Die Meilensteine in der Fußball-Geschichte

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Der Fußball sah nicht immer so aus, wie er heute gespielt wird.

Viel mehr machte „the beautiful game“, wie die Engländer sagen, eine enorme Entwicklung durch.

Diese reicht vom anfänglichen Chaos auf dem Spielfeld im 19. Jahrhundert, bis zum geordneten ballorientierten Verschieben heutzutage.

Mit der Geschichte der Fußball-Taktik lassen sich  Bücher füllen. LAOLA1 zeigt die wichtigsten Meilensteine auf:

Am Anfang war das Chaos:

Der Fußball nahm seine Anfänge im 19. Jahrhundert in England. Mit der Gründung der FA (Football Association) im Jahr 1863 wurden erstmals einheitliche Regeln eingeführt. Systeme gab es damals noch nicht. Erst mit der Zeit etablierte sich so etwas wie eine Grundordnung. Aus einem 1-0-9 wurde das 1-2-7 oder 2-2-6 und ab den 1880er-Jahren das als Pyramide bezeichnete 2-3-5-System, das bis in die 1950er-Jahre weit verbreitet war. Zu Beginn standen sich im Wesentlichen zwei Schulen gegenüber: Die englische, die auf individuelle Klasse setzte, und die schottische, die das Passspiel bevorzugte.

Chapman erfindet den Konterfußball:

Erst 1925 wurde die Abseitsregel eingeführt, wie wir sie heute kennen. Der Gedanke dahinter: Es sollten wieder mehr Tore fallen, um das Spiel attraktiver zu machen. Herbert Chapman sorgte dafür, dass diese Absicht langfristig nicht funktionierte. Als Trainer holte er mit Huddersfield (1924, 1925) und Arsenal (1931, 1933) vier englische Meisterschaften. Sein Erfolgsrezept: Konterfußball. Chapman setzte auf eine starke Defensive und schnellen direkten Angriffsfußball. Dafür führte er eine neue Formation ein – das 3-2-2-3 oder auch WM-System genannt, das fortan den Fußball dominierte.

Sindelar prägte die Rolle des Zehners

Der Donau-Fußball und Sindelars Pionier-Rolle

Auch Österreich leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Fußballs. Im Gegensatz zum defensiven Trend auf der Insel entwickelte sich in den ehemaligen Ländern der K.u.K-Monarchie der Donau-Fußball. Dieser zeichnete sich vor allem durch technische Finessen und Kurzpassspiel aus. Trendsetter war das österreichische „Wunderteam“, das zwischen 1931 und 1933 14 Spiele in Folge ungeschlagen blieb.

Systematisch lieferte das Team von Verbandskapitän Hugo Meisl mit seinem 2-3-5-System nichts Neues. Doch Matthias Sindelar kreierte mit seiner Interpretation des Mittelstürmers eine neue Position, die wir heute als Spielmacher bezeichnen würden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tradition von Ungarn fortgesetzt. Mit einem 6:3-Sieg gegen England 1953 im Wembley-Stadion brachen die Magyaren endgültig die Dominanz des Fußball-Mutterlands. Vor allem die ständigen Rochaden von Hidegkuti, Puskas und Co. bereitete den Engländern damals Probleme.

Brasilianische Dominanz

Neben Großbritannien und Kontinentaleuropa gab es mit Südamerika ein drittes Zentrum des runden Leders. 1958 rückte dieses in den Mittelpunkt der europäischen Medienöffentlichkeit. Die Brasilianer holten bei der WM in Schweden mit einer beeindruckenden Vorstellung ihren ersten von insgesamt fünf WM-Titeln.

Hinter dem Erfolg stand ein neues System, das 4-2-4. In der Defensive setzte das Team von Vicente Feola auf Raumdeckung – die Verteidiger deckten einfach den Gegenspieler, der ihnen am nächsten war. Rochaden der Offensivspieler sorgten damit nicht mehr für Verwirrung. Auf diese Weise wurde den Angriffs-Künstlern um Pele und Garrincha der Rücken freigehalten.

Der böse Weg: Catenaccio

Es ist das Mittel der Kleinen gegen die Großen: Mauern und auf Konter lauern. In den 1930er Jahren erkannte dies schon der Wiener Karl Rappan, der als Schweizer Nationaltrainer und bei diversen eidgenössischen Vereinen den sogenannten „Schweizer Riegel“ - eine defensiv modifizierte Version des 2-3-5 - erfand. Nach dem Krieg griffen diverse italienische Trainer die defensiven Strategien auf, so zum Beispiel Nereo Rocco, der mit dem AC Milan zwei Mal Europapokalsieger der Landesmeister wurde.

Unumgänglich verbunden ist der Begriff Catenaccio jedoch hauptsächlich mit einem Trainer - Helenio Herrera. Der Argentinier gewann mit Inter 1964 und 1965 den Landesmeister-Pokal. Dabei setzte er auf einen Ausputzer hinter der Abwehr und ein zahlenmäßig schwer einzuordnendes 5-4-1-System. Nach der Balleroberung stießen wechselnde Spieler zum Konter vor. Inter-Linksverteidiger Facchetti gilt deswegen als erster moderner Außenverteidiger.

Der Mastermind des "Voetbal Total"

"Voetbal Total": Eine niederländische Revolution

Die Niederlande waren bis in die 1960er-Jahre fußballerisch nicht vorhanden, doch mit zwei Namen kam der Erfolg: Rinus Michels und Johan Cruyff. Die beiden prägten eine neue Art des Fußballs: den „Fußball Total“. Während des Spiels tauschten Cruyff und Co. laufend Positionen. Verteidiger spielten im Angriff und Stürmer in der Abwehr. Bei eigenem Ballbesitz machten die Niederländer das Spielfeld möglichst groß, bei Ballverlust wurde der Gegner mit Pressing schon in der eigenen Hälfte systematisch attackiert.

Als perfektes System dieser Spielart stellte sich das 4-3-3 heraus, das Michels Anfang der 1970er-Jahre als Trainer bei Ajax Amsterdam einführte. Spielmacher Cruyff war mehr als nur sein verlängerter Arm auf dem Spielfeld. Europas Fußballer des 20. Jahrhunderts dirigierte seine Kollegen auf dem Spielfeld, gewann so mit Ajax drei Mal den Europapokal der Landesmeister und führte die Niederlande 1974 ins WM-Finale. Die Tradition des „Voetbal Total“ setzt sich bis heute fort, der FC Barcelona unter Cruyff-Schüler Pep Guardiola ist dafür das beste Beispiel.

Sacchi macht das Spielfeld kleiner

Es war die letzte große Revolution im Fußball: Arrigo Sacchis Einführung der ballorientierten Raumdeckung. Der Italiener, der selbst nie professionell Fußball spielte, schaffte die Manndeckung samt dazugehörigen Libero ab. Stattdessen führte er ein 4-4-2-System ein, bei dem alle Verteidiger auf einer Linie standen. Hatte der Gegner das Leder, so begann die gesamte Mannschaft Richtung Ball zu verschieben und den Raum eng zu machen (siehe LAOLA1-Taktik-Lexikon).

Gleichzeitig ließ Sacchi auch offensiv spielen. Bei eigenem Ballbesitz befanden sich mindestens fünf Spieler vor dem Ball. Unter ihm holte der AC Milan 1989 und 1990 den Europapokal der Landesmeister, doch Sacchis größter Erfolg ist ein anderer: Sein Raumdeckungkonzept bildet bis heute den Grundstock für jedes Defensivspiel.

Und was kommt jetzt?

Seit Sacchis großen Erfolgen Ende der 1980er-Jahre hat sich der Fußball enorm weiterentwickelt. Das Spiel ist schneller geworden, die Spieler professioneller und die taktische Arbeit detailreicher. Zudem lässt sich auch ein Trend der Verwissenschaftlichung des Fußballs feststellen. Sportmedizinische und statistische Daten, wie sie die LAOLA1-Datenbank von impire liefert, werden immer wichtiger.

„Es tut sich immer etwas. Aktuell setzt der FC Barcelona neue Maßstäbe“, weiß der Chef der österreichischen Trainerausbildung, Thomas Janeschitz. Die Katalanen überzeugen vor allem mit ihrem Offensiv-Pressing. Zudem steckt auch hinter dem so locker, leicht aussehenden Angriffsspiel ein penibles taktisches Training. Spielt Barcelona gar schon den perfekten Fußball? Man darf gespannt sein, was sich die internationale Trainer-Riege in der nächsten Saison einfallen lässt, um die blau-rote Dominanz zu brechen.

Jakob Faber

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