Brugger: "Das ist uns allen auf die Eier gegangen"

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Bundesliga-Schiedsrichter Harald Ruiss war dem heimischen Fußball-Fan vor dem Schreiben seines achtseitigen offenen Briefs (Hier die Brennpunkte) kaum ein Begriff.

Bernhard Brugger gehört zu den Prominenten unter den heimischen Referees, auch wenn der 45-Jährige vergangene Saison seine Karriere beenden musste.

Nicht weniger als 199 Partien pfiff der Salzburger, der von 1999 bis 2011 das FIFA-Emblem tragen durfte, im Oberhaus. UCL-, EL-, EM-Quali-Spiele wurden ebenso von ihm geleitet.

„95 Prozent der Aussagen sind richtig“

Mit Brugger steht nun erstmals ein Schiedsrichter mit Bekanntheitsgrad und Gewicht hinter der herben Kritik von Ruiss am Bundesliga/Elite-Komitee.

„95 Prozent der Aussagen im offenen Brief sind richtig“, erklärt der „Pensionist“ im Gespräch mit LAOLA1.

Was stimmt nicht? „Dass die Beobachtungsberichte manipuliert wurden, das war bei mir jedenfalls nicht der Fall. Ansonsten stimmt alles“, hält Brugger glasklar fest.

Bei LAOLA1 kamen nach den Ruiss’schen Anschuldigungen die Opfer der Kritik, etwa Johann Hantschk oder Fritz Stuchlik, zu Wort (Hier zu den Reaktionen).

Der ÖFB reagierte Anfang der Woche mit der Suspendierung Ruiss‘, der ohnehin zurückgetreten war.

Für Brugger war „das nicht anders zu erwarten“ und er legt richtig los: „Es ist für mich eine maßlose Enttäuschung, wenn ich auf die Kritik überhaupt nicht eingehe, sondern gleich wegen Bedrohung etc. suspendiere. Da haben sie dann etwas falsch gelesen.“

„Das ist für mich ein Eingeständnis“

„Sie haben nicht reagiert, sind überhaupt nicht auf die Thematik eingegangen und das ist für mich ein Eingeständnis.“

Von den Schiedsrichtern erwarte man nach Spielen das Eingeständnis von Fehlern in Interviews: „Aber selbst sind sie dazu nicht in der Lage.“

Vor allem die Doppelfunktion von Stuchlik in früheren Jahren ärgert Brugger: „Dass er aktiver Referee und –Manager gleichzeitig war, war ein Wahnsinn. Er hat alle Beobachtungsberichte der Aktiven und Assistenten gelesen. Das ist uns allen auf die Eier gegangen. Und er hat weder national noch international die Sprints bestanden.“

„Waren alles feige Schweine“

Warum sagte keiner etwas? Dahingehend übt Brugger auch Selbstkritik:  „Wir waren alle feige Schweine, haben uns nichts sagen getraut.“

Der Salzburger findet es gut, dass dies alles nun einmal thematisiert wird und hofft auch auf Verbesserungen.

„Erstens sollte ein Funktionär nur bis 65 Jahre sein Amt ausüben dürfen. Zweitens müssen junge Schiedsrichter persönlich betreut werden, vor allem nach einer negativen Leistung. Sie müssen wissen, dass jemand für sie da ist. Es gibt zwar Mentoring, das ist nicht schlecht, haben aber auch nicht alle.“

„Sie sagen immer alles ist so gut, aber das ist gleichzeitig das größte Manko der Kommission.“

Nächstes Jahr werden ein Nachfolger für Hantschk und neue Funktionäre ermittelt - will Brugger?

„Ich habe keinen Bock drauf, dieses unpersönliche System mitzutragen. Wenn es um persönliche Schiedsrichter-Betreuung geht, kann ich mir das vorstellen. Das habe ich auch vor zwei Jahren selbst vorgeschlagen, aber es ist nichts passiert.“

 

Bernhard Kastler

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