFA-Präsident Michel Platini hat für den Fall eines Wahlsiegs von FIFA-Chef Joseph Blatter einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen FIFA-Wettbewerben nicht ausgeschlossen.

Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche "alle Möglichkeiten ins Auge fassen", sagte der Franzose am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Zürich.

Kollektiver Austritt aus FIFA-Exko eine Option

Auf eine entsprechende Nachfrage konkretisierte er, dass er einen WM-Boykott nicht ankündige, aber das es "demokratische Entscheidungen" der Landesverbände geben werde. Eine weitere Option ist laut Platini offenbar ein kollektiver Austritt der europäischen Mitglieder aus dem FIFA-Exekutivkomitee.

"Wenn wir diese Abstimmung nicht gewinnen, dann treffen wir uns mit allen Generalsekretären und Präsidenten beim Champions-League-Finale in Berlin. Je nach Ausgang der Wahl werden wir sehen, ob wir dabei sind oder nicht im Exko."

Der Engländer David Gill hatte bereits angekündigt, seinen Platz in der FIFA-Exekutive bei einem Blatter-Sieg nicht einzunehmen. DFB-Chef Wolfgang Niersbach wollte sich diesbezüglich noch nicht festlegen. "Das ist ein Abwägen: Boykottiert man etwas oder geht man ins Exko rein und hat die Chance auch wirklich etwas zu verändern", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

Platini glaubt an Sieg von Prinz Ali

Die UEFA hatte sich zuvor mehrheitlich für Blatter-Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein als künftigen FIFA-Chef ausgesprochen. Platini rechnet mit 45 bis 46 der 53 UEFA-Stimmen für Al-Hussein.

Der Franzose gab sich zuversichtlich, dass Blatter abgewählt werden kann. "Ich glaube, er kann geschlagen werden. Vor den Ereignissen von gestern nicht. Aber ich glaube, dass es eine radikale Veränderung in den Köpfen vieler Präsidenten gibt", sagte Platini.

Auch deswegen wird die UEFA die Präsidentschaftswahl nicht boykottieren. Das teilten mehrere UEFA-Mitglieder am Donnerstag mit. Auch der CONCACAF-Verband sprach sich für die Ausrichtung der Wahl am Freitag aus.

"Boykott ist keine Lösung"

"Es wird keinen Boykott von der UEFA geben, weil es (neben der Präsidentenwahl) weitere wichtige Fragen zu klären gibt", erklärte der niederländische Verbandspräsident Michael van Praag, der ursprünglich als Herausforderer von Amtsinhaber Joseph Blatter aufgetreten war, seine Kandidatur aber zurückgezogen hat.

"Boykott ist keine Lösung, das ist noch nie eine gewesen. Das war auch in der olympischen Bewegung so", ergänzte Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) und ergänzte: "Was hier passiert, ist ein absolutes Desaster. Wir müssen den Wandel herbeiführen. Das können wir nur, wenn wir Prinz Ali wählen."

Die UEFA hatte im Zuge des FIFA-Korruptionsskandals mit sieben Festnahmen von Spitzenfunktionären noch am Mittwoch die Verlegung der Präsidentschaftswahlen gefordert und einen Boykott in Betracht gezogen.

Australien für Prinz Ali

Der englische Verbandspräsident Greg Dyke sprach sich ebenfalls dafür aus, die Wahl durchzuführen. Dyke erhofft sich gute Chancen für eine Wahl al-Husseins. Offenbar scheint die bisher als sicher geltende große Mehrheit für Amtsinhaber Joseph Blatter zu bröckeln.

Auch Australien hat inzwischen bekanntgegeben, für Prinz Ali zu stimmen. Der Kontinentalverband von Afrika (CAF) hat dagegen seine Unterstützung für Blatter bekräftigt.

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