Aufmacherbild

UEFA-Kongress: Kampfansage an Blatter

Selten zuvor sprach sich Michel Platini so deutlich gegen Sepp Blatter aus.

Ich kann Ihnen nur sagen, wer nicht gewinnen soll", sagte der UEFA-Präsident, nachdem er gefragt wurde, welcher Kandidat neuer FIFA-Präsident werden soll. Die Antwort war eindeutig auf Blatter gemünzt.

Einen persönlichen Favoriten habe er nicht, meinte Platini auf der abschließenden Pressekonferenz des UEFA-Kongresses in Wien. „Schauen wir einmal, was in den nächsten Wochen passiert. Wichtig sind Transparenz und Demokratie“, erklärte der für vier weitere Jahre gewählte UEFA-Boss.

Al-Hussein gegen Änderungen am WM-Modus

Dieselben Werte vertreten auch Prinz Ali bin al-Hussein, Luis Figo und Michael van Praag. Die drei Herausforderer Blatters durften am Ende der UEFA-Generalversammlung am Podium Werbung für sich machen. Der aktuelle FIFA-Präsident hatte schon am Beginn der Veranstaltung gesprochen.

Für die Herausforderer als erster in den Ring stieg der jordanische Prinz Al-Hussein. Der 39-jährige FIFA-Vizepräsident versprach den Delegierten, die derzeit 13 WM-Startplätze für Europa nicht infrage zu stellen.

„Wir müssen die Integrität des Wettbewerbes schützen. Die WM sollte nicht zu einem Spielball werden“, erklärte der Prinz vor den Augen Blatters, der zuletzt für weniger europäische Startplätze zu Gunsten anderer Kontinentalverbände eintrat.

Figo will kein Spezialagent Europas sein

Der Modus der Weltmeisterschaften war auch Thema bei Figo. Der ehemalige Weltklasse-Fußballer kann sich vorstellen, dass zukünftig mehr als die bisherigen 32 Länder an der Endrunde teilnehmen.

Seine Mitbewerber hätten sicherlich mehr Erfahrung, „aber ich kenne den Fußball in- und auswendig“. Der Portugiese versuchte die Delegierten über die emotionale Schiene zu überzeugen. Von einem Präsidentschaftswahlkampf zwischen der europäischen Anti-Blatter-Fraktion und dem mehrheitlich für Blatter eintretenden Rest der Welt will Figo nichts wissen.

"Das ist nicht Europa gegen Afrika oder Asien oder Amerika. Ich bin kein Spezialagent Europas, um Zürich zu erobern."

"Ich kann nicht wegschauen"

Die härteste Kritik an der aktuellen Verfassung der FIFA kam vom niederländischen Kandidaten Michael van Praag. Momentan würde der Weltverband vor allem mit Korruption und Vetternwirtschaft in Verbindung gebracht werden. „Ich kann nicht wegschauen. Es ist die Verantwortung unserer Generation, den Laden aufzuräumen.“

Der frühere Ajax-Präsident, unter dem die Amsterdamer 1995 Champions-League-Sieger wurden, will ein Übergangspräsident sein und den Verband 2019 an eine jüngere Funktionärs-Riege übergeben. „Ein effektiver Wandel ist mit denselben Leuten an der Spitze nicht möglich.“

Blatter würde van Praag dennoch gerne als Ehrenpräsident in einer verantwortungsvollen Funktion halten. „Sein Netzwerk kann helfen“, begründet der Niederländer.

Ludwig: "Es ist alles möglich"

Der FIFA-Präsident verspürt in Europa also viel Gegenwind. Trotzdem gilt er aufgrund seines jahrelang aufgebauten Macht-Netzwerkes als haushoher Favorit bei der Wahl. Wer sein aussichtsreicher Herausforderer ist, kann noch niemand wirklich einschätzen.

„Es ist alles möglich. Von der Option, dass alle drei Herausforderer ihre Kandidatur zurücklegen bis dazu, dass man sich auf einen Gegenkandidaten einigt“, meint ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig. Bestimmte Allianzen gebe es noch keine.

Einig ist man sich in Europa nur, dass Blatter nicht noch weitere vier Jahre an der FIFA-Spitze thronen soll.

 

Jakob Faber

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»