Das sind Blatters mögliche Nachfolger

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Joseph S. Blatter (das S. steht für Sepp) ist zurückgetreten.

Aber findet damit auch der „Blatterismus“ ein Ende?

Ob im Zuge des Rücktritts mit den mafiösen Praktiken innerhalb der FIFA aufgeräumt wird, hängt nicht zuletzt von Blatters Nachfolger ab.

Die FIFA steht nun vor einer richtungsweisenden Entscheidung. Bei einer außerordentlichen Vollversammlung, die zwischen Dezember und März stattfinden soll, wählen die 209 Delegierten einen neuen FIFA-Präsidenten.

Mögliche Kandidaten geben sich noch bedeckt. Um Licht ins Dunkeln zu bringen, stellt LAOLA1 die wahrscheinlichsten Bewerber vor:

 

DER FAVORIT: MICHEL PLATINI

Will er überhaupt?

Aus UEFA-Sicht ist er der logische Nachfolgekandidat. Von seinen Anhängern wird der Franzose als Erneuerer und Fußball-Romantiker gefeiert. Unter seiner seit 2007 laufenden Amtszeit wurden einige innovative Entscheidungen getroffen - beispielsweise die Änderung des Qualifikationsmodus der Champions League sowie die Aufstockung der Europameisterschafts-Teilnehmer. Doch auch Platinis Vita hat einige dunkle Flecken. Unter seiner Schirmherrschaft sind bei der Vergabe der EURO 2012 an Polen und die Ukraine Ungereimtheiten passiert.

Zudem wäre da die Sache mit Katar: Der ehemalige Blatter-Ziehsohn stimmte bei der WM-Vergabe für den Wüstenstaat. Einige Wochen danach wurde sein Sohn Laurent zum Europa-Chef von Qatar Sports Investments (unter anderem Eigentümer von Paris St. Germain) ernannt. Darüber hinaus soll Platinis Stimme der französischen Wirtschaft wichtige Aufträge aus Katar gebracht haben.

Sollte Platini sich für eine Kandidatur entscheiden, müsste er sich mit einigen kritischen Fragen herumschlagen. Nicht nur deswegen kann sich FIFA-Experte Thomas Kistner vorstellen, dass der 59-Jährige erst gar nicht Präsident werden will: „Für ihn ist es eine Horrorvorstellung, durch die ganze Welt reisen zu müssen. Er ist nicht der Verfechter des finalen Arbeitseifers. Ich kann mir vorstellen, dass für ihn ein FIFA-Präsident unter seiner Führung die Ideallösung ist.“ Ein Mann, wie Prinz Ali zum Beispiel. 

 

 

DER TEDDYBÄR: PRINZ ALI

Maradona unterstützt Prinz Ali

Gegenüber „CNN“ hat Prinz Ali bin Al-Hussein seine Kandidatur bereits angedeutet. Nach seiner 73:133-Niederlage gegen Blatter im ersten Wahlgang der Abstimmung am letzten Freitag will es der jordanische Prinz noch einmal wissen. Die Erfahrungen aus dem gerade erst absolvierten Wahlkampf könnten dabei ein nicht zu unterschätzender Vorteil sein. Die Funktionäre kennen ihn nun bestens.

Zwar gilt der schüchterne 39-Jährige mit dem Teddybären-Gesicht nicht als großer Redner, doch seine diplomatischen Aussagen nach den Verhaftungen der sieben FIFA-Funktionäre könnten ihm von den Delegierten positiv ausgelegt werden. Zudem hat der Jordanier, der in Großbritannien und den USA studierte, die Unterstützung von UEFA-Präsident Platini sicher – sofern der Franzose nicht selbst antritt. Aus Asien darf sich Prinz Ali jedoch nur wenig Unterstützung erwarten. In seiner Heimat-Konföderation sind andere die Mächtigen.

Letztlich hängen seine Wahl-Chancen vor allem davon ab, wer seine Herausforderer sind. Schicken die mächtigen Player des Weltverbandes keine großen Kapazunder in das Rennen, hat der Jordanier realistische Chancen. Ansonsten fehlt es ihm wohl an Unterstützung.

 

DER BÖSEWICHT: AHMAD AL-FAHAD AL-SABAH

Ein mächtiger Mann

Diesen Namen dürften bisher nur wenige kennen. Dabei ist der Scheich aus Kuwait momentan der wohl mächtigste Sportfunktionär der Welt. Seine Stimmpakete sicherten Thomas Bach die Wahl zum IOC-Präsidenten. Als Präsident der Vereinigung aller Nationalen Olympischen Komitees sowie Chef des Olympischen Rats von Asien ist der ehemalige Energie-Minister perfekt vernetzt, bei einer Kandidatur hätte er nicht nur die Stimmen aus seinem Heimatverband, sondern auch jene aus Afrika sicher.

Gerade erst zog der 51-Jährige ins Exekutiv-Komitee der FIFA ein. Bei der letzten Wahl unterstützte er noch Blatter, nun könnte der Scheich, der als großer Förderer der WM in Katar gilt, selbst nach dem ganz großen Coup streben. Schon seit längerem spekulieren Experten damit, dass Al-Sabah es auf Blatters Nachfolge abgesehen haben könnte.

Gut möglich aber, dass der Kurzzeit-Teamchef des kuwaitischen Fußball-Nationalteams (2006 betreute er die Mannschaft für einige Spiele mit wenig Erfolg) eine Marionette ins Amt befördert, um weiterhin im Hintergrund die Fäden ziehen zu können. Mit Scheich Salman Bin Ibrahim Al-Khalifa stünde ihm eine solche zur Verfügung. Der Mann aus Bahrain fungiert seit 2013 als Präsident des Asiatischen Kontinentalverbandes.

 

DIE BEWAHRER: VALCKE UND HAYATOU

Valcke blickt harten Zeiten entgegen

Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte Blatter das Amt wohl 2019 an Jerome Valcke übergeben. Der FIFA-Generalsekretär ist seit 2007 die rechte Hand des Schweizers. Ein Jahr zuvor setzten die beide im Zuge der Kreditkarten-Affäre 90 Millionen Dollar in den Sand.

Eine Kandidatur des Franzosen wäre eine Überraschung, schließlich befindet er sich gerade im Zielkreuz der Korruptionsvorwürfe. Er soll im Zuge der WM-Vergabe an Südafrika eine Zehn-Millionen-Dollar-Überweisung an den korrupten CONCACAF-Funktionär Jack Warner getätigt haben.

Strebt man in der FIFA-Zentrale dennoch an, einen Blatter-Mann ins oberste Amt zu hieven, könnte Issa Hayatou eine Alternative sei. Der 68-jährige Kameruner steht seit 1988 an der Spitze des afrikanischen Verbandes. Als Senior Vice President ist er aktuell die nominelle Nummer zwei hinter Blatter. Schon 2002 bewarb er sich als FIFA-Präsident, unterlag aber dem Schweizer. Im Zuge des ISL-Skandals musste er sich mit heftigen Korruptionsvorwürfen herumschlagen. Als langjähriger FIFA-Funktionär könnte Hayatou sensible Akten vor der Öffentlichkeit und den Behörden unter Verschluss halten, um Blatter zu schützen. Dasselbe würde wohl auch für Scheich Al-Sabah gelten.

 

DIE AUSSENSEITER: FIGO UND VAN PRAAG

Figo könnte es noch einmal probieren

Eine neuerliche Kandidatur des ehemaligen Weltfußballers ist nicht unwahrscheinlich, ein Sieg dagegen fast ausgeschlossen. Nachdem der Portugiese seine Kandidatur zu Gunsten von Prinz Ali zurückzog, holte er zum Rundumschlag gegen die FIFA aus. Er sprach von einer „Diktatur“ und Vorfällen, „die jeden beschämen sollten, der frei, sauber und demokratisch sein will“. Solche Sprüche kommen bei den FIFA-Delegierten normalerweise nicht gut an.

Dabei präsentierte sich der 42-Jährige im Wahlkampf selbst gar nicht als „Revoluzzer“. Sein Programm beinhaltete keine großen Reformen. Positiver fiel da schon Michael van Praag auf. Der Ex-Präsident von Ajax Amsterdam forderte mehr Transparenz und eine ordentliche Geschäftskultur. Sollte sich Platini gegen eine Kandidatur entscheiden, könnte er als Kandidat der UEFA ins Rennen gehen.

 

Jakob Faber

 

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