Die wichtigsten Systeme im Vergleich

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Dass Fußball mehr ist, als nur einem Ball hinterher zu jagen, ist längst bekannt.

In den letzten Jahren hat sich das Spiel vor allem im taktischen Bereich weiterentwickelt.

Neue Trends sind zu beobachten, über Jahrzehnte praktizierte System haben indes ausgedient.

Wurde früher fast ausschließlich die Manndeckung bevorzugt, genießt heutzutage die Raumdeckung oberste Priorität. Liberos und Vorstopper von einst spielen in der Gegenwart keine Rolle mehr.

Trainer werden vor die Wahl gestellt: Bevorzugtes Spiel über die Flügel oder durch die Mitte? Mittelfeld-Raute oder doch zwei „Sechser“?

Wir verschaffen dir einen Überblick über die aktuell gängigsten Systeme und historisch prägende Formationen:

4-4-2

Diese Aufstellung zählt zu den beliebtesten überhaupt. Dabei wird mit Viererkette agiert, davor kommt wahlweise eine Raute (mit einem klassischen „Zehner“ sowie einem „Sechser“ dahinter) oder eine Doppel-“Sechs“ zum Einsatz. An vorderster Front spielen zwei Stürmer, wobei häufig einer hängend agiert. Das wiederum wäre das abgewandelte 4-4-1-1.

In dieser Form ließ Sir Alex Ferguson Manchester United häufig auflaufen. Speziell zum Saisonende hin sollte Javier Hernandez in Strafraumnähe für Unruhe sorgen, während Wayne Rooney deutlich dahinter auch als Ballverteiler fungierte.

4-3-3

Bei dieser Formation kommt man nicht am FC Barcelona vorbei. Die Katalanen praktizieren das 4-3-3 nahezu in Perfektion und gewannen damit Meisterschaft und Champions League. Vor der Viererkette kommen drei Mittelfeldspieler zum Einsatz, dazu stehen nominell auch drei Stürmer – zwei davon auf den Flügeln – auf dem Rasen.

Beim FC Barcelona kam Busquets die Aufgabe des Abräumers vor der Abwehr zu, während Xavi und Iniesta für die Spielgestaltung verantwortlich zeichneten. Auffallend: Während andere Teams, die ein 4-3-3 spielen, einen kopfballstarken Strafraumstürmer aufbieten, setzen die Spanier dort auf Lionel Messi. Der Argentinier agiert als „falscher Neuner“ zurückgezogener, zieht häufig Gegenspieler mit sich und schafft damit Räume für die beiden Flügel. Nicht selten tauschen die beiden Außen, Pedro und Villa, die Positionen, um die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander zu wirbeln.

4-1-4-1

Fußball-Europameisterschaft 2008. Spanien holt den Titel – mit einem 4-1-4-1-System. Luis Aragones stellte im Finale gegen Deutschland mit Marcos Senna einen Mann vor seine Viererkette, dem damit bei der Balleroberung und Absicherung eine entscheidende Rolle zugesprochen wurde. Davor agierten Iniesta, Xavi, Fabregas und Silva („Los Cuatro Fantásticos“). Torres gab im Sturm den Alleinunterhalter, da sich Villa in der Vorschlussrunde verletzte, wurde aber vom spielstarken Mittelfeld bestens untersützt. Dasselbe System wandte übrigens auch Neo-Leverkusen-Trainer Robin Dutt beim SC Freiburg an.

4-2-3-1

Die Variante des 4-2-3-1 ist eine Trenderscheinung der letzten Jahre. Immer mehr Trainer bevorzugen sie, darunter beispielsweise Louis van Gaal. Zwei „Sechser“ sollen der Defensive zusätzliche Stabilität verleihen, zugleich wird durch drei Offensivkräfte häufig eine Überzahl im Mittelfeld erstellt. Der einzige Angreifer läuft Gefahr, isoliert zu werden. Umso tragender wird die Rolle des Trios dahinter.

Bei den Bayern kam Bastian Schweinsteiger die Rolle eines „Sechsers“ zu, sein Partner wechselte mehrfach. Die Dreierreihe davor wurde mit Ribery, Müller und Robben besetzt, Stoßstürmer war Gomez. Dass eine derart geballte Offensivkraft und ein gemessen an der Quantität stabiles Mittelfeld keine Erfolgsgarantie darstellen, wurde in der letzten Saison eindrucksvoll bewiesen. Auch bei fünf Mittelfeldspielern ist es unerlässlich, dass alle Protagonisten mit nach hinten arbeiten.

3-4-3

Diese sehr offensive Aufstellung kommt nur noch selten zum Einsatz. Generell gibt es kaum noch Mannschaften, die mit Dreierkette verteidigen. Prominentes Beispiel ist der FC Liverpool, der 2010/11 allerdings auch nur in einer Handvoll Spielen die Risikovariante wählte und für gewöhnlich den Klassiker, die Viererkette, bevorzugt.

Aufgrund der geringen Anzahl an Verteidigern kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen, in denen Mann gegen Mann gespielt werden muss. Dafür genießt das 3-4-3 aber auch den Vorteil eines kompakten Offensivspiels. Im Mittelfeld wurde es in der Vergangenheit gerne in der Raute (mit Spielmacher) praktiziert, weil damit der Raum für den Gegner eng gemacht wurde und bei Ballbesitz der Kontrahenten mit Pressing schneller ein Fehler erzwungen werden konnte. Die Stürmer rochieren und stiften damit Verwirrung.

3-5-2

Fast augestorben ist das 3-5-2 im Spitzen-Fußball. Dabei war es noch vor wenigen Jahren äußerst beliebt, denkt man nur an die WM 2002 in Japan und Südkorea zurück. Im Finale standen sich mit Deutschland und Brasilien zwei Teams gegenüber, die eben dieses System in leicht abgeänderter Form ausübten. Rudi Völler und Luiz Felipe Scolari präferierten im Endspiel das 3-4-1-2.

Vor der Dreierkette (Metzelder-Ramelow-Linke bzw. Lucio-Edmilson-Roque Junior) agierten vier Mann auf gleicher Höhe, während ein Akteur in die Rolle des Spielmachers (Schneider bzw. Ronaldinho) schlüpfte. Davor kamen zwei Spitzen zum Einsatz, die häufig auf hohe Flanken warteten.

2-3-5 und 3-3-4

Heute unvorstellbar, galt die unglaublich offensiv ausgerichtete 2-3-5-Aufstellung in den 50ern als „state of the art“. Deutschland ging beispielsweise im WM-Finale 1954, das als „Wunder von Bern“ in die Geschichte einging, mit dieser Formation in das Spiel.

Vor einem Verteidiger-Duo agierte ein Trio auf gleicher Höhe. Davor waren fünf Kicker fürs Toreschießen vorgesehen, im konkreten Beispiel Morlock, Fritz Walter, Rahn, Ottmar Walter und Schäfer. Finalgegner Ungarn, damals als „Übermannschaft“ verschrien, inszenierte sein Spiel in einem 3-3-4. Nominell klingt es einen Tick defensiver, auf dem Rasen war davon allerdings wenig zu merken.

Christoph Nister

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