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"Wir waren alle Laborratten"

Sie waren Helden. Doch der Preis, den sie nachträglich dafür bezahlen, ist unfassbar hoch.

Die 1980er Jahre gelten als Goldenes Zeitalter des algerischen Fußballs.

1982 und 1986 sorgte das afrikanische Land für Aufsehen, als es sich zwei Mal in Folge für die Weltmeisterschaften qualifizierte.

Töchter leiden an Muskeldystrophie

Doch die damaligen Erfolge werfen einen langen Schatten in die Gegenwart, die für einige der Protagonisten von einst ziemlich düster aussieht.

Vor einigen Tagen berichtete Mohamed Chaib der „AFP“ Schockierendes. Acht ehemalige Spieler hätten Kinder mit Behinderungen auf die Welt gebracht. Seine drei Töchter würden allesamt unter Muskeldystrophie leiden.

Flächendeckendes Doping?

Bei einer derartigen Häufung von tragischen Schicksalen ist Zufall de facto auszuschließen.

„Wir wollen einfach die Wahrheit wissen“, appelliert Chaib. Der Verdacht: Im algerischen Nationalteam wurde flächendeckendes Doping betrieben.

Sowjetische Kontakte

Nach Ende der französischen Kolonialherrschaft wurde aus Algerien eine Sozialistische Volksrepublik, die enge Kontakte zur Sowjetunion unterhielt. Auch auf sportlicher Ebene.

Dr. Rachid Hanifi erinnert sich in der Tageszeitung „El Watan“ daran, dass der damalige Teamchef Gennadi Rogov einen russischen Landsmann als Mannschaftsarzt installierte.

Keine Akteneinsicht

Hanifi, der das Team bis dahin selbst medizinisch betreute, wurde fortan die Einsicht in die Spielerakten verwehrt.

„Ich glaube, dass sie Tests gemacht haben, die sie nicht preisgeben wollten“, sagt Hanifi. Er selbst habe sich bei höheren Stellen beschwert, aufgrund mangelnder Unterstützung aber schließlich das Handtuch geworfen.

"Gelbe Pillen" nur Vitamine?

Djamel Menad, damals Stürmer, berichtet gegenüber „Nessma TV“ von „gelben Pillen“.

Den Spielern sei gesagt worden, es handle sich lediglich um Vitamin-Tabletten. Dass die Medikamente doch anderer Natur gewesen sein dürften, ist wahrscheinlich.

Untersuchung gefordert

„Die Verbindung ist nicht evident, aber möglich“, kann sich Hanifi gut vorstellen, dass die Beeinträchtigungen der Kinder der Kicker mit dem vermeintlichen Doping zusammenhängen.

„Wir waren alle Laborratten“, sagt ein Ex-Profi, der anonym bleiben will, „El Watan“. Die früheren Nationalspieler fordern nun eine eingehende Untersuchung, um Licht ins Dunkel zu bringen.

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