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"Vom ersten Tag Mythos und Leidenschaft gespürt"

92 Tore in 114 Einsätzen. Torschützenkönig der Regionalliga West in drei aufeinanderfolgenden Saisonen.

Seit Marko Vujic im Sommer 2010 zu Austria Salzburg wechselte, ist er der erfolgreichste Stürmer des neuen Regionalliga-West-Meisters.

Der 30-Jährige trägt mitunter auch deswegen die Kapitänsschleife.

Nach dem Titel will Vujic, der fünf Spiele an Bundesliga-Erfahrung vorzuweisen hat, seinen Verein zum nächsten Erfolg führen.

Nach den beiden Relegationsspielen gegen Ostliga-Champ FAC soll die Austria aus Salzburg nach nur neun Saisonen in der Ersten Liga und damit im bezahlten Fußball spielen.

Im Interview mit LAOLA1 spricht Vujic über seine bisherige Karriere, die Entwicklung der Austria und die Zukunft.

LAOLA1: Du bist seit vier Jahren bei der Austria. Wie verlief die Entwicklung in deinen Augen?

Marko Vujic: Es war phasenweise einzigartig, auch schon in den ersten Jahren, die ich nur aus der Ferne mitbekommen habe, als man sich durch die unteren Ligen im Eiltempo durchgekämpft hat. In der Regionalliga ist man einfach an einem Punkt angekommen, an dem man wusste, dass es bis zum nächsten Schritt in den Profifußball länger dauern könnte. Die Entwicklung war kontinuierlich, besonders wenn ich an die Fortschritte der jungen Burschen wie Fabio Strauss oder Nicholas Mayer denke. Es ist langsam gewachsen, auch organisatorisch und infrastrukturell hat man Jahr für Jahr kleine Schritte nach vorne gemacht. In dieser Saison hat nun alles zusammengepasst. Der Verein hat im Hintergrund akribisch an den Formalitäten mit dem positiven Lizenzierungsbescheid gearbeitet. Wir als Mannschaft haben unsere Hausaufgaben gemacht und sportlich überzeugt, deswegen dürfen wir die Aufgabe der Relegation überhaupt erst angehen.

LAOLA1: Bei einem für euch positiven Ausgang hätte man es innerhalb von neun Jahren in den Profifußball geschafft. Kannst du Vergleiche mit deinen früheren Vereinen ziehen, die zum Teil wesentlich größer waren?

Vujic: Bei der Austria habe ich vom ersten Tag an den Mythos und die Leidenschaft gespürt. Die Leute nehmen Woche für Woche Mühen auf sich, reisen aus ganz Österreich zu den Spielen an. Selbst nach dem Untergang haben sie die Austria nicht vergessen und die Liebe zum Verein behalten. Die Fans waren ein ganz wichtiger Faktor in der Aufbauphase, auch weil finanziell geholfen wurde. Mittlerweile ist man im Sponsorenbereich auf einem guten Weg. Man bekommt es von außen vielleicht nicht so mit, aber man darf nicht vergessen, wie viel ehrenamtliches Engagement im Spiel ist, das nur aus Liebe zum Verein geschieht. Bei meinen bisherigen Klubs wurde das alles von hauptberuflich angestellten Menschen gemacht. Umso bemerkenswerter ist der bisherige Weg hier.

LAOLA1: Du warst schon einmal Regionalliga-Meister – ausgerechnet mit den Red Bull Juniors.

Vujic: Das war eine Gegenwelt. Selbst in der vermeintlichen Amateurmannschaft waren fast nur Profispieler, von denen die meisten mittlerweile in der Bundesliga spielen. Unser Trainer beim Aufstieg war Thorsten Fink – ein nicht gerade Unbekannter mit einer tollen Vita. Der Erfolg war fast eine Pflicht, das ist mit der Situation bei der Austria kaum zu vergleichen.

LAOLA1: Warum hast du damals keine Perspektiven bei Red Bull gesehen und bist weitergezogen?

Vujic: Es hat sportlich einfach nicht gereicht. Giovanni Trapattoni war Trainer der Kampfmannschaft, ich hatte zwei durchaus erfolgreiche Jahre mit den Juniors in der Ersten Liga. Meine Torquote war nicht schlecht, aber in Trapattonis System mit dem überragenden Alexander Zickler hatte man es als Junger nicht leicht, da es nicht unbedingt die Philosophie war, Nachwuchsspieler einzubauen. Der sofortige Erfolg – Meisterschaft, Champions League – stand im Vordergrund. Ich habe gesehen, dass es nichts bringt und mich umorientiert.

Die andere Seite erlebt: Vujic trug von 2006 bis 2009 das Red-Bull-Trikot

LAOLA1: Wie bist du mit diesem Hintergrund von den Austria-Fans aufgenommen worden?

Vujic: Eigentlich überragend. Es war im Vorfeld sicher Skepsis von Fanseite da – von meiner nicht. Ich habe für jeden Verein, bei dem ich war, alles gegeben, und mit diesem Gedanken bin ich auch zur Austria gekommen. Mein zweites Spiel war gleich gegen die Juniors in Maxglan – es war ein unglaubliches Spiel, für mich vielleicht sogar das emotionalste, das ich hier jemals erlebt habe. Wir haben gewonnen, und ich habe das Glück gehabt, beide Tore zu schießen. Damit haben sich die vielleicht vorhandenen Zweifel in Luft aufgelöst und ich bin bei der Austria angekommen.

LAOLA1: Zwischen den beiden Engagements in Salzburg hast du noch einen kurzen Ausflug nach Griechenland gemacht. Was hast du im Ausland für Erfahrungen gemacht?

Vujic: Rückblickend hat es mir sportlich nichts gebracht. Es war eine turbulente Zeit, kurz vor der Wirtschaftskrise – das hat man schon gespürt. Griechenland ist im Fußball dafür bekannt, dass mit der Bezahlung nicht immer alles klappt. Privat war es hingegen eines der schönsten Jahre, das ich und meine Freundin erlebt haben. In einer Metropole am Meer zu leben, war schon immer etwas Reizvolles für mich. Ich verbringe gern Zeit im Süden. Summa summarum möchte ich die Zeit daher nicht missen.

LAOLA1: Sportlich war für dich der Weg zurück in die Regionalliga, den du nach einer kurzen Zeit beim LASK angetreten hast, also kein Rückschritt, sondern logische Konsequenz?

Vujic: Man muss irgendwann ehrlich zu sich selbst sein. Man bleibt ja auch nicht ewig 18 Jahre alt. Leider sind wir mit dem LASK abgestiegen, und für mich hatte es keinen Reiz, in der zweiten Liga Profifußball zu spielen. Ich habe zu mir selbst gesagt: Okay, es reicht einfach nicht. Dann habe ich mein Studium begonnen und in der Regionalliga angefangen, in dem Umfeld von Salzburg, in dem ich mich wohl fühle. Ich habe versucht, ein zweites Standbein aufzubauen (Vujic ist Teilhaber einer Sportmarketing-Agentur, Anm.), trotzdem bei einem tollen Verein zu spielen, und meinen Teil auf dem Weg nach oben beizutragen. Jetzt fehlt nur noch ein kleiner, aber der wichtigste Schritt.

LAOLA1: Und wenn dieser Schritt gelingt, würde wieder die Erste Liga warten, die beim LASK keine Option für dich war. Würdest du den Weg in dem jetzigen Umfeld lieber mitgehen?

Vujic: Eine Option ist es sicherlich, aber man muss es abwägen. Ich bin beruflich sehr eingespannt, das ließ sich bis jetzt gut vereinbaren. Ich bin aber jemand, der keine halben Sachen macht, sprich: Entweder wir finden eine Möglichkeit, dass ich trotzdem weiter so erfolgreich spielen kann, oder wir müssen sagen: Es war eine schöne Zeit, und ich muss mich anders orientieren. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Reise mit der Austria weitergeht.

LAOLA1: Haben die Gespräche schon begonnen, auch wenn die Relegation erst bevorsteht?

Vujic: Man ist ständig im Gespräch, aber wir sind auch in der Situation, einen neuen Trainer zu bekommen, der natürlich Mitspracherecht hätte. Mit dem muss man sich auch erst zusammensetzen, weswegen sich das jetzt in die Länge ziehen wird.

LAOLA1: Hast du angesichts deiner beruflichen Situation auch noch konkrete sportliche Ziele – und sei es nicht bei der Austria?

Vujic: Ich sehe mich eigentlich nicht am Fußballplatz, bis ich 35 bin. Aber wir sind in einer wichtigen Phase, in der ich den Weg auch in den bezahlten Fußball durchaus wieder mitgehen könnte. Das ist immer noch ein Ansporn. Allein beim Gedanken daran, was am 5. Juni in Maxglan bei einem Aufstieg möglich sein könnte, lohnt es sich schon, sich den Allerwertesten aufzureißen.

LAOLA1: Rückblickend ist die Saison außergewöhnlich gut für euch gelaufen, außer Wattens konnte keine Mannschaft Schritt halten. Warum hat es diesmal so viel besser funktioniert, als in den Jahren zuvor?

Vujic: Da laufen ein paar Faktoren zusammen: Neben dem guten Kader hat es der Trainer auch geschafft, das System so zu gestalten, dass sich jeder Einzelne von der besten Seite präsentieren kann. Dazu haben wir akribisch gearbeitet, gut trainiert und uns phasenweise in einen richtigen Lauf gespielt. Ich habe immer gewusst: Wenn wir es mit unserem Kader permanent schaffen, unsere Leistung zu bringen, wird es jeder schwer haben. Wie man gegen Wattens gesehen hat, muss das aber immer funktionieren.

LAOLA1: War das 0:2 gegen Wattens, die erste Saisonniederlage am vorletzten Spieltag, eine Warnung zum richtigen Zeitpunkt?

Vujic: Das kann man so nicht sagen, es gibt nie einen guten Zeitpunkt für eine Niederlage. Wir hätten die Saison gerne ungeschlagen beendet, aber die Gründe hat man gesehen. Wir haben an dem Tag als Mannschaft nicht funktioniert und es nicht geschafft, unsere Leistung abzurufen. Die schnelle Führung hat ihnen in die Karten gespielt. Wir haben das analysiert und werden mit den richtigen Schlüssen ins erste Relegationsspiel gehen.

LAOLA1: Und falls das Ziel erreicht wird – denkst du, die Austria wäre in der Ersten Liga konkurrenzfähig?

Vujic: Wenn es dem Verein gelingt, die Mannschaft zusammenzuhalten, könnte man sich auf jeden Fall oben halten. Es ist auch wichtig, dass man am Boden bleibt und die Erwartungshaltung nicht zu hoch ist, denn es ist eine große Umstellung von der Regionalliga. Punktuelle Verstärkungen werden schon notwendig sein, weil die Spiele intensiver werden und man mehr Breite im Kader benötigt. Es ist trotzdem schade, dass unser aktueller Trainer Miro Polak geht, denn er hat einen großen Anteil am Erfolg.

LAOLA1: In der Ersten Liga würde man auf Liefering treffen...

Vujic: Nicht nur das, auch auf Wacker Innsbruck und vielleicht den LASK. Es tut dem österreichischen Fußball sicher gut, wenn solche Traditionsvereine wieder aufeinandertreffen – besonders, was die Zuschauerzahlen in den direkten Duellen betrifft.

 

Das Interview führte Johannes Bauer

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