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Gespaltene Fußball-Welt nach Blatters Wiederwahl

Joseph Blatter hat nach seiner Wiederwahl als FIFA-Präsident die Einheit der 209 Mitgliedsländer beschworen, doch nach dem 65. FIFA-Kongress in Zürich ist die Fußballwelt zutiefst gespalten.

Ähnlich der Politik ist ein Riss zwischen dem Westen und anderen Regionen offenbar. Das uneinige Europa geht als Verlierer aus der Wahl, Wladimir Putin und Franz Beckenbauer freuen sich mit Blatter.

Russlands Präsident Wladimir Putin, dessen Land die nächste WM 2018 austrägt, war einer der mächtigsten Gratulanten. Er sei zuversichtlich, dass "die Erfahrungen, der Professionalismus und das hohe Ansehen Blatter helfen werden, zur weiteren Verbreitung und weiteren Beliebtheit des Spiels in der ganzen Welt beizutragen", teilte der Kreml am Samstag in Moskau mit.

"Blatter ist eine starke Persönlichkeit"

Auch Franz Beckenbauer hat sich vor Blatter gestellt, der trotz des erschütternden Korruptionsskandals vor allem dank der Stimmen aus Afrika und Asien eine fünfte Amtszeit erhalten hat. "Blatter ist ohne Zweifel eine starke Persönlichkeit, die ein gewaltiges Standing in der Welt besitzt", sagte der deutsche "Fußball-Kaiser" und bescheinigte den Gegenspielern des Schweizers von der UEFA eine schlechte Strategie.

"Die UEFA hat ja noch nicht einmal einen eigenen Kandidaten vorzuweisen. Er (Blatter) hat ja im Grunde immer nur die Europäer gegen sich, sofern die überhaupt in der Lage sind, geschlossen aufzutreten", erklärte Beckenbauer in einem Interview der "Thüringer Allgemeinen".

Die 73 Stimmen für seinen einzigen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien sind nur ein kleiner Schönheitsfehler, werden aber als Botschaft an Blatter gepriesen.

"Gegenwind war nicht stark genug"

"Dieses Ergebnis ist zugleich auch ein Signal an die FIFA und Sepp Blatter, die angekündigten Reformen und Schritte für Sauberkeit und Glaubwürdigkeit sofort anzugehen", erklärte ÖFB-Präsident Leo Windtner.

Sein deutscher Amtskollege Wolfgang Niersbach meinte: Es "war ein gewisser Gegenwind zu spüren, der immer stärker wurde, aber wie der Kongress gezeigt hat, war der Gegenwind nicht stark genug".

Blatter versprach ähnlich wie schon vor vier Jahren Besserung. Der UEFA reichte er einerseits die Hand ("Die UEFA gehört zur FIFA, sie brauchen die FIFA und die FIFA braucht die UEFA"), verschonte seine Kritiker aber auch nicht. Er griff die US-Justizbehörden und die UEFA um Michel Platini mit scharfen Worten an.

Blatter kritisierte seine Kritiker 

Es gebe "einen Hass, der nicht nur von einer Person bei der UEFA kommt, aber von der UEFA als Organisation, die nicht verstanden hat, dass ich 1998 Präsident geworden bin", sagte Blatter.

Und zur Vorgehensweise der USA, die mit ihren Ermittlungen im Korruptionsskandal zwei Tage vor der Wahl Blatter unter Druck gebracht haben, meinte er:

"Es gibt Zeichen, die nicht täuschen: Die Amerikaner waren Kandidaten für die WM 2022 und sie haben verloren. Man darf nicht vergessen, dass sie der Hauptsponsor des haschemitischen Königsreichs sind, also von meinem Gegner. Diese Sache riecht nicht gut", betonte Blatter in einem TV-Interview des Schweizer Sender RTS.

"Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht." Und er gestand: "Persönliche Angriffe haben mich betroffen gemacht, sie wissen, worum es geht."

WM-Plätze für Europa bestätigt

Kein Öl ins Feuer gegossen wurde bei der ersten Sitzung des neuen Exekutivkomitees am Samstag, das die WM-Plätze für Europa bestätigte. Wie das Verhältnis zwischen FIFA und UEFA weiter geht, wird sich weisen. Im Rahmen des Champions-League-Finales am 6. Juni in Berlin wird es zu einem Meeting der UEFA kommen, in der die weitere Vorgangsweise abgeklärt werden soll.

Allerdings zieht auch die UEFA alles andere als an einem Strang. Die Blatter-Unterstützer kommen dabei nicht nur aus Russland, sogar seine Heimat hat Platini brüskiert und sich bei der Wahl für Blatter entschieden, gab Frankreichs Verbandspräsident Noel Le Graet bekannt.

Von einem etwaigen Boykott hält Niersbach jedenfalls nichts. "Boykott ist eine schlechte Waffe. Wir haben uns so oft gegen Boykott ausgesprochen und das sollte auch die Grundhaltung sein", betonte er.

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