Blatter-Herausforderer: Prinz mit Teddybär-Gesicht

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Wenn Prinz Ali bin al-Hussein mit seiner Entourage den Raum betritt, kann man seinen Willen zur Macht nicht sofort erkennen.

Der jordanische Königssohn wirkt eher bescheiden, fast schüchtern. Auch am Rednerpult parliert der Mann mit Teddybär-Gesicht selten offensiv.

Und doch ist Al-Hussein die letzte Hoffnung der selbsternannten Fußball-Demokraten für einen Wandel im skandalumtosten Weltverband.

Platini soll ihn überredet haben

Spätestens mit der Interview-Offensive von UEFA-Boss Michel Platini ist auch offiziell, dass Al-Hussein die Speerspitze der aus Europa gelenkten Anti-Blatter-Koalition ist. Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass der Franzose Platini, der selbst nicht den Machtkampf mit Joseph Blatter wagte, seinen FIFA-Vizechef-Kollegen sogar zu einer Kandidatur überredete.

Als letzter von anfangs noch fünf Blatter-Gegenkandidaten tritt der Chef des jordanischen Verbandes auch tatsächlich gegen den Amtsinhaber an, nachdem Michael van Praag und Luis Figo vergangene Woche ihren Rückzug verkündeten. Die unabhängigen Kandidaten Jerome Champagne und David Ginola hatten nicht einmal die formalen Kriterien erfüllt.

Al-Hussein wird nun auch von Van Praag unterstützt und übernahm einige von dessen Kernforderungen zur Demokratisierung flugs in sein Programm. Und er verbreitet trotz nur minimaler Erfolgsaussichten Optimismus. "Ich wage, mir eine Zukunft vorzustellen, in der wir so gut sind, wie wir sein können", heißt es in seinem Wahlkampfprogramm.

Ein unmoralisches Angebot

Der Halbbruder des aktuellen jordanischen Regenten weiß natürlich um die Ausgangslage vor dem Urnengang im Zürcher Hallenstadion, wenn er nicht einmal mit der Stimmenmehrheit aus seiner Heimatkonföderation Asien rechnen kann. Bei allem höflichen, distinguierten Auftreten ist Al-Hussein mit allen Untiefen der Machtpolitik in der Welt der Fußball-Funktionäre vertraut. Für seine Kandidatur beauftragte er Berater, die ihn vor Angriffen auf seine Integrität schützen sollten.

Nicht ohne Grund, wie nun wenige Tage vor der Wahl ans Licht kam. Im April erhielt Al-Hussein offenbar ein zwielichtiges Offert eines Mannes, der ihm versprach, 47 Wahlstimmen und Einblick in Blatters Finanzunterlagen besorgen zu können. Laut dem Wahlkampfteam des Prinzen wurde dies zur Anzeige gebracht, nicht aber dem FIFA-Ethikkomitee gemeldet, um die staatlichen Ermittlungen nicht zu behindern. Die FIFA hatte bisher keine Kenntnis von den Vorgängen, hieß es.

Asiens Mächtige sind andere

Der Katarer Mohammed bin Hammam musste seine Kandidatur gegen Blatter 2011 kurz vor der Abstimmung aufgeben, als er über plötzlich publik gewordene karibische Korruptionsanschuldigungen stolperte. Letzter Gegenkandidat des Schweizers bei einer Wahl ist weiterhin der heutige FIFA-Vize Issa Hayatou vor 13 Jahren - der sich beharrlich und mit Blatters Hilfe gegen Korruptionsanschuldigungen wehrt.

Als Al-Hussein vor vier Jahren ins FIFA-Exekutivkomitee einzog, war er großer Hoffnungsträger für einen Wandel. Mit 39 Jahren ist er weiterhin jüngstes Mitglied in dem Gremium. Mit seiner hübschen, gebildeten Frau an seiner Seite bildet er ein arabisches, aufgeklärtes Traumpaar.

Die FIFA-Karriere dürfte allerdings am Freitag zumindest vorerst vorbei sein. Von seiner Konföderation wurde er nicht für eine weitere Amtszeit im Exko, dem mächtigsten Gremium des Weltverbandes, nominiert. Den Platz als asiatischer FIFA-Vize nimmt künftig Scheich Salman Bin Ebrahim aus Bahrain ein. In die Runde rückt zudem Scheich Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait. Beide sind enge Vertraute von Blatter.

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