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Zwei Rücktritte und ein Manipulations-Verdacht

Der NÖSV Neulengbach ist der erfolgreichste österreichische Frauen-Fußball-Klub der letzten Jahre.
 
Seit der Saison 2002/2003 lief es für das stets mit Legionärinnen und den besten heimischen Akteurinnen gespickte Team wie am Schnürchen. Elfmal gewann die Truppe aus dem Wienerwald seither die Meisterschaft. Der zwölfte Titelgewinn en suite steht Neulengbach, das die Frauen Bundesliga mit drei Punkten und dem deutlich besseren Torverhältnis anführt, bevor. 
 
Im selben Zeitraum stemmte das Team auch zehnmal die Cup-Trophäe. Vergangene Woche musste sich der Primus jedoch im Finale dem FSK St. Pölten-Spratzern 3:4 geschlagen geben. 
 
In einer Neuauflage des Vorjahres-Endspiels ging der Pokal damit zum zweiten Mal in Folge in die niederösterreichische Landeshauptstadt.
 
Eine Woche später steht der erfolgsverwöhnte Klub jetzt ohne Cheftrainer da. Auch der Obmann und "Baumeister" des jahrelangen Erfolgs wird sein Amt demnächst niederlegen. Und dann wäre da noch der Ex-Coach, der schwere Vorwürfen gegen eine seiner Spielerinnen erhebt. Aber der Reihe nach.
 
Drei Schnitzer, ein Verdacht
 
Stein des Anstoßes war, wie erwähnt, die Cup-Final-Niederlage des Serien-Meisters gegen Rivale und Titelverteidiger St. Pölten. 
 
Bei besagter Begegnung avancierte die slowakische National-Spielerin Alexandra Biroova zum Pechvogel. Die 22-Jährige gab bei zumindest zwei der vier Gegentreffer eine außerordentlich unglückliche Figur ab, was Coach Johannes Uhlig, seit rund vier Jahren im Amt, seltsam vorkam.
 
"Sie hat sich in der ersten Halbzeit drei außergewöhnliche Schnitzer geleistet. Solche Fehler macht sie normalerweise nie", äußerte Uhlig gegenüber dem "Kurier" einen "Manipulationsverdacht".

Biroova wird Manipulation vorgeworfen

Vergangenen Montag, zwei Tage nach dem Cup-Finale, konfrontierte der Übungsleiter die Mannschaft erstmals mit diesem Vorwurf, Biroova selbst war da allerdings nicht anwesend, sie hörte tags darauf von den Anschuldigungen. 
 
Erst dann erfuhr Obmann Bruno Mangl vom Manipulations-Verdacht. "Die Spielerinnen kamen zu mir, um mir mitzuteilen, dass sie unter anderem aufgrund der Vorwürfe ab Sommer nicht mehr mit dem Trainer zusammenarbeiten wollen, was der Vorstand zur Kenntnis genommen hat", schildert das Neulengbach-"Mastermind" gegenüber LAOLA1.
 
"Worte haben mich verletzt"
 
Uhlig selbst kam etwaigen Schritten des Vereins zuvor und legte sein Amt, ebenso wie Assistenz-Trainerin Sabine Brand, aus freien Stücken nieder. Das Tischtuch zwischen Trainer-Team und Mannschaft war endgültig zerschnitten, laut Mangl hatte es aber bereits zuvor Risse.
 
"Ich habe es schon befürchtet", sagt der Funktionär, entkräftet aber unverzüglich: "Aber es gibt in jeder Mannschaft Unstimmigkeiten, da wollten wir uns als Vorstand nicht einmischen. Das ist wie in einer Ehe, mal läuft es besser, mal schlechter."
 
Die verdächtigte Biroova, für die die Unschuldsvermutung gilt, hatte bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe "eine korrekte Spieler-Trainer-Beziehung" zum Gespann Uhlig/Brand. Die Slowakin reagierte in einer Stellungnahme auf der Vereins-Website deshalb verärgert. "Die Wörter meines Trainers haben mich sehr verletzt, weil ich ihn die ganzen vier Jahre geschätzt habe", sagt die Abwehr-Spielerin, die bis zum Schluss alles gegeben habe, "genauso wie in jedem Spiel".
 
Auch Mangl nimmt den Hut
 
Rückendeckung bekommt die Studentin von ihrem Obmann. "Die Spielerin hat mir versichert, das Spiel in keiner Weise beeinflusst zu haben. Sie hat eine schlechte Leistung geboten, aber das heißt nicht, dass eine Manipulation vorliegt", sagt Mangl und stellt klar: "In puncto Manipulations-Vorwürfe genießt sie unsere vollste Rückendeckung."
 
Mehr könne er diesbezüglich nicht sagen, da der Vereinsspitze des NÖSV Neulengbach im Sommer eine "Erfrischungskur" bevorsteht. Entscheidungen über den zukünftigen Kader und die Besetzung des Trainer-Stuhls, den die ehemalige Erfolgs-Trainerin Olga Hutter interimistisch bis Saisonende besetzt, obliegen dem neuen Vorstand.
 
Diesem wird Mangl nicht mehr angehören. Auch er verlässt den Verein. "Mir fehlt einfach die Kraft", gesteht der Bank-Direktor, dessen Rücktritt nicht mit den Vorfällen in Zusammenhang stehe. "Im Laufe der vergangenen Monate stellte ich jedoch fest, dass ich nicht mehr mit demselben Herzblut dabei bin."

Zum zweiten Mal in Serie bog St. Pölten Rivale Neulengbach im Cup-Finale

Wachablöse?

Ausgerechnet am Ende einer historischen Saison, in der Neulengbach erstmals unter die besten acht Teams Europas vorstieß, steuert der Klub – Trainer- und Obmann-Posten sind vakant – erstmals einer unsicheren Zukunft entgegen. "Wenn eine Tür zufällt, öffnet sich zugleich eine neue", sieht Mangl den Veränderungen äußerst positiv entgegen.

Keine 25 Kilometer weiter gedieh mit St. Pölten in den vergangenen Jahren eine zweite treibende Kraft, die drauf und dran ist, dem Abo-Champion den Nummer-1-Status im österreichischen Frauen-Fußball streitig zu machen. "Auch dort gibt es einen Manager, der gute Arbeit leistet und große Ziele vor Augen hat", sieht Mangl sogar Parallelen zu seinen Anfängen.

Auch wenn St. Pölten in dieser Saison den Meistertitel erneut nur aufgrund des Torverhältnisses verpassen könnte, wird man die Unruhen der Konkurrenz gerne zur Kenntnis nehmen und auf den zwei Prestige-Siegen in den jüngsten Cup-Finals aufbauen.

Doch so leicht wird sich der Erfolgsverein aus dem Wienerwald nicht abschütteln lassen. Es ist davon auszugehen, dass Neulengbach trotz erlittenem Image-Schaden und trotz der offenen Personal-Entscheidugen auch im nächsten Jahr der Klub sein wird, den es zu schlagen gilt.

Trotzdem scheint eine baldige Wachablöse möglich. Für viele ist sie gar nur noch eine Frage der Zeit.



Kevin Bell

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