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"Es ist ein gutes, aber gefährliches Resultat"

Ein Abschluss, ein Tor, eine Erleichterung.

86 Minuten mussten sich die 1500 mitgereisten Linzer Fans (von 3000 insgesamt) beim Relegations-Hinspiel ihres LASK in Parndorf gedulden.

Dann fiel das wichtige Auswärtstor zum 1:0-Endstand. Die Tür zur ersehnten Rückkehr in den Profi-Fußball wurde weit aufgemacht.

"Ich widme dieses Tor den Fans", sagte Radovan Vujanovic nach dem Spiel, als der Goalgetter in Richtung der jubelnden Masse blickte.

Ein Tor der Erleichterung

„Es war ein sehr schönes Gefühl, weil wir dafür auch hart gearbeitet haben", schilderte der Stürmer sein Tor, einen Abstauber nach Barry-Kopfball (Daxbacher: "Der Herr der Lüfte").

Für den Jubel hatte Vujanovic nach einer intensiven Partie noch genügend Kraft und lief zu den Fans in die eigene Hälfte.

Der 32-Jährige, der bereits vor der Relegation ligaunabhängig seinen Vertrag zwei Jahre verlängerte, wusste, wie groß dort die Erleichterung war.

Noch vor einem Jahr mussten sich die Athletiker, die 2012 in der Ära Reichel durch den Lizenzentzug aus dem Profi-Fußball geworfen wurden, in der Relegation Liefering per Gesamtscore 0:5 geschlagen geben.

Das Hinspiel ging damals in Salzburg 0:2 verloren.

"Psychologisch ist es wichtig"

Dieses Mal fahren die Linzer mit einem guten Gefühl zurück nach Linz.

„Psychologisch ist es ganz wichtig, die Stimmung ist positiv, vergangenes Jahr haben wir doch noch viel darüber diskutiert", erinnerte sich Abwehrchef Mario Hieblinger, der mit seiner Defensrivreihe nichts zuließ.

Diskutieren musste dieses Mal nichts werden. Der Sieg der Gäste ging völlig in Ordnung. Vor dem 1:0 trafen Öbster, Hammerer und Kovacec nur Aluminium. Das brachte nicht nur die Fans zum Verzweifeln.

"Aluminium hat heute den Ball angezogen, da hätte es auch ohne Tor zu Ende gehen können", wusste Trainer Karl Daxbacher. "Aber es wäre bitter gewesen."

Der LASK hatte das Heft in der Hand, was durch die Rote Karte gegen Jusits (58.) noch begünstig wurde, und vor der Partie die Hausaufgaben gemacht.

"Wir wussten zum einen, dass es ein umkämpftes Spiel wurde, zum anderen, dass viele hohe Bälle kommen werden. Auf das haben wir uns eingestellt und es ist aufgegangen", freut sich der 61-Jährige.

Aufgegangen ist nämlich vor allem der Schachzug, Stürmer Fabiano als zweiten Sechser spielen zu lassen. Nicht nur wegen seines sauberen Passspiels, sondern vor allem wegen seiner Kopfballstärke.

Schachzug mit Fabiano ging auf

"Wir haben das schon gegen Vöcklamarkt in der Liga ausprobiert. Er sollte mit seiner Qualität in der Luft die vielen Kopfball-Duelle vor der Abwehrzentrale bestreiten, zur Absicherung aber noch jemand hinter ihm sein", schilderte Daxbacher.

Der Brasilianer hatte auf diese Weise viel mit 2,02m-Mann Horvath zu tun, auf den die hohen Bälle zumeist kamen. Parndorf war von der Aufstellung her mit drei Spitzen ans Werk gegangen.

„Mehr Risiko kann man nicht gehen, dennoch haben wir keine nennenswerte Chance zugelassen", freut sich der ehemalige Austria-Coach, dass seine Defensive zu Null spielte.

LASK bleibt am (Heide-)Boden

Nichtsdestoweniger blieb Daxbacher im Heideboden-Stadion auf selbigem.

"Es ist natürlich ein gutes Auswärts-Ergebnis, weil ein Tor erzielt und keines bekommen wurde. Aber zu sicher dürfen wir uns deswegen nicht fühlen. Das wird noch eine schwere Aufgabe in Linz."

Seine Spieler sehen das ähnlich. Ex-Ried-Spieler und Cup-Held von 2011, Markus Hammerer: "Es ist ein gutes, aber gefährliches Resultat."

"Ich nehme das Wort nicht in den Mund"

Vujanovic wollte das Wort Aufstieg gar nicht hören: "Ich nehme dieses Wort nicht in den Mund, denn es ist erst Halbzeit. Parndorf wird auch in Linz kämpfen. Ein 2:0 wäre noch schöner gewesen, aber wir können das Selbstvertrauen durch den Sieg jetzt mitnehmen und am Donnerstag dann wieder so eine Leistung zeigen."

Kapitän Hieblinger kennt den Gameplan bis dahin: "Wir müssen jetzt regenerieren und uns dann wieder voll konzentrieren und fokussieren. Hoffentlich kommen ganz viele Fans, dann werden wir in einem ähnlichen Spiel wieder die zweite Luft bekommen und über unsere Grenzen gehen."

Für Erste-Liga-Stimmung hatten die am Montag schon gesorgt und den Sieg entsprechend gefeiert - unter anderem samt Welle mit dem LASK-Präsidium. Das hätte es vergangene Saison wohl nicht gegeben.

Vielleicht dreht es sich dann auch dieses Jahr um und es klappt samt tausenden Fans in Linz mit dem Aufstieg des Traditionsklubs.

Der Verein entschied sich gegen eine TV-Übertragung und für die Anpfiffzeit um 19:08 Uhr. 1908 wurde der LASK gegründet.

Ein Aufstieg wäre gewiss eine Art Wiedergeburt.

 

Bernhard Kastler

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