In zehn Schritten zum Taktik-Experen

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Auch unter den Fans wird das komplexe Thema Fußball-Taktik immer wichtiger.

Sätze wie „Er sollte mit nur einem Sechser spielen“ oder „Die Abwehr stand viel zu hoch!“ hört man immer öfters.

Doch auf was musst du beim Stadionbesuch oder vor dem Fernseher überhaupt achten, um selbst über Taktik reden zu können? Und macht das überhaupt Spaß?

Ja, meinen wir von LAOLA1. Fußball nicht nur einfach anzuschauen, sondern in seinen Grundzügen zu erforschen, kann jede noch so langweilige „Rasenschach-Partie“ zum aufregenden Erlebnis werden lassen.

In zehn Schritten wirst du hier zum Taktik-Experten:

1. Beachte nicht nur den Ball!

Der gemeine Zuschauer neigt bei der Betrachtung eines Fußballspiels gerne dazu, einfach dem Spielgerät hinterher zu schauen. Für eine umfassendere Analyse ist es jedoch wichtig, sein Blickfeld zu erweitern. Versuche stets das gesamte Spielfeld zu beobachten, ohne dabei aber das Zentrum des Geschehens - also den Fußball - aus den Augen zu verlieren. Achte zum Beispiel darauf, wie sich die Mitspieler des Ballführenden bewegen. Der Stadionbesucher ist dabei gegenüber dem Fan vor dem Fernseher im Vorteil, da er den gesamten Platz im Blick hat.

2. Konzentriere dich nur auf ein Team!

Um zum Schluss zu einer Analyse des gesamten Spiels zu kommen, solltest du deine Aufmerksamkeit zunächst nur einer der beiden Mannschaften widmen. So behältst du leichter den Überblick. Zudem kann es helfen, die bevorzugte Spielweise der Akteure am Spielfeld schon zu kennen. Die eigene Lieblingsmannschaft eignet sich deswegen am besten zur Bewertung der taktischen Performance.

3. Erkenne das System!

Die erste Aufgabe nach dem Anstoß für jeden Taktik-Experten und jene, die es werden wollen, ist die Suche nach dem grundlegenden Spielsystem der beiden Teams. Dabei kann die vor dem Spiel von den Trainern ausgegebene Aufstellung eine wichtige Hilfe sein. Doch nicht immer stimmt diese am Ende mit der Organisation am Platz überein. So kann sich ein auf den ersten Blick offensives 3-4-3 schnell als ein hinterlistiges 5-4-1 entpuppen. Es gilt also die einzelnen Reihen – Verteidigung, Mittelfeld und Angriff – der beiden Teams aufzuspüren und… 

4. Fertige Skizzen an!

…anschließend auf ein Blatt Papier zu übertragen. Eine Skizze, auf der die Systeme beider Teams notiert sind, kann Wunder bewirken, um den Überblick zu behalten.

5. Wie wird das Spiel aufgezogen?

Nun befassen wir uns zunächst mit dem Offensiv-Spiel unserer Mannschaft. Hier stellt sich in erster Linie die Frage, wie der Spielaufbau funktioniert. Ein klassischer Angriff beginnt mit dem Pass eines Defensiv-Spielers und endet im perfekten Fall mit einem Torabschluss. Werden die Bälle über die Mitte oder die Seite, hoch oder flach nach vorne gespielt? Versuchen die Verteidiger dem Stil von Bayern München entsprechend mit vielen Querpässen Ruhe ins Spiel zu bringen? Oder sucht das Team den schnellen direkten Weg nach vorne, wie zum Beispiel Hannover 96?

6. Spüre Automatismen auf!

Im Laufe der Partie wirst du gewisse Regelmäßigkeiten in der Spieleröffnung feststellen. Dann bilden sich, vorausgesetzt das Angriffsspiel funktioniert so wie gewollt, stabile Spielbeziehungen aus, die im Optimallfall bereits im Training einstudiert wurden. Im modernen Fußball sind solch eingespielten Automatismen besonders wichtig, da nur so die kompakten Verteidigungsreihen durchdrungen werden können. Ein einfaches Beispiel dafür liefert das ÖFB-Team im Testspiel gegen die Niederlande. Die tendenziellen Laufwege einzelner Spieler können auf der Skizze vermerkt werden.

7. Erkenne das Abwehrverhalten!

Nach dem Ballverlust muss ein Team blitzschnell von den Freiheiten im Offensiv-Spiel zur Ordnung im Defensiv-Verhalten finden. Auch hier stehen einem Trainer vielfältige Möglichkeiten zur Auswahl, sein Team einzustellen: Wo beginnt eine Mannschaft mit dem Pressing? Werden mit aggressivem Forechecking bereits die gegnerischen Verteidiger attackiert, wie beispielsweise Barcelona damit erfolgreich ist? Oder übt man wie Inter Mailand beim Champions-League-Erfolg 2010 erst tief in der eigenen Hälfte Druck auf den Gegenspieler aus? Wie groß ist der Abstand zwischen den einzelnen Formations-Reihen? Wo steht die Viererkette, wenn das gegnerische Team mit dem Angriff beginnt – hoch oder tief?

8. Finde die Spezialaufgaben einzelner Spieler!

Einzelne Spieler können im kollektiven System spezielle Aufgaben erfüllen. So kann es beispielsweise sinnvoll sein, einen herausragenden Individualisten beim gegnerischen Team durch einen eigens dafür abgestellten Spieler aus dem Spiel zu nehmen. Klassisches Exempel hierfür ist die Rolle Steffen Hofmanns bei Rapid und wie sich der Gegner darauf einstellt.

9. Entdecke Überzahlspiele!

Sind die Systeme und Strategien einmal gefunden, gilt es beide Teams miteinander zu vergleichen und Unterschiede festzustellen. Zudem solltest du in der direkten Gegenüberstellung auch auf Überzahlspielsituationen achten. Seit Einführung der Raumdeckung sind diese besonders wichtig. Im Normalfall hat beispielsweise ein 4-2-3-1 gegenüber dem 4-4-2 den Vorteil von mehr Spielern in der Mittelfeldzentrale. Andererseits wiederum besitzen zwei Stürmer mehr Durchschlagskraft als nur eine Spitze.

10. Achte auf taktische Änderungen!

Während des Spiels können sich taktische Pläne natürlich blitzschnell ändern. Ob durch Verletzungen, Ausschlüsse, Tore oder schlicht weil es nicht läuft – im besten Fall sollte der Trainer für jeden Fall eine neue Strategie zur Hand haben. Umstellungen geschehen durch Spielerwechsel oder durch direkte Änderungen am Spielfeld. Für den geübten Experten beginnt die Analyse damit von Neuem.

 

Jakob Faber

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