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„Ehre für sein Land zu spielen, auch wenn es klein ist“

Sportplatz Polizei, rund 20 Zuseher und ein Rückschlag im Aufstiegsrennen der Wiener 1. Klasse B.

Das 1:1 gegen die United Devils war für Manuel Vogt und Tobias Schierscher wohl kein Highlight. Solche werden die zwei Maccabi-Wien-Spieler aber in den nächsten Tagen ohnehin genug erleben.

Die beiden Liechtensteiner wurden in das U21-Nationalteam ihres Landes eingeladen und werden beim EM-Qualifikations-Match gegen Albanien mitwirken dürfen. „Es kann nicht jeder behaupten, Nationalspieler zu sein“, grinst Vogt. Dass es sich dabei „nur“ um Liechtenstein handelt, spielt für sie keine Rolle.

LAOLA1 hat die beiden Internationalen getroffen und sprach mit ihnen, wie man von Maccabi Wien zu Länderspiel-Einsätzen kommt, was sie über ihren österreichischen Teamchef Heinz Fuchsbichler denken und welcher Teamkollege Chancen auf eine große Karriere hat. Auch Trainer Wolfgang Fiala und Mitspieler Benjamin Guttmann meldeten sich zu Wort.

Alte Bekannte

Für Vogt und Schierscher ist es nicht die erste Einberufung in das U21-Team. Defensivmann Schierscher durfte sich, offensichtlich erfolgreich, bei einem Trainingslager empfehlen, Stürmer Vogt schnupperte sogar schon Spielluft und kam zu drei Joker-Einsätzen.

Viele neue Gesichter lernt man aber ohnehin nicht kennen, wie Vogt erzählt: „Man kennt eigentlich alle schon von früher, ist auch zusammen in die Schule gegangen.“ Angesichts von gerade einmal 37.000 Einwohner nicht sonderlich überraschend.

Beide sind für ihr Studium nach Wien gekommen. Vogt ist seit Sommer bei Maccabi, Schierscher trainierte seit Herbst mit, im Winter wurde auch er vom Siebtligisten angemeldet.

Wie kommt man zu den Ehren?

Wie man überhaupt in die Auswahl Liechtensteins kommt, erklärt Vogt: „In Liechtenstein ist es so, dass es Sichtungtrainings gibt. Da kann man hingehen und sich anfangs für einen größeren Kader qualifizieren, welcher dann reduziert wird. Da sind wir drin geblieben.“

Zu einem derartigen Training wird man aber nicht eingeladen. „Die Vereine schicken die Spieler hin, von denen sie glauben, dass sie stark genug dafür sind“, fährt Vogt fort.

Vom Polizeiplatz in die große Fußballwelt

Vergangenheit für die „Exil-Wiener“, in der Gegenwart trifft man in der U21-EM-Qualifikation neben dem kommenden Gegner Albanien auch auf Ungarn, Griechenland, Israel und die Fußball-Großmacht Portugal.

Gemischte Trainer-Gefühle

Da es im österreichischen Amateur-Bereich nicht gerade Usus ist, Spieler zu Nationalteams abstellen zu müssen, gibt es auch keine Pause in den Ligen. Maccabi Wien muss demnach nächste Woche im Spiel gegen Tabellennachbar SZ Marswiese auf die beiden Legionäre verzichten. Ein erheblicher Nachteil für den Tabellen-Zweiten, dem sechs Punkte auf Leader JSC Vindobona fehlen.

Trainer Wolfgang Fiala vergönnt es seinen Schützlingen dennoch: „Natürlich ist es für uns ärgerlich. Aber es überwiegt schon die Freude.“ Der Coach streicht lieber die positiven Aspekte heraus: „Sie trainieren und spielen dort auf einem hohen Niveau und werden sich auch wieder verbessern. Erstens kann man eh nix machen und zweitens ist es so besser, als würden sie auf Urlaub fahren.“

Neid ist auch innerhalb der Mannschaft kein Thema, wie uns Mitspieler Benjamin Guttmann versichert: „Sie sind super Typen, sowohl fußballerisch, als auch menschlich. Natürlich vergönnen wir ihnen die Einberufung.“

Die beiden Auserwählten ärgern sich nicht über die rund 650 Kilometer lange Anreise zum Team. „Es ist natürlich eine Ehre für sein Land zu spielen, auch wenn es ein kleines ist“, unterstreicht Vogt.

Rot-Weiß-Roter Bezug

Trainiert werden Vogt und Schierscher in den kommenden Tagen vom Österreicher Heinz Fuchsbichler. Seit 2013 ist der 48-Jährige Nationaltrainer der U21-Auswahl von Liechtenstein, zuvor war er unter anderem Co-Trainer von Josef Hickersberger bei Al Wahda und Chefcoach bei der SV Ried.

Vogt ist voll des Lobes für Fuchsbichler: „Die Trainingseinheiten sind immer sehr gut, er weiß wovon er spricht.“

Ohnehin ist die ganze Organisation beim Verband bestens durchgeplant und nicht mit Maccabi Wien zu vergleichen. „Es ist schon sehr professionell dort. Man hat zwei Physios und einen Arzt, außerdem Leute, die extra für das Material zuständig sind“, schwärmt Schierscher.

Unter Profis

Das Team besteht zwar zum Großteil aus Amateuren, doch zwei Hoffnungsträger findet man auch in den Reihen des U21-Teams. „Dennis Salanovic spielt schon in der ersten kroatischen Liga. Der ist nur gegen Albanien bei uns dabei, sonst spielt er im A-Team“, erzählt Schierscher. Zuvor war Salanovic in der Jugend von Atletico Madrid im Einsatz.

Salanovic ist der große Star des Teams

Der zweite Profi, Vinzenz Flatz, konnte sich in der Heimat durchsetzen und kickt beim Liechtensteiner Vorzeige-Klub FC Vaduz.

Über die Qualitäten Vogts und Schierschers klärt Trainer Fiala auf: „Manuel marschiert viel und setzt den Gegner immer unter Druck. An der Ballmitnahme muss er aber noch etwas arbeiten. Tobias ist extrem zweikampf- und laufstark, konditionell zählt er bei uns auch zu den besten Spielern.“

Dass Maccabi Wien diese Spieler in seinen Reihen hat, ist durchaus ein kleiner Luxus, das weiß auch Guttmann: „Sie sind spielerisch sehr gut ausgebildet, da merkt man schon einen Unterschied. Sie sind vor allem körperlich stärker als die anderen Spieler in dieser Klasse.“

 

Julian Saxer

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