Rückhalt für Platini schwindet

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England zieht Unterstzützung für Platini zurück

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Beim Krisengipfel in Nyon demonstrierte Fußball-Europa noch Einigkeit, einen Tag später war der Rückhalt für den suspendierten UEFA-Chef Michel Platini nur noch Makulatur.

Englands Fußballverband (FA) als einer der wichtigsten Verbände im Weltfußball versagte dem Franzosen die Unterstützung im Kampf um die FIFA-Präsidentschaft und befeuerte mit einer Mitteilung die Zweifel an seiner Integrität.

Neue Informationen im Fall Platini

Die FA habe am Donnerstag neue Informationen zu dem Fall von Platinis Anwälten erhalten. Die Informationen müssten vertraulich behandelt werden. Aber als Konsequenz könne der Verband die Unterstützung für Platini nicht mehr aufrechterhalten. "Bis das Gerichtsverfahren abgeschlossen und die Lage klar ist", hieß es in einem Statement.

Damit ist die sportpolitische Zukunft Platinis fraglicher denn je. Die öffentlichkeitswirksam verkaufte Nibelungentreue der 54 UEFA-Mitgliedsverbände für Platini war ohnehin eher als Spiel auf Zeit zu werten. Bei der UEFA laufen längst die Debatten über einen Plan B. Schon in Nyon hatten einige Verbandsvertreter ihre Bedenken hinsichtlich Platini, der von der FIFA-Ethikkommission wie FIFA-Boss Joseph Blatter für 90 Tage suspendiert worden ist, geäußert.

Immerhin hatten sich die Europäer in der UEFA-Zentrale am Genfer See darauf verständigt, Platini das Recht einzuräumen, seinen Ruf wiederherzustellen. Der UEFA-Chef muss sich wegen der umstrittenen Zahlung an Blatter verantworten. Noch immer gibt es für die Öffentlichkeit keine schlüssige Erklärung dafür, warum die zwei Millionen Franken erst knapp neun Jahre später gezahlt wurden und warum es keine schriftliche Vereinbarung darüber gibt.

Stellt UEFA Alternativ-Kandidaten?

Überzeugen konnte Platini seinen Verband offenbar nicht. So scheint es nach aktuellem Stand der Dinge auszuschließen, dass der ehemalige Weltklassespieler nach dem Ende der Bewerbungsfrist am 26. Oktober die Integritätsprüfung der Ethikkommission überstehen und zur Wahl als neuer FIFA-Chef und Blatter-Nachfolger im Februar zugelassen wird.

Am Dienstag kommt in Zürich das Exekutivkomitee des Weltverbands zusammen. Spätestens dann werden wohl weitere Weichen gestellt: Sollte es einen europäischen Alternativ-Kandidaten geben, auf den sich im besten Fall die 54 UEFA-Nationen einigen können, auch wenn dieser nicht Platini heißt?

Oder ist eine Unterstützung des Jordaniers Prinz Ali bin al-Hussein oder des möglicherweise kandidierenden asiatischen Verbandschefs Scheich Salman bin Ebrahim Al-Khalifa denkbar?

DFB-Untersuchung bringt ominöse Zahlung zutage 

Kaum vorstellbar ist, dass die Europäer auf einen eigenen Kandidaten verzichten wollen. Gehandelt werden immer wieder die Namen des Niederländers Michael van Praag und von Deutschlands Verbandschef Wolfgang Niersbach.

Dieser hat interne Untersuchungen über Zahlungen des Organisationskomitees der WM in Deutschland 2006 in Auftrag gegeben, in Zuge derer tauchte eine ominöse Zahlung von 6,7 Mio. Euro an die FIFA auf.

Der DFB will dem nun weiter nachgehen. Bemerkenswert ist, dass Niersbach dem Komitee seinerzeit als geschäftsführender Vizepräsident und Medienchef selbst angehört hatte. Präsident des Organisationskomitees war Franz Beckenbauer, als erster Vize-Präsident fungierte der langjährige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt.

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