"Bundesligafähiger" FAC will Salzburg überraschen

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47 Jahre ist es her, dass der Floridsdorfer Athletiksport-Club aus dem 21. Wiener Gemeinde-Bezirk letztmals zweitklassig spielte. 1967, als es darüber nur die Nationalliga gab, stieg der FAC jedoch als Vorletzter der Regionalliga Ost sang- und klanglos in die Wiener Liga ab.

In der kommenden Woche strebt der Klub im 110. Jahr seines Bestehens die Rückkehr auf die landesweite Fußball-Bühne an. Der Meister der abgelaufenen Ostliga-Saison matcht sich in der Relegation mit Regionalliga-West-Primus Austria Salzburg um den Aufstieg in die Erste Liga.

"Wir haben Epochales erreicht", wollte Obmann Walter Brand seine Euphorie im Vorfeld des Hinspiels am Montag (19 Uhr) vor eigenem Publikum nicht verbergen. "Trainer Hans Kleer hat in zweieinhalb Jahren ein Meister-Team geschnitzt. Das ist sensationell."

Unverhofft kommt oft

Dabei hatte man noch im vergangenen Sommer einige Routiniers ziehen lassen und das Team einmal mehr verjüngt. Das große Ziel, der Meister-Titel, der laut des eigens entwickelten "Drei-Jahres-Plans" in der nächsten Saison angestrebt werden sollte, wurde vermeintlich hinten angestellt. Stattdessen sollte in die Infrastruktur am und um den FAC-Platz investiert werden.

Doch es kam anders. Die Floridsdorfer setzten sich im oberen Tabellen-Drittel fest, kamen schließlich in einen Lauf und sicherten sich den Herbstmeister-Titel. „Damit änderte sich unsere Zielsetzung, gleichzeitig aber auch die Erwartungshaltung von Fans und Medien“, erinnert sich der frühere Austria-Lustenau-Coach Kleer.

Der nunmehrige Meisterschafts-Favorit ließ sich deshalb im Frühjahr nicht lumpen und heimste schlussendlich mit sieben Punkten Vorsprung auf die Austria Amateure den Ostliga-Titel ein.

„Wir sind bundesligafähig“

Doch nicht nur auf die sportlichen Errungenschaften blickt man beim FAC dieser Tage gerne zurück. Jüngst erhielt der Klub in erster Instanz die Bundesliga-Lizenz, wenn auch unter einigen Auflagen. Unter anderem muss der Klub im Falle eines Aufstiegs stärkeres Flutlicht, Kommentatoren-Plätze und einen fixen Gäste-Sektor installieren.

Da dies einige Zeit in Anspruch nimmt, ist nicht sicher, ob eine eventuelle Erste-Liga-Premiere der Floridsdorfer am FAC-Platz in der Hopfengasse stattfinden würde. Das Happel-Stadion wurde pro forma reserviert.

"Die Erteilung der Lizenz bedeutet, dass wir als einer der besten Klubs Österreichs angesehen werden und wirtschaftlich und organisatorisch gewappnet sind", ist Brand stolz. „Wir sind Bundesliga-fähig!“, unterstreicht der Funktionär.

Eine erste Bewährungsprobe bietet sich schon am Montag, wenn das mit 3100 Zuschauern restlos ausverkaufte Stadion aus allen Nähten platzen wird. Für die Kulisse mitverantwortlich ist selbstredend der Anhang der Salzburger Austria. Nicht weniger als 1000, anstatt der vorgeschrieben 310 Tickets, stellten die Klub-Führung der Wiener dem Gastverein zur Verfügung.

Der FAC bejubelte den Meister-Titel in der Regionalliga Ost

Nadelstiche

Die Akteure auf dem Rasen werden aber gewiss keine Geschenke verteilen, obwohl, laut Kleer, die Mozartstädter als Favorit ins Relegations-Duell gehen.

„Salzburg ist vor allem spielerisch eine Top-Mannschaft, gespickt mit gestandenen Spielern, die schon Bundesliga gespielt haben“, weiß der 44-Jährige, der die Austria beim 3:0-Erfolg gegen Hard am vergangenen Donnerstag beobachtete. 

Eine Einschätzung des Gegners fällt aber ebenso schwer wie ein Vergleich der beiden Regionalligen. „Vielleicht ist das Gefälle in der Westliga höher als bei uns“, mutmaßt Kleer. Salzburg bewege sich oberhalb des Niveaus der Liga. „Wir wurden Woche für Woche gefordert, Salzburg nicht“, ortet Kleer einen Vorteil.

„Genau das müssen wir im Heimspiel schaffen“, kennt er das Erfolgsrezept. „Wir werden Nadelstiche setzen, agieren und nicht reagieren. Ich hoffe nicht, dass wir Pampers brauchen."

Zu Null

Wie das gesamte Umfeld fiebern selbstredend auch die Aktiven dem Schlager entgegen. Nicht zuletzt aufgrund der besonderen Atmosphäre, die den FAC-Platz in ihren Bann ziehen wird und mit der die Gäste eher vertraut sind, als die Floridsdorfer Kicker. 

Auch deshalb bemühten sich Kleer und sein Team um eine gewohnte Match-Vorbereitung. „Es wird nichts umgedreht, wir behalten unsere Routinen bei“, sieht Kleer keinen Grund für Veränderungen. Seine Schützlinge absolvierten exakt 24 Stunden vor Anpfiff die abschließende Trainings-Einheit – wie immer. „Der Mensch ist ein Gewohnheits-Tier und im Auswärtsspiel (am Donnerstag, Anm.) wird dann ohnehin vieles anders sein.“

Deshalb sei eine gute Ausgangslage wichtig. Das Wunschergebnis? „Kein Gegentor kassieren, aber natürlich wäre ich mit einem 3:1-Sieg auch zufrieden“, sagt Kleer.

Salzburgs Fans sorgen für die Stimmung

Fahrrad-Helme können zuhause bleiben

Salzburg und vor allem seine Fans werden etwas dagegen haben. Beim FAC war man bis zuletzt übrigens davon überzeugt, dass alles problemlos über die Bühne gehen wird.

Auch Kleer bereiten die 1000 Salzburg-Anhänger hinter der Betreuer-Bank keine Sorgen. „Das Trainer-Team hat sich schon Radhelme gekauft“, sagte der Trainer im Scherz. Und im Ernst: „Die Fans werden für eine einmalige Atmosphäre sorgen.“ 

Für Anfeindungen gibt es auch überhaupt keinen Grund, denn eine gemeinsame Geschichte oder Rivalität zwischen den beiden Vereinen sucht man vergebens. Lediglich dreimal trafen der FAC und Austria Salzburg bislang aufeinander. 2001 setzten sich die Violetten in der 2. Cup-Runde 2:0 durch.

Ansonsten datieren die einzigen Aufeinander-Treffen aus der Staatsliga-Saison 1953/54. Der FAC siegte im Heimspiel 3:1 und verlor auswärts 2:3. Ergebnisse, die anno 2014 zum Aufstieg reichen würden.

 

Kevin Bell

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