Die größten Skandale rund um Sepp Blatter

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Joseph S. Blatter (das S. steht für Sepp) steht unmittelbar vor seiner Wiederwahl als FIFA-Präsident.

Der Mann, dessen Gehalt eines der bestgehütetsten Geheimnisse des Fußballs ist, lenkt seit 1998 die Geschicke des Weltverbandes, seit 1975 arbeitet er für die FIFA.

Seine Laufbahn  wird von dutzenden Skandalen und Negativ-Schlagzeilen begleitet. LAOLA1 blickt zurück:

LEHRBUB DES GROSSMEISTERS

Blatter wird 1981 Generalsekretär

Blatter hat beim Besten gelernt: Horst Dassler. Der Sohn von Adidas-Gründer Adi gilt als Erfinder der modernen Sportkorruption. Dassler erkennt als Erster das Vermarktungspotenzial des Sports und verschenkt bereits bei den Olympischen Spielen 1956 Schuhe an Athleten, die daraufhin mit Adidas Gold gewinnen. Eine tolle Werbung für die deutsche Firma. Im Laufe der Zeit sichert sich Dassler über Schwarzgeld-Zahlungen immer mehr Sportler, schließlich sogar ganze Vereine und Verbände. Gleichzeitig betreibt er Spionage im großen Stil.

Sein Motto ist: "Wer Informationen hat, kann andere erpressen und sie lenken“, schreibt die „Zeit“. Jene Leute, die nicht gehorchen, werden ersetzt. 1974 bringt er den Brasilianer Joao Havelange an die FIFA-Spitze. Als der gewissenhafte FIFA-Generalsekretär Helmut Käser Dassler im Weg steht, wird er 1981 kurzerhand durch einen Nobody ersetzt: Sepp Blatter. „Horst sprach ganz offen von Blatter als Marionette. Er war eine Randfigur, Horst hatte ihn komplett in der Hand“, erzählt Andre Guelfi, ein damaliger Partner Dasslers. Der Adidas-Boss verstirbt 1987 an einem Krebsleiden. Seine „Marionette“, die er 1975 als einfachen Direktor für Entwicklungsprogramme in die FIFA geholt hat, wird den Sport noch jahrzehntelang prägen.

 

1998: DIE GEKAUFTE WAHL

Blatter und Johansson

Die Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1998 sollte in die Geschichte eingehen. Noch am Abend sichern die afrikanischen Delegierten beim FIFA-Kongress in Paris UEFA-Boss Lennart Johansson geschlossen ihre Unterstützung zu. Johansson steht für einen Neuanfang. Der scheidende FIFA-Präsident Havelange und sein Generalsekretär Blatter fürchten, dass der Schwede mit den alten Granden aufräumen könnte, sobald er Einblick in die Akten bekommt. Doch dieser Supergau wird gekonnt verhindert.

In der Nacht vor der Wahl gehen mindestens 20 Kuverts mit je 50.000 Dollar im Hotel „Meridien“ an diverse afrikanische Funktionäre. Daraufhin gewinnt Blatter die Abstimmung mit 111:80 Stimmen. Johansson verzichtet, mit Tränen in den Augen, auf einen zweiten Wahlgang. Thomas Kistner berichtet in seinem Buch „FIFA Mafia“ davon, wie sich Afrika-Chef Issa Hayatou und fünf, sechs andere Vertreter des Kontinents beim UEFA-Präsidenten für das schändliche Verhalten ihrer Kollegen entschuldigen.

2001: DIE ISL-PLEITE

Blatter und Havelange

Blatters erste vier Jahre am FIFA-Thron verlaufen alles andere als optimal. Das hat vor allem mit einem Ereignis zu tun: Der Insolvenz der Sportmarketing-Agentur ISL (International Sport and Leisure) im Jahr 2001. Die Firma wird 1982 von Horst Dassler gegründet, also jenem Mann, der Blatter zur FIFA brachte. Das Geschäftsmodell ist simpel: Mit Hilfe von Bestechungsgeldern an hochrangige Funktionäre sichert man sich zu einem günstigen Preis die Vermarktungs-Rechte internationaler Sport-Events. Diese werden teuer an diverse Fernsehsender weiterverkauft. Damit mausert sich die ISL, die im Mehrheitsbesitz der Familie Dassler stand, innerhalb weniger Jahre zur weltweit größten Sportmarketing-Firma.

Im Laufe der Jahre übernimmt man sich jedoch mit den Geschäften. Am 21. Mai 2001 muss die ISL, die seit ihrem Bestehen auch die Übertragunsrechte der FIFA verwaltet, Insolvenz anmelden. Das stürzt den Weltverband in eine tiefe Krise. Durch den Konkurs verliert er eine riesige Menge an Geld und muss sogar einen Kredit aufnehmen, um liquide zu bleiben.

Die gerichtliche Aufarbeitung der ISL-Pleite fördert pikante Details zu Tage: Insgesamt zahlt die ISL alleine zwischen 1989 und 2001mindestens 141 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld an diverse Funktionäre. Davon gehen mindestens 1,5 Millionen an Blatters Ziehvater Havelange, woraufhin dieser als FIFA-Ehrenpräsident zurücktreten muss. Blatter selbst können keine Bestechungsgelder nachgewiesen werden. Allerdings hält das Gericht fest, dass der Schweizer von Schmiergeld-Zahlungen an diverse Kollegen, wie Ricardo Texeira (Brasilien) oder Issa Hayatou (Kamerun), wusste.

 

Bis heute dementiert Blatter die Ungereimtheiten bei seiner ersten Wahl zum FIFA-Präsidenten. Schon damals erhält er Unterstützung von zwei Freunden, die später zu Feinden werden: Mohamed Bin Hammam, der als Walhkampfpromoter fungiert und Jack Warner, der ihm alle Stimmen aus der Karibik sichert. Kurios: Laut dem britischen Journalisten Andrew Jennings lässt Warner für einen verhinderten Vertreter aus Haiti kurzerhand seinen Vertrauten Neville Ferguson abstimmen. Natürlich für Blatter. Niemand legt gegen den falschen Delegierten Protest ein.

 

MISSWIRTSCHAFT UND WIEDERWAHL

Blatter und Zen-Ruffinen

2002 steht Blatter kurz vor seiner Wiederwahl. Mit dem Kameruner Issa Hayatou hat die UEFA keinen richtig ernstzunehmenden Gegenkandidaten aufgestellt. Trotzdem herrscht rund um die Abstimmung Aufregung. Die Pleite der ISL hat Spuren hinterlassen. FIFA-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen wirft Blatter in einem 21-seitigen Dossier geschönte Bilanzen, Bestechung, Amtsmissbrauch und Misswirtschaft vor. Zusammen mit elf Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees erstattet Zen-Ruffinen Anzeige gegen den Präsidenten.

Trotz der Vorwürfe wird Blatter, protegiert vom gerade erst zum WM-Ausrichter gekrönten DFB, souverän im Amt bestätigt. „Verräter“ Zen-Ruffinen entlässt der FIFA-Patron nach seiner Wiederwahl. Bei der Staatsanwaltschaft erreicht er, dass das Verfahren gegen ihn eingestellt wird. Warum dem so ist, bleibt unter Verschluss. „Mein guter Name ist wiederhergestellt“, jubelt Blatter.

 

DIE KREDITKARTEN-AFFÄRE

Blatter mit altem FIFA-Logo

Plötzlich sind die beiden Bälle weg. Jahrelang besteht das Logo der FIFA aus zwei Fußbällen, auf denen der Globus abgebildet ist, sowie einem Schriftzug. Seit 2009 stehen die vier Buchstaben alleine da, die beiden Kugeln sind verschwunden. Was ist geschehen? Dazu müssen wir ein paar Jahre zurückblicken. Das Kreditkarten-Unternehmen MasterCard gilt jahrelang als treuer Werbepartner der FIFA. Aus Dank räumt der Weltverband dem Unternehmen ein Vorkaufsrecht für die Werbedeals bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 ein. Gleichzeitig verhandeln FIFA-Marketingchef Jerome Valcke und Präsident Blatter jedoch mit Visa über eine Partnerschaft.

Schlussendlich bekommt der MasterCard-Erzrivale den Zuschlag für den Sponsorenvertrag. Das lässt sich das Unternehmen nicht gefallen. MasterCard verklagt die FIFA im Jahr 2006, bekommt vor einem New Yorker Gericht Recht und einigt sich mit dem Weltverband auf eine Entschädigung. 90 Millionen Dollar muss die FIFA zahlen, damit alle Streitpunkte beigelegt werden. Darunter fallen auch die Bälle im FIFA-Logo, die MasterCard aufgrund des eigenen Markeinzeichens – ebenfalls zwei Weltkugeln – schon lange ein Dorn im Auge sind. Blatter schadet die Affäre nicht, Marketingchef  Valcke kostet sie jedoch den Job. Zumindest zunächst. Denn nur wenige Monate nach diesem Debakel wird Valcke im Juni 2007 als FIFA-Generalsekretär zur rechten Hand Blatters. In dieser Position wirkt er bis heute.

 

2010: WM-VERGABEN 2018 und 2022

Putin und Blatter

Ohne stichhaltige Begründung beschließt Blatter, die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gemeinsam zu vergeben. Eine Praxis, die schon im Vorfeld zu verbotenen Absprachen einlädt und die Schmiergeld-Maschinerie auf Hochtouren bringt. 24 Exekutivmitglieder sollen 2010 über die Vergabe der beiden Endrunden entscheiden. Letztlich dürfen nur 22 teilnehmen, weil die „Sunday Times“ enthüllt, dass Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Adamu (Nigeria) ihre Stimme zum Kauf angeboten haben.

Die Entscheidung für Russland (2018) und Katar (2022) sorgt bis heute für Aufregung. Nicht nur, weil die Weltmeisterschaft im arabischen Emirat aufgrund der Sommerhitze nachträglich in den Winter verlegt wird. 2011 erhebt Lord David Triesman im britischen Parlament offiziell den Vorwurf der Bestechlichkeit und Manipulation gegen vier weitere Exekutiv-Mitglieder.

2012 beauftragt die FIFA den ehemaligen US-Staatsanwalt Michael J. Garcia mit einem Untersuchungsbericht zur WM-Vergabe. Nach zwei Jahren harter Arbeit verweigert die FIFA jedoch die vollständige Veröffentlichung des „Garcia-Reports“, woraufhin der vermeintliche Aufdecker zurücktritt. Diese Causa wird uns in den kommenden Jahren noch beschäftigen.

 

2011: MACHTKAMPF MIT FREUNDEN

Blatter mit Bin Hammam 2002

2011 ist Blatter dem Ende so nahe wie selten zuvor. Sein ehemaliger Wahlkämpfer Bin Hammam hat es satt zu warten, bis der Schweizer zurücktritt. Also tritt der Katarer selbst bei der FIFA-Wahl an. Als Chef des asiatischen Verbandes hat er gute Chancen zu gewinnen.

Schnell kristallisiert sich heraus, dass die Entscheidung in Nord- und Mittelamerika fällt. Dort regiert mit CONCACAF-Boss Warner ein alter Freund der beiden Kandidaten. Blatter legt mit einem „Bonus“ über eine Million Dollar, die die Konföderation von der FIFA erhält, vor.

Daraufhin lässt sich Bin Hammam nicht lange bitten. Er fliegt nach Trinidad, wo er den Delegierten aus der Karibik 40.000 Dollar Schmiergeld pro Land bietet. Der US-amerikanische CONCACAF-Generalsekretär Chuck Blazer, ein Wendehals sondergleichen, deckt den Deal auf.

Aufgrund der Bestechungsvorwürfe verzichtet Bin Hammam knapp vor der Abstimmung auf seine Kandidatur. Am 23. Juli 2011 wird er von der FIFA-Ethikkommission auf Lebenszeit gesperrt. Sein Kompagnon Warner, der ebenfalls in den Skandal verwickelt ist, muss von all seinen Funktionen zurücktreten. Blatter hat wieder einmal gewonnen.

 

2015: DER AKTUELLE SKANDAL

Blatter beim Kongress in Zürich

Am 27. Mai 2015 erschüttert ein Erdbeben die Fußballwelt. Das FBI verhaftet sieben teils hochrangige FIFA-Funktionäre wegen Verdachts der Geldwäche, des Betrugs sowie der Annahme von Bestechungsgeldern. Zudem beschlagnahmen Schweizer Ermittler in der Zentrale des Weltverbandes Dokumente und Datenträger aufgrund der Korruptionsvorwürfe im Zuge der WM-Vergaben an Katar und Russland. Innerhalb weniger Stunden bekommt Blatter die Rechnung präsentiert, für ein korrumpiertes System, das er seit 1975 geholfen hat aufzubauen.

Es braucht die strenge US-Justiz, um diesen mafiösen Apparat in seinen Grundfesten zu erschüttern. Das FBI ermittelt bereits seit mehreren Jahren gegen diverse Funktionäre, die Vorwürfe sind vielfältig (Infos). Als Kronzeuge dürfte mit dem langjährigen FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied Blazer ein Mann fungieren, den Blatter 2011 bei der Demontage von Bin Hammam zu seinen eigenen Gunsten nutzte. Dem FIFA-Präsidenten können bis heute keine strafrechtlichen Vergehen nachgewiesen werden. Nun scheint ihm aber jenes System auf den Kopf zu fallen, das er einst gemeinsam mit Horst Dassler und Joao Havelange selbst miterschuf.

 

Jakob Faber

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