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"Brauche noch Zeit, um wieder zur Austria zu gehen"

Sieben Mal Meister, vier Mal Cupsieger, ein Europacup-Finale als Spieler mit der Austria.

Einmal Cupsieger als Trainer mit der Austria. Der Meister-Titel mit seinen „Veilchen“ blieb Karl Daxbacher verwehrt.

Aller Voraussicht nach wird sie diesen eineinhalb Jahre nach seiner Entlassung einfahren.

„Es ist noch zu früh für mich, ins Stadion zu gehen“, sagt die Austria-Ikone, die Peter Stöger und vor allem seinen früheren Spielern die erste violette Meisterschaft seit 2006 gönnen würde.

Der Niederösterreicher, der aktuell in seiner zweiten Amtszeit den LASK trainiert, blickt an und für sich ungerne zurück.

Beim Interview-Termin mit LAOLA1 im Hotel Stockinger bleibt ihm nichts anderes übrig.

An diesem Montag ist Karl Daxbacher 60 Jahre alt geworden.

LAOLA1: Wie gehen Sie Ihren runden Geburtstag an?

Karl Daxbacher: Sehr unkompliziert, ich habe eigentlich nichts Großes vor. Auf alle Fälle werde ich die Mannschaft zum Essen einladen. Wir müssen das aber etwas verschieben, denn das Cup-Spiel gegen Ried steht ja an. Ansonsten wird es im engen Kreis der Familie etwas geben, aber keine große Feier. Ich bin sehr relaxed und möchte nicht, dass groß Aufhebens gemacht wird. Beim 50er war ohnehin ein Remmi-Demmi, als ich in Krems noch zwei Tankstellen hatte. Das reicht (lacht).

LAOLA1: Fühlen Sie sich 60 Jahre alt?

Daxbacher: Ich denke, mir geht es wie den meisten mit 60 – man fühlt sich jünger als man ist. Man ist dann selbst überrascht, dass man ein Alter erreicht, wo jeder sagt, es ist Zeit zum Aufhören (lacht). Mir taugt aber das Trainer-Geschäft sehr. Klar, wenn man aktuell erfolgreich ist, ist es angenehmer, aber ich gehe auch gerne auf den Platz und habe nicht vor, aufzuhören. Man wird sehen, wie es beim LASK weitergehen wird. Zur Ruhe setzen will ich mich aber auf keinen Fall.

LAOLA1: Gibt es irgendein Alter, bei dem Sie sagen, da wäre ich dann schon gerne in Pension?

Daxbacher: Darüber habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Es gibt Trainer, die das bis ins hohe Alter machen. Man wird sehen. Wenn einmal kein gutes Angebot mehr da ist, dann kann man es vielleicht ganz sein lassen. Im Trainergeschäft weiß man ohnehin nie, wie es kommt. Ein Verein verliert drei Mal und trennt sich, das kennen wir ohnehin alles. Ich bleibe aber sehr gerne in Linz, schon meine erste Zeit hier war toll. Man weiß, was möglich ist. Allerdings ist es ein harter Weg. Das Schicksal des GAK zu erleiden, ist sicherlich eine Gefahr für den LASK. In der Regionalliga drei, vier Jahre hängen zu bleiben, würde es schwierig machen. Solche Traditionsklubs braucht Fußball-Österreich, denn das Zuschauer-Potenzial ist da.

Mit der Austria holte Daxbacher den Cup-Sieg, der Titel blieb verwehrt

LAOLA1: Ehe wir uns dem LASK weiter widmen, blicken wir anlässlich Ihres 60er noch weiter zurück. Sieben Meistertitel als Spieler mit der Austria, einmal Cupsieger als Trainer der Veilchen. Zufrieden?

Daxbacher: Da schaut man natürlich gerne zurück. Mit 18 Jahren habe ich mir das nicht erträumen lassen. Da habe ich mir auch nicht zugetraut, als Spieler Fuß zu fassen. Das war so weit weg und hoch oben. Ich dachte mir, sie werden mich nach einem Jahr wieder wegschicken. Es wurden dann 14 und darunter die erfolgreichsten der Austria überhaupt (lacht). Es liegt schon weit zurück und so richtig beschäftigen tut mich das auch nicht, aber es macht mich schon stolz. Sieben Mal Meister zu werden, ist ein Wahnsinn. Dazu Europacup-Semifinale und –Endspiel. So etwas ist jetzt kaum mehr vorstellbar, aber auch viel schwieriger. Aber all das ist schon schön. Aber ich rede nicht immer drüber, weil ich mir als junger Spieler geschworen habe, nicht das, was die Alten mit der guten, alten Zeit wiederkauen, selbst zu tun. Das hat als junger Spieler genervt.

LAOLA1: Welche Bilanz als Trainer ziehen Sie?

Daxbacher: Ich trauere natürlich schon ein wenig dem Titel mit der Austria nach. Zwei Mal hätten wir es im letzten Spiel schaffen können, das hat dann nicht geklappt. Aber grundsätzlich bilanziere ich auch hier positiv, denn es war eine super Zeit bei der Austria als Trainer. Alleine schon bei den Amateuren zu arbeiten und dann natürlich die dreieinhalb Jahre bei der Kampfmannschaft. Wir haben sehr guten Fußball gespielt, leider hat es das Eitzerl zum Titel nicht gereicht.

LAOLA1: Sie sind ein halbes Jahr vor Beginn jener Saison entlassen worden, in der die Austria drauf und dran ist, Meister zu werden. Ist die Frage zulässig, ob Ihnen das auch gelungen wäre?

Daxbacher: Das kann man nie sagen, das ist alles Spekulation. Man muss einfach Peter Stöger gratulieren, die Austria spielt wahrscheinlich die beste Saison aller Zeiten, wenn es so weiter geht (das Interview wurde vor der 0:4-Niederlage gegen den WAC geführt, Anm.). Das ist sein Hauptverdienst. Mich freut es auch für die Spieler, den Großteil kenne ich ja und die sind schwer in Ordnung. Respekt, so eine Konstanz hat es bei der Austria noch nie gegeben. Sie war immer die launische Diva. Auch in meiner Zeit. Nach hochattraktiven Spielen kam der Umfaller. Es ist aber auch verwunderlich, dass Salzburg abgestürzt ist. Sie haben von der Qualität her irgendetwas falsch gemacht, man spricht immer von großer Qualität, aber die ist nicht so groß. Mich wundert ohnehin, dass der Trainer überleben kann. So viele Punkte zurück, an Düdelingen scheitern – da muss man der Führung wohl ein Kompliment aussprechen, dass ihm noch die Chance geben (lacht).

2007 feierte "Kaiser Karl" mit dem LASK den Aufstieg in die Bundesliga

LAOLA1: Hatten Sie, obwohl er Ihr direkter Nachfolger war, Mitleid mit Ivica Vastic?

Daxbacher: Schon. Ich habe das nicht in Ordnung gefunden, wie schnell die Stimmung umgeschlagen hat. Ich kenne Ivo als tadellosen Sportsmann und das ist dann zu schnell gegangen. Er hat ja überhaupt keinen Bonus gehabt. Ich kann mich noch an das 0:0 im zweiten Spiel gegen Rapid erinnern, das war fürchterlich und war so etwas wie ein Nicht-Angriffspakt. Ab da ist es losgegangen, danach folgte das 0:1 zu Hause gegen Kapfenberg. Wie die Fans mit ihm umgegangen sind, war nicht in Ordnung. Da waren ein paar unglückliche Geschichten dabei, das hat seinem richtigen Trainerstart einen schweren Knacks gegeben. Das muss man sagen.

LAOLA1: Waren Sie seit Ihrer Entlassung wieder einmal in der Generali Arena?

Daxbacher: Nein, seither war ich nicht mehr im Stadion. Einmal haben wir mit dem LASK gegen die Austria Amateure gespielt, aber das war bei der Akademie. Was das Stadion betrifft, da brauche ich noch ein wenig Zeit. Im Legendenklub, wofür ich die Kriterien klarerweise erfülle, war ich auch noch nicht. Aber das wird kommen, noch ist es aber dafür zu früh für mich.

LAOLA1: Wenn es um den LASK geht, könnte eines nicht früh genug kommen: Der Wiederaufstieg ins Profi-Geschäft. Nach dem Sieg zum Frühjahrs-Auftakt in Pasching haben Sie Ihren Freudentanz aus der ersten Amtszeit präsentiert. Die Anspannung, die abfiel, muss groß gewesen sein.

Daxbacher: Es war über die lange Winterpause das Spiel der Spiele und im Trainingslager haben mich zwei Kollegen von „seit1908.at“ immer wieder angezwickt, wann man mich denn endlich wieder tanzen sieht. Ich habe gesagt, na gut, wenn wir gegen Pasching gewinnen, dann mache ich es. Zudem waren auch 6000 Zuschauern da und mit diesem Erfolg war auch die Sinnhaftigkeit der Rückrunde für uns gerettet. Bei einer Niederlage mit sieben Zählern Rückstand wäre es ganz schwierig geworden. So war die Motivation einfach gegeben, es war ein befreiender Sieg und ich habe gewusst, die Fans erwarten es auch. (lacht) Man hat aber gesehen, was für ein Potenzial hier vorherrscht, auch schon in der Ersten Liga. Damals hatten wir auch bis zu 9000 Zuschauer im Stadion. Das brauchen wir.

LAOLA1: Was hat Salzburg für Sie falsch gemacht?

Daxbacher: Ich glaube, dass Rangnick und Co. den österreichischen Fußball etwas unterschätzt haben. Dass es reichen würde, wenn man einen Kampl aus der zweiten deutschen Liga holt und zwei Talente aus Norwegen. Das ist ja alles gut und schön, aber man redet ja auch von der Champions League. Und das kann es ja eigentlich nicht geben, dass man so viele Punkte Rückstand hat. Da hat man sicher Fehler gemacht. Jantscher, Leonardo oder Maierhofer, der immer belächelt wird, sind weg, aber mit ihnen war doch noch eine stärkere Mannschaft da. Die aktuelle spielt zwar phasenweise attraktiv, aber am Erfolg hapert es.

LAOLA1: Junge, gute Spieler sind also zu wenig?

Daxbacher: Ich kann nicht immer das Alter als Maßstab nehmen. Bei uns kriegt man das Gefühl mit 25, 26 Jahren, ein alter Spieler zu sein. Jeder, der seine Leistung bringt, muss die Berechtigung haben, aufzulaufen. Es klingt zwar immer gut, auf Junge zu setzen. Das ist ja irrsinnig super, aber wenn es nicht läuft, überlebt es der Trainer im Normalfall nicht und die Jungen werden genauso ausgepfiffen. Da gibt es keine Geduld. Jeder erzählt mir immer, es gäbe bei ihm Regeln, dass Junge spielen müssen. Aber im Endeffekt ist das ja ein Freibrief. Und mit 21 Jahren fällst du möglicherweise aus dieser Jugendregelung heraus und bist weg. Einen älteren guten Spieler musst du auf die Tribüne setzen, ich rede von der Regionalliga und der Ersten Liga. Das ist zu hinterfragen. Klar gehören die Jungen forciert und wenn sie die Leistungen bringen, werden sie auch spielen. Aber so reinprotegieren, nur weil einer jung ist, das finde ich auch nicht ganz okay. Mir ist das Alter egal, Ivica Vastic hat noch mit 40 Jahren gezeigt, welch super Kicker er ist. Das Klischee der Alten stört mich eben. Ich habe selbst auch Junge spielen lassen, Aleksandar Dragovic etwa. Den habe ich aber nicht gebracht, damit ich einfach einen 17-Jährigen bringe, sondern weil er im Training einfach so gut war. Da hat man das Gefühl gehabt, der kann jederzeit spielen. Ganz einfach.

LAOLA1: Wenn wir bei Ihrer Austria-Zeit bleiben, müssen wir auch über das unschöne Ende reden. Wie ist heute das Verhältnis mit Sport-Vorstand Thomas Parits?

Daxbacher: Es gibt eigentlich kein Verhältnis. Wir haben seit einem Jahr kein Wort gewechselt, haben uns nicht gesehen und sind uns auch nicht über den Weg gelaufen. Daher kann man nicht von einem guten oder schlechten Verhältnis sprechen, es gibt eigentlich keines. Ich habe damals kurz danach das Gespräch gesucht, weil ja das in erster Linie telefonisch vonstattenging, aber das war es.

LAOLA1: Sind Sie nach wie vor verärgert, wie das damals ablief?

Daxbacher: Mit der Zeit legt sich der Ärger natürlich. Ich habe einfach die Art und Weise als schwach empfunden. Über einen Trainerwechsel kann man immer verschiedene Meinungen haben. Das passiert laufend. Aber es war eben sehr schwach.

LAOLA1: In Linz werden Sie als Trainer mehr oder minder verehrt. Hätten Sie sich das auch bei der Austria als Spieler und Trainer mehr gewünscht?

Daxbacher: Ich denke, der Großteil der Austria-Anhänger war damals schon für eine Verpflichtung meiner Person als Trainer. Da habe ich aufgrund meiner Spielervergangenheit durchaus auch einen Bonus gehabt. Bei der Austria liegt die Latte aber einfach hoch, da musst du mit Erfolgen zu dem werden, was ich jetzt in Linz bin. Und das hier basiert ja auch nur aufgrund des Aufstiegs und des ersten Bundesliga-Jahres mit dem LASK. Klar kommt es auch an, wie man so rüberkommt, letztendlich braucht es aber Erfolg dazu. Das wäre bei der Austria wohl auch passiert, wenn wir Meister geworden wären. Die Geduld ist beim Austria-Fan enden wollend. Wenn es keinen Meistertitel gibt, dann muss man es eben mit einem anderen probieren. Diesem Druck hat man dann scheinbar auch nicht standhalten können. Ich kann mich aber nicht beschweren, der überwiegende Großteil der Austria-Fans hat sehr gut zu mir gehalten.

LAOLA1: Das Ligen-Format ist immer wieder ein Thema, dahingehend auch der Direktaufstieg als Meister der Regionalliga. Sollte der LASK es schaffen, am Ende Erster zu werden, wartet dennoch die Relegation. Wie sehen Sie die Regelung, nachdem Sie nun mittendrin sind?

Daxbacher: Wenn der Meister nicht aufsteigt, ist es nie gut oder okay. Andererseits muss man schon bedenken, wie man das lösen kann. Ich kann ja nicht nur sagen, alles ist ein Witz, aber selbst habe ich keine Lösung. Und ich muss sagen, mir fällt dafür keine vernünftige ein. Ich glaube, dass man nicht zu viel ändern sollte. Die Zehnerliga sollte man beibehalten, weil die sportlich größten Erfolge trotz allem mit ihr passierten. Die zweite Liga komplett abschaffen und nur auf Regionalligen gehen? Ich denke, da ist der Unterschied dann wieder zu groß. Sportlich gesehen sollte man es glaube ich belassen. Probiert wurde schon viel, ich bin lange genug dabei.

LAOLA1: Sie werden kommende Woche im ÖFB-Cup auf die Profis der SV Ried treffen. Wie finden Sie die Regelung, dass Sie als Amateur-Team nicht Heimrecht haben?

Daxbacher: Das ist echt schade und erschwert die Aufgabe um einiges. In Linz wären die Außenseiter-Chancen schon größer gewesen, jetzt wird es schwierig, zumal sie auch gut drauf sind. Aber im Gegensatz zur Liga kann es hier überhaupt keine mentale Belastung geben. Da haben wir nichts zu verlieren, was gibt es Schöneres?

LAOLA1: Drei Tage später wartet ein schwieriges Gastspiel bei Austria Klagenfurt. Nehmen Sie darauf im Cup Rücksicht?

Daxbacher: Ich bin davon überzeugt, dass es grundsätzlich nichts bringt, wenn man sich da zurücknimmt. Ein Erfolg könnte ja auch beflügeln und wenn es nicht klappt, klappt es eben nicht. Die Garantie gibt mir dann auch keiner, dass ich gegen Klagenfurt besser bin. Zudem ist es ja eine einmalige Chance, ins Semifinale einzuziehen.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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