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FIFA-Chef Blatter schweigt zu den Sperren

Der Fußball-Weltverband (FIFA) steht im Kreuzfeuer der Kritik, doch zu den heiklen Themen schweigt Präsident Joseph Blatter.

Kein Kommentar zur lebenslangen Sperre seines einstigen Kompagnons Mohamed bin Hammam, (fast) kein Kommentar zu den jüngsten Anfeindungen von Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

50 Minuten stellte sich der 75-jährige Schweizer am Mittwochabend in Rio de Janeiro der Presse und nutzte das Podium in der Marina da Gloria unweit der Copacabana zur Promotion in eigener Sache.

"Ich möchte eine klare Frage"

"Ich habe es nicht so gern, wenn in einer Pressekonferenz einfach von Korruption gesprochen wird. Ich möchte eine klare Frage haben", beschied Blatter zu Beginn der Gesprächsrunde.

Dabei waren diesmal im Gegensatz zu seinem jüngsten Auftritt bei der Frauen-WM in Deutschland Fragen zu "allen anderen" Themen ausdrücklich erwünscht. Konkrete Antworten darauf blieb Blatter in Brasilien jedoch schuldig.

"Ich muss wiederholen: keine Kommentare meinerseits zu den Entscheidungen des Ethikkomitees. Bitte haben Sie Verständnis für meine Lage, die FIFA soll jetzt arbeiten, damit wir unseren Ansprüchen gerecht werden können", sagte Blatter.

Kein Kommentar zu bin Hammam

Mit Spannung war erwartet worden, was der seit 1998 amtierende und erst Anfang Juni mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigte FIFA-Chef wohl zum Ausschluss des korruptionsverdächtigen Katarers bin Hammam sagen würde.

Der 62-jährige verhinderte Präsidentschaftskandidat war am Samstag von der Ethikkommission lebenslang gesperrt worden. Bin Hammam war einst einer der wichtigsten Gefährten Blatters und Stimmenbeschaffer in zwei Wahlkämpfen.

Die Freundschaft zerbrach, bin Hammam wollte Blatter vom Thron stoßen, zog seine Kandidatur zwei Tage vor der Wahl zurück, wurde wegen Bestechungsvorwürfen zunächst vorläufig und schließlich für immer vom Fußballgeschäft suspendiert.

Taktisches Schweigen

Es wäre also interessant gewesen, was Blatter zum tiefen Fall des entmachteten Präsidenten der Asiatischen Konföderation (AFC) zu sagen hätte. Schweigen aber war in diesem Fall ein taktischer Schachzug des cleveren Machtmenschen aus dem Wallis.

Was hätte er auch sagen sollen? Die Entscheidung begrüßen? Sie infrage stellen? Bin Hammam hat Einspruch gegen die Sperre angekündigt und einen Prozessmarathon angedroht. Es ist ein laufendes Verfahren, sämtliche Einlassungen oder gar persönliche Abrechnungen hätten Blatter schaden können.

So referierte er drei Tage vor der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die WM 2014 lieber über die Fortschritte beim Stadionbau, die Entscheidung über eine mögliche Einführung der Torlinientechnologie im kommenden Jahr oder den angestrebten Einsatz von Profi-Schiedsrichtern bei der WM in drei Jahren in Brasilien.

Auch "kein Kommentar" zu Rummenigge

Auch die Attacken Rummenigges, der zu einer "Revolution" gegen den "täglichen Korruptionsprozess bei der FIFA" aufgerufen hatte, konterte Blatter mit einem simplen "Kein Kommentar. Fragen Sie ihn, was er damit meint." Bis zur nächsten Sitzung des Exekutivkomitees im Oktober werde die Ethikkommission weitere Ergebnisse präsentieren.

Dabei wird neben bin Hammams vermeintlichem Stimmenkauf auch die umstrittene Vergabe der WM 2022 an Katar beleuchtet.

"Wir gehen schrittweise vor, es wird keine übereilten Schlüsse ohne Rücksprache mit den verschiedenen Parteien geben", betonte Blatter. FIFA-Insider berichten, der Präsident sei nach den jüngsten Nackenschlägen und einigen dünnhäutigen öffentlichen Auftritten aufgeräumt wie lange nicht mehr. Ex-Vize Jack Warner ist zurückgetreten, der angekündigte Fußball-Tsunami ausgeblieben.

Und ob bin Hammam wirklich bis vor den CAS zieht und "auspackt", ist keineswegs sicher. Wahrscheinlicher ist, dass der Emir von Katar den erfolgreichen Geschäftsmann zur Zurückhaltung aufruft - denn sonst könnte auch die WM in elf Jahren noch einmal in Gefahr geraten.

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