Ein Prinz ist "tot", lange lebe König Sepp!

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Ein Kommentar von Jakob Faber:

Brav marschierten sie alle nach vorne.

Einer nach dem anderen reichten sie ihm die Hand. Die FIFA-Familie feierte ihren Paten, nachdem sie ihm mit einem 133:73-Wahlsieg gegen Prinz Ali bin Al-Hussein eine fünfte Amtszeit geschenkt hatte.

Sepp Blatter war die Erleichterung anzusehen, als er sich von seinen Delegierten beglückwünschen ließ. „Es war mein Kongress hier“, traf es der Schweizer bei seiner Abschlussrede auf den Punkt.

Umgeben von seinen Funktionärs-Brüdern hat der 79-Jährige alles im Griff. Keine Spur von all dem Korruptions-Gerede, das die Öffentlichkeit in den letzten Tagen beschäftigte. Innerhalb der FIFA sitzt Blatter ganz oben am Thron. Der König ist längst noch nicht tot, lang lebe der König!

Zahme UEFA beim FIFA-Kongress

Nichts machte diese Dominanz sichtbarer als das Verhalten der UEFA-Delegierten. Überrascht von den Verhaftungen der sieben FIFA-Funktionäre am Mittwoch, ließen sich die mächtigen Herren des europäischen Fußballs zu einigen, teil großspurigen, Ankündigungen hinreißen.

Blatter solle zurücktreten, forderte UEFA-Präsident Michel Platini. Bei einem Wahlsieg des Schweizers werde man überlegen, sich aus allen FIFA-Bewerben zurückzuziehen und überhaupt sei noch nicht sicher, ob man die europäischen Plätze im FIFA-Exekutivkomitee annehme.

Doch die Wahrheit lag im Zürcher Hallenstadion. Beim Kongress wurde erkennbar, wer innerhalb des Fußball-Weltverbands die Hosen an hat: Blatter. Der alte Mann, der laut eigenen Angaben jeden Tag mit einem Tanz beginnt, um sich fit zu halten, bestimmt in der FIFA, was Sache ist. Während seines Kongresses kam der UEFA kein einziges kritisches Wort über die Lippen. Einen Boykott hatten sich die europäischen Verbände schon von vornherein nicht zugetraut.

Naiver Windtner

Bezeichnend dafür war die Ernennung von Wolfgang Niersbach ins FIFA-Exekutivkomitee. Artig posierte der DFB-Präsident, der sich vor dem Kongress noch sehr kritisch über Blatter äußerte, neben dem FIFA-Boss. Die große Blatter-Show wollte auch er nicht stören.

Solange sich die UEFA-Granden weiterhin nur gegenüber der Presse kritisch über den 79-Jährigen äußern, innerhalb der Gremien aber zahm bleiben und keine Maßnahmen setzen, wird sich nichts ändern.

Auch ÖFB-Präsident Leo Windtner fügt sich in dieses Bild. „Dass es Blatter nicht im ersten Wahlgang geschafft hat, ist ein gewisses Signal an ihn und an die FIFA“, sagte der Oberösterreicher nach dem Kongress. Eine etwas naive Aussage, wenn man auf die skandalöse Karriere des Macht-Menschen Blatter zurückblickt.

Hoffnungen ruhen auf FBI und Co.

Der frisch gekürte FIFA-Präsident spricht nun wieder einmal von einem Neuanfang. Ausgerechnet er will das Vertrauen der Menschen in den Weltverband zurückgewinnen. Ein Hohn für jeden Fußball-Fan.

Uns Anhängerinnen und Anhänger bleibt deswegen nichts anderes übrig, als weiterhin auf die Hilfe der US-amerikanischen Justiz zu hoffen. Erst das FBI sorgte dafür, dass einmal Bewegung in den Korruptionssumpf FIFA gekommen ist.

Dieses harte Durchgreifen hat nun sogar die Schweizer Behörden bewegt, einmal gegen die FIFA zu ermitteln. Auch die Briten wollen mithelfen, den Laden aufzuräumen, wie am Freitag bekannt wurde.

Nur noch tiefgehendere Ermittlungen, vielleicht mit Hilfe seines ehemaligen Intimus Jack Warner, können verhindern, dass Blatter vier weitere Jahre an den Schalthebeln der FIFA-Macht bleibt.

Lang lebe der König!

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