Fußball steht vor großer Regel-Revolution

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Die Regelhüter des Fußballs entscheiden am Donnerstag über die Einführung von technischen Hilfsmitteln für Schiedsrichter.

Die mit Spannung erwartete Entscheidung des International Football Association Board (IFAB) zur Einführung der Torlinientechnologie könnte zur größten Regel-Revolution im Fußball seit Jahrzehnten werden.

Noch sind aber wichtige Details ungeklärt, Experten haben Zweifel.

Blatter für Technik

"Das IFAB wird am 5. Juli darüber befinden - bin zuversichtlich, dass die Zeichen der Zeit erkannt werden", teilte FIFA-Chef Joseph Blatter per Twitter seine nach Jahren der Wankelmütigkeit nun unumstößliche Meinung mit.

Doch der letzte Widerstand ist noch nicht gebrochen. Größter Gegenspieler Blatters ist ausgerechnet sein ehemaliger Funktionärszögling Michel Platini, der als UEFA-Chef Stimmung gegen die Technik-Einführung macht.

Der Fußball steckt tatsächlich im Entscheidungs-Dilemma. Offensichtliche Tor-Fehlentscheidungen wie zuletzt beim EM-Spiel der Ukraine gegen England (0:1) sorgen für großen Wirbel.

Blatter 2010 mit 180-Grad-Drehung

Auch Blatter gab seine technikfeindliche Haltung erst vor zwei Jahren auf, als ihm das englische "Wembley-Tor" in Bloemfontein gegen Deutschland seine WM-Party zu vermiesen drohte.

"Nach dem Spiel gestern Abend ist GLT keine Alternative mehr, sondern eine Notwendigkeit", twitterte Blatter nach dem Ukraine-England-Spiel.

Auch die Zweifel an der Zuverlässigkeit der technischen Systeme Hawk Eye und GoalRef sind nach jahrelangen Diskussionen und diversen Praxis-Tests mittlerweile zerstreut.

Grenzen umstritten

Doch die nationalen Fußball-Funktionäre verlangen Sicherheiten. In welchen Ligen und welchen Wettbewerben sollen Schiedsrichter das entscheidende Tor-Signal erhalten? Wann soll die Technik verbindlich angewendet werden? Und am wichtigsten: Wer steht für die zu erwartenden Millionenkosten gerade?

"Es ist allerdings unerlässlich, dass neben den technischen Grundlagen auch die sportlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen praxisnah und trotzdem verbindlich geklärt sind", sagte Reinhard Rauball, Präsident der deutschen Fußball-Liga.

Nicht Fisch, nicht Fleisch?

Angesichts der Differenzen zwischen FIFA und UEFA droht womöglich ein Kompromiss, der unterschiedliche Systeme bei unterschiedlichen Wettbewerben zulässt, damit alle Fußball-Bosse ihr Gesicht wahren.

"Ich bin aber für eine Regelung für alle, oder man lässt es, wie es ist", mahnte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß vor einem Regelchaos.

Drei Alternativen

Drei Ideen stehen am Donnerstag bei der IFAB-Sitzung zur Beratung.

Das im Tennis erprobte Hawk-Eye aus England und GoalRef, ein vom deutschen Fraunhofer Institut entwickeltes System mit Magnetspulen im Ball, sind die technischen Varianten, die Schiedsrichter künftig die wichtigste Entscheidung des Fußballsports abnehmen können.

Die UEFA drängt auf Bewahrung der menschlichen Entscheidungskompetenz mit den Torlinien-Assistenten.

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