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Korruptions-Freispruch für Russland und Katar

 Die kommenden WM-Gastgeber Russland und Katar sind von der FIFA-Ethikkommission vom Vorwurf der Korruption freigesprochen worden.

Dies geht aus einem 42-seitigen Bericht der rechtssprechenden Kammer des FIFA-Gremiums hervor, den der Fußball-Weltverband am Donnerstag veröffentlichte.

Auch gegen alle anderen ehemaligen Bewerberländer um die Turniere 2018 und 2022 sowie aktuelle oder ehemalige Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees werden demnach keine Sanktionen verhängt.

Die Ethikrichter unter dem Vorsitz des deutschen Juristen Hans-Joachim Eckert stellten zwar bei praktisch allen neun untersuchten Bewerbungen konkrete Verstöße und Verdachtsmomente fest, keine Vergehen wurden aber als so gravierend eingestuft, dass sie den Ausgang der umstrittenen WM-Vergabe an Russland und vor allem Katar im Dezember 2010 entscheidend beeinflusst hätten.

Belgien und Niederlande als einzige "Sauberländer"

"Insbesondere waren die Auswirkungen dieser Ereignisse auf das Bieterverfahren als Ganzes weit davon entfernt, jede Schwelle, die eine Rückkehr ins Bieterverfahren, geschweige denn Neuausschreibung erfordern würde, zu überschreiten", heißt es in dem Urteil der Ethikkommission.

Dieses stützt sich auf die Untersuchungsergebnisse des frühere FBI-Direktors Michael Garcia, die 75 Interviews in zehn Ländern sowie rund 200.000 Seiten umfassen.

Im Zuge der mehrjährigen Ermittlungen konnte das FIFA-Gremium im harten Bieterwettbewerb um die Milliarden-Events in vier und acht Jahren viele Verstöße gegen moralische wie juristische Regularien des Weltverbandes feststellen.

Japan, Südkorea und die USA versuchten sich offenbar mit Geschenken bei FIFA-Funktionären beliebt zu machen oder gegenseitige Absprachen mit anderen Kandidaten zu treffen.

Nur die Bewerber aus Spanien/Portugal werden in dem Bericht nicht aufgeführt, was die Vermutung nahelegt, dass es sich dabei um den einzigen Kandidaten handelt, der laut Eckert bei den Untersuchungen nicht kooperierte - und dennoch ungestraft bleibt.

Einzig die Doppel-Bewerbung der Niederlande mit Belgien hatte sich laut Eckert gar nichts zuschulden kommen lassen.

Im Gegensatz zu Katar und Russland.

Bin Hammams Zahlungen "lediglich" eigennütziger Natur

Beim kommenden WM-Gastgeber in Moskau waren die Ermittlungen schwierig, weil viele Computer mittlerweile zerstört wurden.

Nachgewiesen werden konnten dennoch mehrere Verstöße gegen Meldepflichten von Kontakten zu FIFA-Exekutivmitgliedern - diese hatten jedoch keinen nachweisbaren Einfluss auf die WM-Vergabe, heißt es.

Bin Hammam: "Nur" eigennützige Zahlungen

Bezüglich Katar werden gleich mehrere Konfliktherde genannt. Von der Verflechtung der Tätigkeiten der im internationalen Sport-Business aktiven Aspire Academy über die Organisation eines provisionsträchtigen Länderspiels zwischen Brasilien und Argentinien bis hin zu den Geschäften des ehemaligen FIFA-Vizechefs Mohammed bin Hammam, dem jedoch nur unlautere Mittel in seinem gescheiterten Präsidentschaftswahlkampf 2011 nachgewiesen werden können.

Fazit: Keine eindeutigen Beweise, keine Anklage, kein Schuldspruch.

Lob für Joseph Blatter

In seinen Schlussbemerkungen hält Eckert fest: "Anzunehmen, dass zum Beispiel Umschläge voller Bargeld im Austausch für WM-Stimmen überreicht werden, ist naiv. Korruption, auch in der normalem Geschäftswelt, wird auf viel intelligentere Weise vorgenommen...", schreibt der Jurist.

Ausdrücklich freigesprochen von jedem Verdacht der Bestechlichkeit oder irregulärer Einflussnahme wurde dagegen FIFA-Präsident Joseph Blatter. Im Gegenteil: Eckert bescheinigt dem Schweizer eine aktive Rolle im FIFA-Demokratisierungsprozess.

Franz Beckenbauer als deutsches Mitglied der FIFA-Regierung zum Zeitpunkt der WM-Vergabe wird wie alle offenbar unbescholtenen Exekutiv-Mitglieder namentlich nicht genannt.

Dennoch erwähnt Eckert die zwischenzeitliche Weigerung des "Fußball-Kaisers", die Fragen der Ermittler zu beantworten, die während der WM im Sommer zu einer provisorischen Sperre Beckenbauers geführt hatte.

Strukturelle Maßnahmen empfohlen

Eckert merkte in seinem Urteil an, dass weitere Untersuchungen durch die ermittelnde Kammer des FIFA-Ethikgremiums gegen Einzelpersonen nicht ausgeschlossen seien.

Zudem legte der FIFA-Richter einen Empfehlungskatalog für weitere strukturelle Reformen vor - darunter auch die erneute Forderung nach einer Amtszeitbeschränkung für Funktionäre, die der FIFA-Kongress im Juni abgelehnt hatte.

Ausdrücklich kritisiert wird, dass die meisten Exekutiv-Mitglieder die sogenannten "Bid Books" der Kandidaten augenscheinlich nicht gelesen hätten.

Auch eine Stärkung der Empfehlungen der Evaluierungsberichte wird empfohlen - diese hatten schlechte Noten nur an zwei Kandidaten verteilt: Russland und Katar.

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