Horn soll der Traum der japanischen Kinder werden

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Wer es bislang nicht glauben konnte und einen plumpen Marketing-Gag hinter dem Engagement der Honda-Gruppe beim SV Horn vermutete, der wird dieser Tage eines Besseren belehrt.

Wahrhaftig und in voller Pracht lief Keisuke Honda, Profi beim AC Milan und Star der japanischen Nationalmannschaft, zwei Tage lang auf dem Trainingsplatz des Regionalligisten auf.

Am Mittwoch staunten die Trainingskiebitze dann nicht schlecht, als der 29-Jährige im feinen italienischen Zwirn die Kabine verließ und bereitwillig zwischen Traktor und geschäftigen japanischen Landsleuten für Fotos und Autogrammwünsche bereitstand.

Ein Hauch weiter Fußball Welt wehte über die Anlage der Waldviertler Volksbank Arena - und geht es nach Honda, soll das in Zukunft business as usual sein.

Horn soll der "letzte Schritt sein"

"Jedes Kind in Japan soll den Wunsch haben, beim SV Horn zu spielen", sagt er.

Oha. Während die Jung-Kicker im Land der aufgehenden Sonne im Moment noch von Manchester United, Real Madrid und Co. träumen, sollen sie in ein paar Jahren in Horn-Bettwäsche schlafen und sich nach einem Transfer ins Waldviertel sehnen?

"Wir haben vor drei Jahren angefangen in Japan Fußballakademien zu bauen, mittlerweile sind es über 50", verweist das Aushängeschild auf die Aktivitäten der Honda Estilo-Gruppe und erklärt: "Die Kinder dort brauchen große Träume und wir möchten, dass Horn ein Ziel für sie wird."

Dafür müsse der Klub natürlich noch wachsen, stellt Honda klar. Glaubt man seinen Worten, soll Horn aber nicht als Sprungbrett dienen, es soll ein High-End-Produkt werden. "Ich hoffe, dass der SV Horn nicht der erste Schritt für junge Japaner sein wird, sondern der letzte."

Standortvorteil Ausländerregelung

Warum ausgerechnet der SV Horn als zukünftiger Big-Player auserkoren wurde, ist die Frage, die sich so mancher stellt. Man habe lange nach einem Klub gesucht, mit dem man in Europa zusammenarbeiten könne, erklärt Honda und meint, dass es letztlich nicht einen speziellen Grund gab, der zur Entscheidung zugunsten der Waldviertler führte. Vielmehr sei es die Kombination mehrere Faktoren gewsen.

"Horn hat große Ambitionen sich zu entwickeln und aufzusteigen, die Motivation ist groß und das stimmt mit unseren Motiven überein", führt Honda etwa an.

Einen konkreten - und nicht unwesentlichen - Faktor gibt er dann aber doch preis. "Die Flexibilität in Österreich, was die Einbeziehung von ausländischen Spielern betrifft, war für uns ein großer Vorteil", sieht er bessere Bedingungen, als etwa in Deutschland oder Italien.

Allerdings solle man das nicht missverstehen. "Die österreichischen Spieler sind die Basis und es ist unsere höchste Priorität, diese Spieler weiterzuentwickeln", stellt Honda klar. Er sieht es aber als Aufgabe, Möglichkeiten zu finden, "wie wir die japanischen Spieler hier integrieren können. Wir wollen mit österreichischen und japanischen Spielern arbeiten und internationaler werden. Es kann auch sein, dass irgendwann die halbe Mannschaft aus Japanern besteht."

Horn günstiger als die Konkurrenten?

Dieser Ansatz mag den Standort Österreich erklären, allerdings nicht, warum sich Horn gegen Klubs mit weitaus mehr Strahlkraft und Reputation durchsetzen konnte. Die Vienna, der Wiener Sportklub, Wacker Innsbruck und SKN St. Pölten sollen sich ebenfalls im Blickfeld der Japaner befunden haben.

Ein Grund dürfte sein, dass man mit der Fanbasis der restlichen Klubs wohl zu kämpfen gehabt hätte. Es sei vermutlich die billigste der fünf Möglichkeiten gewesen, lautet die Erklärung der Horner Anhänger, die sich in überschaubarer Zahl eingefunden haben, um Honda zu begutachten. Die, die da sind, sind aber begeistert und trauen dem Projekt viel zu.

 

Es gäbe bereits Überlegungen, das Stadion zu drehen, weil man mehr Platz benötigen würde, sollte man wirklich Bundesliga spielen, erzählt man sich.

Nach dem Abstieg in die Regionalliga, der von den Fans durchwegs als unnötig erachtet wird, ist der Weg ins Oberhaus aber noch weit. Die Mannschaft der letzten Saison hätte deutlich mehr Potenzial gehabt, die Einstellung sei aber nicht bei jedem immer top gewesen, so der Tenor.

Honda will "streng bleiben"

Das soll sich nun ändern. "Never give up", lautet Hondas Motto und das müsse jeder in Horn, auf und abseits des Platzes, gemeinsam leben. "Das ist das Wichtigste", meint er und beharrt darauf, dass alles möglich ist.

"Wenn ich jetzt mit dem Team rede, dann verlange ich viel. Es kann sein, dass die Spieler glauben, was ich sage, sei völlig unmöglich", schildert er, "aber ich denke, dieses Team hat die Kraft und Motivation nach oben zu kommen und deswegen will ich streng bleiben und immer mehr fordern. Ich denke, dass das Potenzial der Mannschaft noch nicht ausgereizt ist", ist er sich sicher.

Neo-Trainer Hans Kleer soll nun gemeinsam mit seinem Team das Optimum aus der Mannschaft herauskitzeln. "Wir hatten vor ein paar Tagen ein Meeting. Seine Spielphilosophie sehe ich sehr positiv", genießt der 45-Jährige Hondas vollstes Vertrauen.

Honda bringt sich aus der Ferne ein

Eine offizielle Position hat Keisuke Honda beim SV Horn nicht inne. "Meinen Namen werden Sie sie nirgendwo finden", versichert er. Allerdings sorgen seine zahlreichen Vertrauten dafür, dass im Waldviertel nach seinen Vorstellungen gerabeitet wird.

"Wir haben viele Mitarbeiter unseres Unternehmens, die hier arbeiten und wohnen werden. Das sind Leute, die meine Philosophie sehr gut verstehen und wir werden uns regelmäßig austauschen", sagt er, "die Kommunikation zwischen Italien und Horn soll eine ständige sein, ich will mich mit meiner Erfahrung und meiner Philosophie in allen Fragen einbringen."

Dennoch sind weitere Besuche des vielbeschäftigten Stars nicht ausgeschlossen. "Horn ist eine schöne Stadt, die Menschen sehr nett. Ich fange an, Horn zu lieben", schmeichelt er der rund 6.500 Einwohner zählenden Bezirkshauptstadt. "Wenn ich frei habe, möchte ich gerne wieder hierher kommen", macht er den Hornern Hoffnungen, weitere Urlaubstage bei ihnen zu verbringen.

Vorerst ein Fünfjahres-Projekt

Dass es sich dabei um keine leeren Worte handelt, verdeutlicht der 29-Jährige mit dem Vorhaben, Horn auch abseits des Fußballs pushen zu wollen: "Wir möchten die Stadt noch lebhafter machen und auch japanische Touristen hierher bringen."

Sein Engagement beim SV Horn ist vorerst mittelfristig angelegt. "Wir fangen mit einem fünfjährigen Projekt an. Am Ende davon wollen wir ein Verein sein, von dem die Leute nicht nur in Österreich, sondern auch international denken: Die haben es geschafft."

Dieses Ziel soll schrittweise erreicht werden. Dass alles sofort klappe, könne man nicht erwarten. "Ich glaube aber, dass nichts unmöglich ist", sagt Honda und konkretisiert: "Unser großes Ziel ist es, in die Erste Liga und dann in die Bundesliga aufzusteigen."

 

Christoph Kristandl

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