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"Wir haben ein nach oben offenes Potenzial"

Die Party wäre angerichtet.

Nach dem erkämpften 2:2 im Relegations-Hinspiel beim FAC fehlt dem SV Austria Salzburg noch der letzte Schritt im achtjährigen Anlauf auf den Profifußball. Dieser soll im Heimspiel am Donnerstag (ab 18:00 im LAOLA1-LIVE-Ticker) folgen.

Zwar darf man sich sportlich nicht auf der sicheren Seite wähnen, schließlich hat der Gegner sein Stolperstein-Potenzial gezeigt. Im Hintergrund sind die Weichen aber längst auf Aufstieg gestellt. Kein Zeichen von Überheblichkeit, sondern organisatorische Notwendigkeit.

Denn die Infrastruktur im Salzburger Stadtteil Maxglan konnte im Sprint durch die untersten Ligen nicht Schritt halten. Das hat sich auch in der vierjährigen Verschnaufpause, die man zuletzt in der Regionalliga einlegte, nicht geändert.

Die Vernunft siegt

Die 2005 von Fans gegründete Austria, die sich aus fußballromantischen Gründen Name und Farben nicht verbieten lassen wollte, war auch finanziell stets ein Gegenkonzept zu Red Bull Salzburg. Und dass es gelingen sollte, innerhalb der Mindestzeit von vier Saisonen den Sprung von der 2. Klasse Nord in die dritte Leistungsstufe zu schaffen, war Teil des Traums – aber nicht der Planungen.

So schien es vernünftig, die Regionalliga als Konsolidierungsphase zu nutzen. „Wir hatten bereits 2010/11 eine gute Chance auf den Titel und kurzfristig überlegt, ob wir personell nachrüsten sollen. Wir entschieden uns dagegen, weil weder die finanzielle noch die infrastrukturelle Situation darauf ausgerichtet war“, erklärt Austria-Obmann Walter Windischbauer im Gespräch mit LAOLA1.

2012/13 sollte der Angriff erfolgen. „Wir hatten aber durch das Konstrukt FC Liefering, welches aus der Taufe gehoben wurde, einen sportlich übermächtigen Gegner, der unter professionellen Bedingungen gearbeitet und viel Geld investiert hat.“

Das Versäumte wurde eindrucksvoll nachgeholt. Abgesehen von einem Ausrutscher gegen den härtesten Konkurrenten Wattens, als die Meisterschaft schon in trockenen Tüchern war, musste man 2013/14 keine Niederlage hinnehmen.

Die Zeit drängt

Sportlich scheint man also durchaus für höhere Aufgaben gerüstet zu sein. Daneben kümmerte sich Windischbauer mit seinen Vorstandskollegen um die Formalitäten: „Unsere Wirtschaftsprüfer haben uns auf Herz und Nieren untersucht und eine positive Fortführungsprognose erstellt, sodass wir die Lizenz erwerben konnten.“

Ein großer Haken bleibt. Denn das MyPhone Austria Stadion, pikanterweise nur 300 Meter von Red Bulls „Hangar 7“ entfernt, besitzt gehobenen Sportplatzcharakter. Zumindest ein fernsehtaugliches Flutlicht, Medienarbeitsplätze und einen Auswärtssektor bräuchte es, um hier den Erste-Liga-Meisterschaftsbetrieb abzuhalten. Dabei wird die Zeit zum Faktor.

Das MyPhone Austria Stadion ist noch nicht Erste-Liga-reif

„Die Ausschreibung ist abgeschlossen, aber die Errichtung des Flutlichts wird zwei Monate dauern. Bereits am Freitag nach der Relegation könnten die beauftragten Firmen mit der Mastenproduktion beginnen, doch die Erste Liga beginnt am 18. Juli“, verrät Windischbauer.

Die Möglichkeiten sind begrenzt

Als Übergangslösung hat man sich im 70 Kilometer entfernten Vöcklabruck eingemietet, wo ein 4400 Zuschauer fassendes Stadion steht und man die ersten Spiele bestreiten würde. In Rücksichtnahme auf die Fans keine langfristige Alternative.

Doch irgendwann wird man sich etwas überlegen müssen. Den Bemühungen, die eigentliche Heimstätte auszubauen, sind Grenzen bauplanungstechnischer Natur gesetzt.

Nach der bereits erfolgten Errichtung eines Trainingsplatzes und dem neuen Projekt einer zusätzlichen Hintertor-Tribüne, für die Jedermann spenden kann und die das Fassungsvermögen auf über 2000 Personen anheben würde, nähert man sich dem Ende auf diesem Gelände. Die umliegende, noch freie Baufläche dürfte Wohnkomplexen gewidmet werden.

Die Kosten sind zu hoch

„Hier in Maxglan ein Stadion für 3000 Leute aus dem derzeitigen 1500er-Stadion zu machen, dazu noch die anderen Bundesliga-Vorschriften wie die Rasenheizung zu erfüllen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Mittelfristig braucht Salzburg ein Sportstadion, in dem man zumindest Zweitligapartien austragen könnte. Die Red Bull Arena liegt ja auch in Wals-Siezenheim und nicht in der Stadt“, fordert Windischbauer.

Sich trotz schlechten Gewissens in das Bett des Feindes zu legen, ist nicht nur aus organisatorischen Gründen nach Lieferings Aufstieg unmöglich: „Vor einem Jahr haben wir uns mit der Betreibergesellschaft und Vertretern von Red Bull unterhalten und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es für uns auch finanziell nicht machbar wäre. Die Miete, die Betriebskosten, die Tatsache, dass Red Bull nicht auf den Ausschank verzichtet hätte, die eingeschränkten Werbemöglichkeiten und das Umbranden des Stadions hätten jährlich bis zu 800.000 Euro gekostet. Da wird man in Österreich keinen Zweitligaverein finden, der so einen Betrag stemmen könnte.“

Das Potenzial ist da

Trotz der Champions-League-orientierten Stadtkonkurrenz mehr Leute für das eigene Projekt begeistern zu können, sieht der Obmann im Bereich der Möglichkeiten.

„Wenn ich durch die Stadt gehe, werde ich von Hinz und Kunz angesprochen, die sich alle freuen, dass die Austria wieder da ist. Wir haben ein nach oben offenes Potenzial und sind auf dem besten Weg, die Fans wieder zu erobern, die in den 90er Jahren die Austria zu den Höhenflügen im UEFA Cup geführt haben.“

Ermöglicht wird dies auch durch die starke Einbindung der Fans:  „Wir haben regelmäßig offene Veranstaltungen und wissen, wo den Anhängern der Schuh drückt. Einen massiven Konflikt hat es nie gegeben. Außerdem begreifen sich alle Vorstandsmitglieder selbst als Fans. Wir sind nie abgeschottet, sondern zum Angreifen. Das soll auch so bleiben, wenn die Sache größer wird.“

Die Umstände sind schwierig

Noch ist man bei der Austria nicht in der Situation, sich mit solchen Zukunftsfragen auseinandersetzen zu dürfen. Dass die Regularien verlangen, sich nach der souveränen Vorstellung in der Regionalliga noch in der Relegation beweisen zu müssen, wurmt den Obmann.

„Es ist schwierig, nicht zu wissen, wo man spielen wird. Die Spieler müssen das mit ihren Arbeitgebern abklären – in der Ersten Liga spielt man freitags. Das sind Dinge, die man als Ligaverantwortlicher nicht bedenkt, für die Vereine aber massive Probleme darstellen. Ich habe den Eindruck, dass die Schwelle zwischen Profi- und Amateurbereich dadurch noch größer ist.“

Dazu kommt das veränderte Aufstiegsprozedere, das dem Regionalliga-West-Meister in der nächsten Saison den Fixaufstieg garantiert, der Austria zeitlich ungelegen: „Das ist ja fast ein Hohn für uns. Noch dazu steigen im kommenden Jahr zwei Mannschaften aus der Ersten Liga ab, wodurch wir unter größeren Druck geraten, falls wir die Relegation schaffen. Eine unappetitliche Situation.“

Das Selbstvertrauen stimmt

Trotzdem: Dieser Herausforderung will man sich stellen. Und im Lager der Violetten denkt man nicht ans Scheitern. Daran ändert der Respekt, den man dem Relegationsgegner aus Floridsdorf entgegenbringt, nichts.

Und sollte es nach den kommenden 90 Minuten doch nicht zum Aufstieg reichen? „Dann wird zunächst einmal die Welt untergehen und ich werde mich mit den Vorstandskollegen, Betreuern, der Mannschaft und den Fans auf eine Insel zurückziehen und bitterliche Tränen weinen – um dann wiederzukommen und zu wissen, dass wir ein gutes Team und die besten Fans der Liga haben. Wir werden einen neuen Angriff unternehmen. Geht es diesmal nicht, geht es nächstes oder übernächstes Jahr. Wir haben den Plan und diese Überzeugung es zu schaffen, also wer soll uns aufhalten?“

Färbt das Selbstvertrauen des Obmanns auf die Spieler ab, sollten schon diesmal keine Zweifel aufkommen können.

 

Johannes Bauer

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