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Volksfest-Stimmung in Wien-Dornbach

"Hernois is ois."

Seit Jahren pilgern nicht nur die stolzen Bewohner des 17. Wiener Gemeindebezirks nach Dornbach, um dieses Lied anzustimmen.

Der Wiener Sportklub zieht noch immer, auch wenn die glorreichen Jahre längst vorbei sind. Vergessen werden die Heldentaten vergangener Tage aber auch in der Regionalliga nicht.

Für einen Abend war am Sportklub-Platz auf der Alszeile wieder ein Hauch von altem Glanz spürbar. Denn niemand geringerer als die AS Roma schaute vorbei.

Auch ohne Totti kamen Erinnerungen hoch

Zwar war von "El Capitano" Francesco Totti oder Daniele de Rossi keine Spur, trotzdem schickte der italienische Vizemeister eine namhafte Elf mit Stars wie Miralem Pjanic oder Gervinho auf den Platz.

Nach einer umfangreichen USA-Reise durch Boston, Denver, Dallas oder auch Philadelphia sowie einem Trainingslager in Bad Waltersdorf diente der Test im Westen Wiens als Schlusspunkt.

Fans der altehrwürdigen Friedhofs-Tribüne fühlten sich an alte Zeiten erinnert, etwa als die Schwarz-Weißen im Jahre 1958 Juventus Turin mit 7:0 vom Platz fegten.

Bundesliga-Luft schnupperte der Drittligist seit der Saison 1993/94 nicht mehr, damals noch mit dem "c" im Namen, eine Zusammenführung des Wiener Sportclubs und des WSK scheiterte bis heute.

7.112 Zuschauer mit Prohaska und Konsel

Seither bäckt man bei den Hernalsern kleinere Brötchen. Der Besuch aus Rom war eine Art Zuckerl für die vielen Rückschläge der jüngeren Vergangenheit.

Dass die betagte Anzeigetafel am Ende ein 1:4 anzeigte, interessierte die euphorisierte Masse nur am Rande.

Alleine in den Genuss einer Veranstaltung dieser Größe zu kommen, stellte alle Beteiligten zufrieden.

7.112 Zuschauer lockte der Testspiel-Kracher an. Eine Bestmarke in diesem Jahrtausend, die sogar jene rund 6.000 Besucher im kleinen Wiener Derby gegen die Vienna in den Schatten stellte. Selbst die ehemaligen Roma-Legionäre Herbert Prohaska und Michael Konsel statteten dem Spiel einen Besuch ab.

Nicht nur von Zuschauerzahlen her konkurrenzfähig

Nicht unerwähnt darf dabei bleiben, dass der mitten im Siedlungsgebiet liegende Platz, dem englischen Flair bis heute treu blieb und auch in der dritthöchsten Spielklasse bis zu 2.000 Fans pro Spiel anlockt.

Mit solchen Zahlen hat selbst der eine oder andere Bundesligist zu kämpfen, von der Ersten Liga ganz zu schweigen. Was die Rekord-Kulisse bewirken kann, wurde gegen den AS Rom offensichtlich.

Die Truppe von Kurt Jusits hielt mit dem Serie-A-Klub lange Zeit gut mit, kassierte erst spät in Hälfte eins den ersten Gegentreffer durch Gervinho (35.).

Selbst nach Pjanics 2:0 (62.) gab sich der klare Außenseiter nicht auf und brachte dank des Anschlusstreffers von Sportklubs-Aushängeschild Sertan Günes an dessen 32. Geburtstag die Stimmung zum Brodeln.

Die späten Treffer von Iturbe (83.) und Ljajic (88.) zum 4:1-Endstand änderten nichts daran, dass sich der Sportklub teuer verkauft hatte und zudem unterstrichen wurde, welches Potenzial vorhanden wäre.

Sanierung lässt auf sich warten

Selbst Schimmel, Schmutz und spartanische Verhältnisse in den Kabinen, Duschen und Sanitäranlagen hinterließen bei den italienischen Gästen keinen schlechten Eindruck.

Viel mehr stach ihnen der zu einer Seite abfallende Rasen ins Auge. Ansonsten wurde das 1904 errichtete Stadion zumindest nach außen hin aufpoliert.

Die vernachlässigte Tribüne in der Kainzgasse war nach langer Zeit wieder begehbar, Bandenwerbung zierte die Haupttribüne und den Zuschauern wurde ein interessantes Rahmenprogramm geliefert - alles, um den Verein wieder ins Gespräch zu bringen und wirtschaftlich zu profitieren.

Schließlich lässt die angedachte Sanierung der heruntergekommenen Kultstätte seit Jahren auf sich warten, noch ist keine endgültige Entscheidung in Sicht.

Salzburg und Vienna als weitere Highlights

Die nächsten Highlights stehen trotz allem vor der Tür.

In der zweiten ÖFB-Cup-Runde gastiert - wie schon 2012 - der Double-Gewinner FC Red Bull Salzburg in Dornbach.

Außerdem wird die Regionalliga Ost nach dem Abstieg der Vienna mit Neuauflagen des kleinen Wiener Derbys bereichert.

Nur einige Gründe, die den Wiener Sportklub nach langer Zeit zumindest wieder ein wenig ins Rampenlicht rücken.

Das Jahrhundertspiel gegen die AS Roma war schon mal ein Anfang - und ein Hauch von altem Glanz spürbar.


Alexander Karper

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