Fünf Brennpunkte zum Wiener UEFA-Kongress

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1815 wurde am Wiener Kongress die Neuordnung Europas nach den napoleonischen Kriegen beschlossen.

200 Jahre später findet in der österreichischen Hauptstadt erneut ein großer internationaler Kongress statt. Dabei geht es zwar nicht um die politische Zukunft des Kontinents, aber immerhin um die Zukunft des europäischen Fußballs.

Beim UEFA-Kongress in der Messe Wien werden am Dienstag zahlreiche richtungsweisende Entscheidungen fallen. Viele davon dürften jedoch schon am Wochenende davor in die Wege geleitet werden, wenn das UEFA-Exekutivkomitee zusammentrifft. Das oberste Organ des europäischen Fußball-Verbandes, in etwa vergleichbar mit einem Vereins-Vorstand, gibt die Richtung vor.

Für einige Tage steht Wien nun also im Mittelpunkt der Fußball-Welt. LAOLA1 erklärt die fünf wichtigsten Brennpunkte:

  • WAHLKAMPF DER FIFA-PRÄSIDENTSCHAFTS-KANDIDATEN

Wahlkampf pur! Nicht erst im Herbst, wenn der Wiener Gemeinderat gewählt wird, sondern schon jetzt im Rennen um die FIFA-Präsidentschaft. Am 29. Mai schreiten Funktionäre aus aller Welt zu den Wahlurnen. Bis dahin wollen sich die vier Kandidaten in möglichst gutem Licht präsentieren. Deswegen werden die drei Herausforder Michael van Praag, Prinz Ali bin Al Hussein und Luis Figo am Ende des UEFA-Kongresses ihre Reden halten.

Amtsträger Joseph Blatter kommt bereits am Beginn der Veranstaltung zu Wort. Viel wichtiger als die öffentlichen Auftritte der Kandidaten sind aber die vielen Gespräche im Hintergrund. Netzwerken nennt man das heutzutage. Vor allem für die Herausforder wird es darum gehen, bei den mehr als 400 europäischen Delegierten Überzeugungsarbeit zu leisten. Viele Experten rechnen damit, dass sich die UEFA letztlich auf einen gemeinsamen Blatter-Herausforderer einigen wird. Für zwei der vier Kandidaten könnte die Wahl also schon vor dem Urnengang vorbei sein.

  • BLATTER ERWARTET EIN HEISSER TANZ

Normalerweise meidet Joseph S. Blatter (das S. steht für Sepp) heikle Auftritte wie der Teufel das Weihwasser. Der Schweizer mag keine kritischen Fragen. Nicht umsonst sagte er zuletzt für eine TV-Diskussionen mit seinen FIFA-Gegenkandidaten ab. Auch der Besuch beim UEFA-Kongress bereitet dem 79-Jährigen mit Sicherheit kein Vergnügen. Aber einen Auftritt des FIFA-Präsidenten bei der Generalversammlung des mächtigsten Kontinenalverbandes verlangen schon alleine die Regeln der Höflichkeit.

Dabei weiß Blatter ganz genau über seine Feinde Bescheid. „Sie wollen mich loswerden. Die Opposition kommt, es ist schade das zu sagen, aus Nyon von der UEFA“, erklärte der Schweizer, der aufgrund der Unterstützung aus dem Rest der Welt als klarer Favorit bei der Präsidentenwahl gilt, im Jänner gegenüber „CNN“. Auf Blatter wartet am Wiener Kongress also ein heißer Tanz. Sowohl seine drei Herausforderer als auch UEFA-Boss Michel Platini werden den FIFA-Paten verbal angreifen. Man darf gespannt sein, wie sich der konfliktscheue Blatter dabei aus der Affäre zieht.

*stellen sich der Wiederwahl

Dafür gibt es gleich zwölf Kandidaten, darunter mit dem ehemaligen Weltklasse-Stürmer und nunmehrigen kroatischen Verbandspräsidenten Davor Suker auch ein ganz prominenter Name. Für Österreich wagt sich kein Funktionär in den Wahlkampf. Seit dem Ausscheiden von Heinz Gerö 1988 saß kein ÖFB-Vertreter mehr im UEFA-Exekutivkomitee. "Österreich wäre nicht chancenlos, aber das ist eine Frage der Zeit. Das ist mehr als ein Half-Time-Job, man muss fast den Job aufgeben“, begründet Leo Windtner die fehlende Initiative.

  • ABSEITS DER GROSSEN THEMEN

Wien 2015 könnte als Geburtsstunde der Nations League in die Geschichte der UEFA eingehen. Die „Mini-EM“ soll die Anzahl internationaler Freundschaftsspiele verringern und zukünftig alle zwei Jahre stattfinden. Die besten vier Teams dieses erstmals 2018/19 stattfindenden Wettbewerbs qualifizieren sich direkt für die nächste Europameisterschaft. „Das ist in Bezug auf die Nationalmannschaften eine sehr wichtige Entscheidung für die Zukunft des Fußballs", sagte Platini beim letzten UEFA-Kongress vor einem Jahr in Astana (Kasachstan), als eine erste Resolution darüber verabschiedet wurde. In Österreich könnte der neue Wettbewerb nun endgültig zur beschlossenen Sache werden.

Daneben dürfte auch der politische Konflikt zwischen Russland und der Ukraine den Kongress beschäftigen. Für die von Wladimir Putins Streitkräften annektierte Krim muss eine fußballerische Lösung gefunden werden. Einen Wechsel in den russischen Fußballverband verweigerte die UEFA den Vereinen von der Halbinsel. Stattdessen drängt man auf eine eigene Krim-Liga. Eher unwahrscheinlich erscheint, dass einer der Delegierten aufgrund des Konflikts einen Boykott der WM 2018 in Russland fordert. Dazu sind die Fußball-Funktionäre politisch zu vorsichtig. „Da kommt der Sport in die Mühlen der Politik, das macht keinen Sinn", betont auch ÖFB-Präsident Windtner.

 

Jakob Faber

  • WIRBEL UM DIE WINTER-WM

Nun ist die Winter-WM also fix: Wie das FIFA-Exekutivkomitee beschlossen hat, wird das Finale der Endrunde 2022 in Katar am 18. Dezember stattfinden. Dennoch wird das Thema auch bei den Gesprächen der UEFA-Delegierten in Wien noch für ordentlichen Wirbel sorgen. Nicht zuletzt, weil noch immer viele Fragen offen sind.

So muss der komplette Spielplan für die Saison 2022/23 neu festgelegt werden. Zudem steht auch der Termin für das Eröffnungsspiel noch nicht fest. Dieser wird erst von der FIFA und den Top-Ligen ausverhandelt. Und schließlich wäre da noch das heikle Thema der finanziellen Entschädigung. Dieser Idee erteilte der FIFA zuletzt eine Absage, doch die europäischen Ligen werden nicht locker lassen und weiter auf Geldflüsse wegen der Winter-WM beharren.

  • ES WIRD GEWÄHLT

Seit 2007 thront Michel Platini an der Spitze des europäischen Verbandes. Anfangs als Blatter-Zögling gegen dessen Erzrivalen Lennart Johannson bei einer Kampfabstimmung ins Amt gehievt, hat sich der Franzose mittlerweile von seinem Mentor emanzipiert. Einer dritten Periode als UEFA-Präsident steht trotz dessen Befürwortung einer WM in Katar nichts im Wege. Er ist der einzige zur Wahl stehende Kandidat. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kann sich seiner Entsendung ins FIFA-Exekutivkomitte sicher sein. Er tritt dort die Nachfolge seines Landsmanns Theo Zwanziger an. Umkämpfter sind die Plätze im Exekutivkomitee der UEFA. Sieben des 15 Sitze fassenden Verbands-Gremiums stehen zur Wahl.

Kandidat Land
Sandor Csanyi Ungarn
Peter Gillieron* Schweiz
Fernando Gomes Portugal
Yngve Hallen Norwegen
Trefor Lloyd Hughes Wales
Borislaw Michailow* Bulgarien
Campbell Ogilvie Schottland
Davor Suker Kroatien
Grigori Surkis* Ukraine
Geir Thorsteinsson Island
Angel Maria Villar Llona* Spanien
Servet Yardimci Türkei
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