Aufmacherbild

Die Top-Fünf-Torhüter der EURO 2012

Der Torhüter kann Spiele entscheiden. Oder eben böse in den Sand setzen.

Wenn sich ab 8. Juni die Besten Europas messen, sind wiederum historische Glanztaten zu erwarten. Erfahrungsgemäß wandert man dabei auf einem schmalen Grat.

Verheerende Fehlgriffe gehören zum Geschäft. Gleichwohl erlaubt sich die Elite solche selten. Und in Polen und der Ukraine gibt es jene zuhauf.

Wer hat nun den größten Rückhalt zwischen den Pfosten? Krönt einer der jungen Wilden seine kurze Karriere? Oder triumphiert erneut Routine?

Die LAOLA1-Redaktion wählte ihre Top-Fünf (Punkteskala: 1-5) und stellt die Auserwählten vor:

1. Iker Casillas - 45 Punkte

Geburtsdatum: 20. Mai 1981

Nationalität: Spanien

Verein: Real Madrid

Rückblick – 24. Mai 2002: Im Glasgower Hampden Park steigt das Champions-League-Endspiel. Bayer Leverkusen und die „Königlichen“ aus Spaniens Hauptstadt rittern um die Krönung. In der 68. Minute springt Jungspund Casillas ein. Schon zur Jahrtausendwende hütete er den Kasten, krönte sich mit 19 Jahren und vier Tagen zum jüngsten Sieger der „Königsklasse“. 2002 folgt der zweite Titel. Es war die Geburtsstunde eines „Heiligen“. Jene von „San Iker“.

Seither ist das Eigengewächs eine unverzichtbare Konstante, sowohl bei den Madrilenen als auch bei „La Furia Roja“. Mittlerweile darf er jede erdenkliche Trophäe von Bedeutung sein Eigen nennen, mit 131 Länderspielen ist er überdies Rekordnationalspieler. „Als ich angefangen habe, Fußball zu spielen, hätte ich es nie für möglich gehalten, solche Rekorde aufzustellen“, betont der Saubermann.

Casillas‘ Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins sind berüchtigt, die Reaktionen berühmt. Daher verlässt sich der 31-Jährige auf seinen Instinkt. Spickzettel, wie ihn Jens Lehmann bei der WM 2006 vor dem Elfer-Krimi gegen Argentinien erhielt, wird es bei ihm nie geben.

"Er will nichts wissen. Vielleicht hat er die Gabe, sich einen Prozess zurecht gelegt zu haben, der ihm erlaubt, Merkmale wie Standbein oder Körperhaltung zu beobachten“, verrät Hans Leitert, Chef der Goalie-Ausbildung bei Red Bull. Oder es sind übersinnliche Kräfte. Immerhin ist er ein „Heiliger“.

2. Manuel Neuer - 43 Punkte

Geburtsdatum: 27. März 1986

Nationalität: Deutschland

Verein: FC Bayern

Neuer ist der Prototyp der modernen Generation. Die Fortsetzung einer deutschen Tradition, welche beinahe laufend Weltklasse-Keeper produziert. Karl-Heinz Rummenigge, Bayerns Vorstandschef, ging noch weiter. Er tönte während der Saison, der 26-Jährige sei die „Steigerung von Titan“. Der „Titan“ war Oliver Kahn – langjähriger Erfolgsgarant.

Erst im Sommer 2011 unterzeichnete der gebürtige Gelsenkirchener einen Fünfjahres-Vertrag, all das geschah unter Protesten ("Koa Neuer") der Bayern-Fangemeinde. Neuer war am Weißwurst-Äquator unerwünscht. Knapp zwölf Monate sind seither vergangen – und der „Ruhrpott-Junge“ angekommen.

Gekonnt beschleunigt er das Spiel, bevorzugt durch technische Vorzüge. Ein Umstand, welchen „Jogi“ Löw zu schätzen weiß: „Das macht ihn so wertvoll.“ Nicht nur der Bundestrainer hält große Stücke auf ihn, auch LAOLA1. Warum sich Neuer dennoch mit dem Nummer-zwei-Status begnügen muss, dafür hat ÖFB-U21-Betreuer Franz Wohlfahrt eine Erklärung.

„Er ist ohne Frage ein super Tormann, nimmt aber großes Risiko.“ So unterlaufen Fehler. Sei es beim Herauslaufen oder dem gefährlichen Mitspielen. Doch gerade dieser Trieb macht ihn so wertvoll, das wissen seine Förderer. Eben der Inbegriff eines modernen Spiels.

3. Petr Cech - 28 Punkte

Geburtsdatum: 20. Mai 1982

Nationalität: Tschechien

Verein: FC Chelsea

Was Neuer verwehrt blieb, gelang Cech: Er krönte sich zum Helden im „Finale dahoam“, zerstörte so Bayerns Traum vom Champions-League-Sieg in der heimischen „Allianz Arena“. Sowohl Arjen Robben in der Verlängerung, wie auch Ivica Olic und Bastian Schweinsteiger verzweifelten vom Punkt. Bereits im Halbfinale belegte er seine Klasse.

Barcelonas Künstler scheiterten unzählige Male am blendend disponierten Schlussmann. Gedanklich war der Tscheche stets den Schritt voraus. Es war Mitspielen in Perfektion. „Man muss für jedes Spiel einen Plan im Kopf haben, wissen, was die Gegner machen“, verdeutlicht er den Stellenwert, taktisch auf dem neuesten Wissensstand zu sein.

Zwar wirkt der schlaksige 30-Jährige oftmals unbeholfen, dies ist allerdings meist seiner Körpergröße geschuldet. Jene ist zugleich Segen. Seine 1,96-Meter ließen ihn zum Souverän der Lüfte werden. Auf der Insel essentiell, um in robusten Zweikämpfen zu bestehen. Wie hart es zugehen kann, weiß wohl niemand besser als der Welttorhüter 2005.

Im Oktober ‘06 erlitt Chelseas Stütze bei einem Zusammenprall einen Schädelbasisbruch. Die Karriere hing an einem seidenen Faden. Cech kämpfte sich zurück, dank Rugby-Helm. Heutzutage ist der Kopf-Schutz sein Markenzeichen, wie die Qualitäten als Elfer-Killer.

4. Gianluigi Buffon - 25 Punkte

Geburtsdatum: 28. Januar 1978

Nationalität: Italien

Verein: Juventus Turin

Über Italien hängt ein dunkler Schatten. Eine Nation, welche sich über den „Calcio“ und seinen Erfolg definiert, droht ausgerechnet über jenen zu stolpern. Zahlreiche Profis sollen in einen noch nie zuvor dagewesenen Wettskandal verwickelt sein. Unter den Verdächtigen ist ausgerechnet das Prunkstück im EM-Aufgebot. Ausgerechnet Buffon.

In der Toskana geboren, schien ein Werdegang als Sportler vorbestimmt. Seine Mutter versuchte sich als Diskuswerferin, der Vater als Gewichtheber. Zudem war er über einige Ecken mit Lorenzo Buffon, Legende des AC Milan, verbandelt. Wie der Cousin des Großvaters fand klein „Gigi“ im Hechten nach dem runden Leder seine Passion. Der Start einer Bilderbuch-Karriere.

Im Sommer 2001 wurde der nunmehr 34-Jährige zu Juventus transferiert – die Ablöse: 54,1 Millionen Euro! Fortan stieg der Teuerste seiner Zunft zu einem der Erfolgreichsten auf. Nur Casillas und Buffon nahmen die Welttorhüter-Auszeichnung je vier Mal entgegen. Doch nun ziehen dunkle Wolken auf – abermals.

Ob rechtsextreme Sympathien oder mutmaßlicher Wett-Faibel – Italiens Fußball identifiziert sich mit Buffon. Mitspieler sehen zu ihm hoch, würdigen die Verdienste. Und wie heißt es so schön: Es gilt die Unschulds-Vermutung.

5. Hugo Lloris - 9 Punkte

Geburtsdatum: 26. Dezember 1986

Nationalität: Frankreich

Verein: Olympique Lyon

„Lloris ist Lyons Messi“, verglich die französische Tageszeitung „Figaro“ den Schlussmann gar mit dem Weltfußballer. Man ist geneigt, den Kopf zu schütteln. Bei genauer Betrachtung sind einige Parallelen jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Beide sind keine Lautsprecher, sondern vielmehr die Ruhe in Person. Die „Glamour-Welt“ meiden sie. Wirken abseits des Fußballs introvertiert, fast etwas schüchtern. Betreten sie den Rasen, gehören die Schlagzeilen allerdings ihnen.

Von den Erfolgen des kleinen Argentiniers kann Lloris zwar nur träumen, dennoch ist er international eine feste Größe. Der beinahe abgemagert wirkende Franzose, er wiegt bei 1,88 Metern lediglich 73 Kilogramm, besticht durch Reaktionsschnelligkeit. Jene schulte er in jungen Jahren beim Tennis. Galt als vielversprechendes Talent. Dass er dem größeren Ball die Treue hielt, sollte er nicht bereuen.

Heimatverein Nizza kehrte er 2008 den Rücken, ging nach Lyon. Dort war die Auslage größer, prompt qualifizierte er sich zur Stammkraft im Nationalteam. Der 25-Jährige ist nicht mehr wegzudenken aus dem Konzept Laurent Blanc‘. Er ist der Kapitän – noch vor Ribery. „Die Binde ist mehr als ein Symbol“, so Lloris, der sich als einzige Extravaganz einen italienischen Sportwagen leistet.

Christoph Köckeis

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»