Querdenker Scharner bringt Biografie heraus

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Paul Scharner war Vieles, aber auf alle Fälle kein gewöhnlicher Fußball-Profi.

Der 35-Jährige bringt nun, zwei Jahre nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn, unter dem Titel „Position Querdenker“ seine Biografie heraus. Ab 14./15. August im Buchhandel erhältlich.

In dem Werk gibt der 40-fache Nationalspieler unter anderem Einblick in seine Beweggründe für die Kritik an ÖFB-Teamchef Marcel Koller, die ihn aus dem Nationalkader bugsierte, oder seine entscheidende Mannschaftsansprache vor dem Gewinn des FA Cups mit Wigan.

Heute ist Scharner Privatier, bewohnt ein Häuschen in Niederösterreich. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „News“, dem er vorab einen Einblick in sein Buch gewährte, sprach der ehemalige Austrianer auch über Zukunftspläne.

Und Scharner wäre nicht Scharner, würde er dabei nicht zu überraschen wissen. „Ich sehe mich kurz- und mittelfristig definitiv nicht als Tainer. (…) Mich interessieren Organisation und Management, innovative, professionelle Strukturen zu erarbeiten (…). Meine Tätigkeit muss aber nicht im Sportbusiness sein. Wirtschaft interessiert mich, ich bin auch bereit für die Politik.“ Am liebsten wäre ihm eine „Einmann-Partei“.

Bei der Austria ist’s fad

Marcel Koller entließ Scharner nach dessen Kritik aus dem Team-Camp

Rückblickend teilt der Defensiv-Allrounder sein bisheriges Leben in drei Teile ein, in Paul Scharner 1.0, 2.0 und 3.0. Diese reichen vom hoffnungsvollen Fußballer über den ehrgeizigen Querdenker bis hin zum aktuellen Privatmann.

„Paul Scharner 2.0 war ein Karrierist, der versucht hat, seinen Charakter beizubehalten, sich nicht vom System verbiegen zu lassen. Dieser Scharner wird mit dem Buch völlig abgeschlossen.“ Heute würde er sich viel eher als gemütlich und gesellig beschreiben.

Sein neues Leben habe er vom Fußball mittlerweile weitgehend abgegrenzt.  Im TV schaue er sich nur noch Leckerbissen a la UCL-Finale an. „Im Austria-Stadion war ich einmal und nie wieder. Es war so fad, obwohl es ein sogenanntes Spitzenspiel war. Für Red Bull Salzburg kann ich mich eher begeistern, diese Infrastruktur ist beeindruckend, und hohe Ziele setzt sich der Klub auch.“ Gegen das chronische Scheitern an der UCL-Quali würde Scharner schon die eine oder andere Idee parat haben.

Panierter Kurzschluss

Mit seinem legendären Sager „Sie haben Koller wie Schnitzel weichgeklopft“ hatte sich Scharner im Vorfeld des Freundschaftsspieles Österreich gegen die Türkei im August 2012 selbst aus dem ÖFB-Kader katapultiert. In seiner Biografie versucht Scharner zu erklären, wie es dazu gekommen ist.

Koller hatte ihn nicht für die Startformation nominiert, woraufhin der Verteidiger den Schweizer zur Rede stellte. Der Coach begründete es mit einer Mischung aus Bauchgefühl, mangelnder Erfahrung sowie Match-Praxis, woraufhin Scharner sein großes Ziel, die WM 2014, ernsthaft in Gefahr sah: „Augenblicklich war es für mich erledigt. Aus. Verlorene Zeit. Es war wie ein Kurzschluss, der mich durchzuckte und lahmlegte.“

Über die Wirkung seines verhängnisvollen „Schnitzel“-Sagers sei er sich aber vollauf bewusst gewesen. Das Interview habe er mit „klarem Verstand“ gegeben und „auch wenn viele es sicher nicht wahrhaben wollen, war es gut gemeint“.

Wenn der Scharner das Wort ergreift

Scharner mit dem FA Cup

Fast schon heroisch wirken hingegen die Schilderungen Scharners vom Triumph im FA-Cup-Finale 2013, als Wigan den großen Favoriten Manchester City im Wembley-Stadion mit 1:0 bezwang. Ursprung für den Erfolgsrun der „Latics“ sei laut der Feder des ÖFB-Legionärs nämlich eine Mannschaftsansprache von ihm gewesen.

In einer Besprechung vor dem Achtelfinale (!) hatte Scharner nämlich das Wort ergriffen und versucht, seinen Kollegen mit einer mitreißenden Rede den notwendigen Schuss Zusatz-Motivation zu verpassen. Deren Wirkung soll bis zum Titel überdauert haben.

„Der Grundstein für eine der größten Sensationen in der Geschichte des FA Cups wurde definitiv in dieser Spielbesprechung in Huddersfield gelegt. Das ist nicht nur meine Meinung, es ist auch die meiner Kollegen“, schreibt Scharner.

Der letztliche Sieg im Finale über City sei der schönste Moment seiner Kicker-Laufbahn gewesen. Ein Augenblick, für den sich all die Entbehrungen der Vergangenheit gelohnt hätten.

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