Zahl arbeitsloser Kicker steigt

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"Nicht alles auf die Karte Profi-Fußball setzen!"

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Heute Fußballer, morgen arbeitslos? Warum Bildung für Fußballer immer wichtiger wird. 

Die Zahl der arbeitslosen Kicker in Österreich steigt von Jahr zu Jahr. Die VdF will dagegen ankämpfen. Mit Oliver Prudlo ist ein Ex-Bundesligaspieler in der Sache federführend.

Nach seinem Abgang als Sportdirektor bei Wacker Innsbruck vor zwei Jahren kehrte der Tiroler im Vorjahr zur Vereinigung der Fußballer zurück.

Das Hauptaugenmerk des 47-Jährigen liegt in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter den Profi-Kickern, der sozialen Absicherung und Weiterbildung für Fußballer.

Bei LAOLA1 spricht Oliver Prudlo über die aktuellen Entwicklungen.

Dazu gibt es am Dienstag (21.4., ab 18 Uhr) eine Podiumsdiskussion der VdF (inklusive LIVE-Stream) mit prominenten Gästen wie Rapids Steffen Hofmann, dem deutschen Ex-Teamspieler Fredi Bobic, Austrias Akademieleiter Ralf Muhr, Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits und Ulf Baranovsky, Geschäftsführer der deutschen Spielergewerkschaft VdV.

Oliver Prudlo über…

… Entwicklung der Arbeitslosigkeit von Fußballern in Österreich

Es ist festzustellen, dass bei den Mitte 20-Jährigen, also den eher jüngeren Fußballern, die Arbeitslosigkeit stetig im Wachstum ist. Bei unserem Camp für arbeitslose Fußballer haben wir letztes Jahr auch erstmals die offiziellen Daten dafür bekommen. Wir erklären uns das dadurch, dass sich die Situation im österreichischen Fußball geändert hat. Es gibt eine gute Nachwuchsarbeit in den Akademien, das wurde auch durch die Erfolge der U-Nationalmannschaften dokumentiert. Dadurch kommt jedes Jahr eine große Zahl an gut ausgebildeten Spielern auf den Markt. Es ist ein Verdrängungswettbewerb entstanden.

... mögliche Sofortmaßnahmen

Man sollte bei den Akademien und auch bei den Eltern ein anderes Bewusstsein schaffen, dass die jungen Spieler nicht alles auf die Karte "Profi-Fußballer" setzen dürfen. Es muss ihnen klar sein, dass die Profi-Karriere nach dem Einstieg auch schnell wieder vorbei sein kann. Schneller als noch vor einigen Jahren.

…die beruflichen Ausbildungs-Möglichkeiten in den Akademien

Eine unabhängige Beratung ist notwendig, um dieses Bewusstsein frühzeitig zu schaffen. Ich würde es zudem für sinnvoll halten, das Bildungsangebot in den Akademien, mit verschiedenen Schultypen und wenigen Lehrlings-Ausbildungen, weiter zu verbreitern. Es müsste zusätzliche Lehrangebote und Schultypen geben.

Bei einigen Akademien gibt es Lehrlings-Modelle, aber die sind relativ spärlich und sie werden auch von den Spielern relativ spärlich angenommen. Es ist nicht jeder dafür geeignet, dass er in die Schule geht. Es gilt dieses Angebot zu verbreitern.

Wenn der Spieler den Eintritt in den Profi-Fußball geschafft hat, kann er sich auch gleich Gedanken über die Zeit danach machen. Da ist eine frühzeitige Berufsorientierung und eine Weiterbildung während der Karriere notwendig.

… mögliche Vorsorge-Modelle

Das ist auch ein Punkt. Bei einer chronologischen Abfolge einer Profi-Karriere fehlt bei uns eine entsprechende Absicherung nach dem Karriereende. Es gibt in Österreich kein Vorsorgemodell für Profi-Fußballer. In anderen Ländern gibt es das bereits seit Jahrzehnten. Es gibt in dieser Hinsicht auch schon Gespräche mit dem Sportministerium. Es hat zwischenzeitlich ausgesehen, als ob in der Sache schneller etwas weiter gehen könnte, aber naja…

... Vergleich zu anderen Ligen

Es gibt kein Nord-Süd-Gefälle bei diesem Thema. Es sind die Italiener sehr gut, die haben ein Pensionssystem für Fußballer seit vielen Jahren. Das Vorzeigemodell war aber immer Holland. Man muss die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen, dann sieht man, inwiefern es bei uns möglich ist. Spieler sollten nach dem Karriereende ein bisschen Geld zur Verfügung haben, um sich im zweiten Berufsleben zu etablieren.

... über das AMS-Camp für arbeitslose Spieler

Für mich war das positive Echo nach der Premiere im Vorjahr zu erwarten. Man hat schon in anderen Ländern gesehen, dass so ein Camp einen Sinn hat und den Spielern weiterhilft, sich in den Spielermarkt zu integrieren. Die Kritiker, die am Anfang da waren, sind sehr schnell verstummt.

Wir planen das Camp im Sommer erneut zu veranstalten. Die Unterstützung durch das AMS ist aber noch nicht endgültig abgesegnet. Ich gehe davon aus, dass dies in den nächsten Wochen passieren wird.

… Zahl der arbeitslosen Profis

Die Zahl, die wir jetzt haben, ist nicht aussagekräftig. Es stehen noch viele Spieler unter Vertrag. Man muss aber davon ausgehen, dass etliche Spieler nicht so schnell einen neuen Verein finden werden. Da muss man bis Ende Mai warten, bis es eine Zahl gibt. Letztes Jahr waren 150 Leute arbeitslos gemeldet, die im Bereich Fußball auf Arbeitssuche waren.

Die Spieler haben einen Anspruch auf das AMS, sie zahlen ihre Beiträge wie jeder andere. Die Gehaltsstudie aus dem letzten Jahr besagt, dass zwei Drittel in der Ersten Liga unter 30.000 Euro brutto im Jahr verdienen.

… wie sich eine Lehre/Ausbildung neben dem Fußball ausgeht

Das ist sicher eine individuelle Frage. Der eine schafft es, der andere nicht. Wenn man an die Erste Liga denkt, da haben wir ein System mit den Spielzeiten am Freitagabend. Das kommt einem natürlich nicht entgegen, wenn man nebenbei arbeitet.

... Rolle des ÖFB bei Reformen (Kollektivverträge etc.)

Natürlich könnten der ÖFB und die Bundesliga dieses Thema vorantreiben. Generell muss man sagen, dass wir als VdF etwas Gutes für den österreichischen Fußball tun. Wir sind keine Querulanten. Wir wollen konstruktiv zusammenarbeiten. Es ist unsere Pflicht, auf Probleme hinzuweisen und Vorschläge zu machen.

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