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"Austria Klagenfurt gehört in die Bundesliga"

Klagenfurt und Fußball. Normalerweise braucht es hier nicht einmal mehr eine Pointe.

In Österreichs südlichster Landeshauptstadt soll nach fünf Jahren wieder ein Verein Profi-Liga-Luft atmen.

Die Klagenfurter Austria ist auf dem besten Weg, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Als Regionalliga-Mitte-Meister ist der Verein nur mehr einen Schritt von der Bundesliga entfernt. Doch sind die Ziele bei den Verantwortlichen eigentlich höher.

Gegner im Kampf um den Platz in der Ersten Liga ist der SC Parndorf. Das dramatische Hinspiel der Relegation gegen die Burgenländer haben die Kärntner 1:2 verloren, im Rückspiel (Di., 19:20 Uhr, im Klagenfurter Wörthersee-Stadion) wollen sie die Sache noch drehen.

LAOLA1 nimmt Austria Klagenfurt unter die Lupe, beleuchtet Mannschaft, Trainer, Verein und den deutschen Geldgeber.

Prominenter Trainer

Aus Sicht der Kärntner soll in der Weiterentwicklung des Vereins der nächste Schritt folgen. Dafür kann ein bekanntes Gesicht sorgen. Manfred Bender sitzt seit Herbst 2014 auf dem Cheftrainer-Sessel der Klagenfurter.

Der gebürtige Münchner bringt viel Erfahrung mit. Als Aktiver spielte der 42-Jährige 228 Bundesliga-Partien in Deutschland für den FC Bayern, mit dem er auch zweimal Meister wurde. Weitere Stationen des Mittelfeldspielers waren 1860 München und der Karlsruher SC.

Als Trainer kann Bender bereits einige Stationen vorweisen: Im Frühjahr 2006 übernahm er den 1. FC Vöcklabruck und bewahrte den Klub vor dem Abstieg aus der Regionalliga. Im darauffolgenden Jahr führte er das selbe Team zum Herbstmeistertitel.

Am 14. Juni 2010 zieht die neugegründete Austria ins Stadion ein

Bender wurde plötzlich auch für andere Vereine attraktiv. So kam es in der Saison 2007/08 zum Wechsel in die höchste Spielklasse, wo er von Juni 2007 bis Jänner 2008 den SCR Altach betreute. 2010 übernahm er das Amt des U20-Co-Trainers von Nigeria und gewann prompt den Afrika Cup in dieser Altersklasse.

Wirtschafts-Chaos Kärnten

Allein der Trainer ist es jedoch nicht, der die Austria dahin brachte, wo sie heute steht. In das Umfeld ist nach vielen internen Krisen und Machtkämpfen Ruhe eingekehrt. Noch 2011 stand der Regionalligist, der 2010 durch eine Kooperation mit St. Stefan/Lavanttal neu gegründet wurde, wirtschaftlich vor dem Aus.

Punkte-Prämien und Spieler-Gehälter konnten über Monate nicht gezahlt werden. Der damalige Präsident Matthias Dollinger senior (Vater von Ex-Nationalspieler Matthias, der zur selben Zeit bei der Austria unter Vertrag stand) lobte noch das Engagement der Akteure, die hinter dem Verein standen und wochenlang auf ihr Geld verzichteten.

Selbst das "Schmuckkästchen" Wörthersee-Stadion beziehungsweise die verwaltende Sportpark GmbH forderte Zahlungen für längst fällige Instandhaltungsarbeiten und Mietbeträge ein. Alles deutete auf einen wiederholten Neuanfang hin. Doch im Oktober 2011 kam es zum Führungswechsel beim wiederbelebten Kärntner-Traditionsklub.

Das Svetits-Comeback

Die Verkündung des neuen Präsidenten verursachte ein Rauschen im Blätterwald, ist doch Peter Svetits kein unbeschriebenes Blatt im österreichischen Fußball. Ganz im Gegenteil.

Gegen den ehemaligen GAK und Austria Wien-Manager sind zurzeit einige gerichtliche Verfahren am Laufen. Doch das ist eine andere Geschichte...

Weiters übernahmen ehemalige Vereinsgrößen (Matthias Dollinger jun., Heimo Vorderegger oder Roman Stary) wichtige Funktionen im Klub, um als Identifikationsfiguren des Klagenfurter Fußballs zu dienen. Es kam zur Aufstellung eines professionellen Trainerstabes, der den Wiederaufstieg in die Bundesliga garantieren sollte.

Ex-Bundesligakicker Sandro Zakany, Manuel Wallner, Christian Prawda

Drehtüre am Spielersektor

Doch erneut scheiterte es an der Umsetzung. Svetits drohte in den Folgejahren mehrmals mit seinem Rücktritt, da er teilweise Rechnungen aus der eigenen Tasche bezahlen musste.

Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider versprach finanzielle Unterstützung, die jedoch ausblieb, und zu guter Letzt zerstritten sich Svetits und Strippenzieher Dollinger sen. ("Mit Svetits ist die Austria tot!"). Von einer Kontinuität im Lager der Violetten durften die Anhänger nur träumen.

Neben dem ganzen Hick-Hack um den Vereinsboss konnte sich auch am sportlichen Sektor wenig entwickeln. Viel zu oft wurde der Stecker gezogen und eine teils eingespielte Mannschaft wieder komplett umgestellt. In den vergangenen fünf Jahren verließen nach einer Saison im Schnitt bei 21 Neuverpflichtungen 18 Spieler den Klub.

Alles auf Null

Seit 2014 lässt sich aber langsam eine Strategie der Vereinsführung erkennen. Alt-Stars, Vereinslegenden und ehemalige altgediente Bundesliga-Profis wurden aussortiert und ein neuer Weg eingeschlagen. Vor allem auf Kärntner Kicker und Nachwuchsspieler aus der umliegenden Region (Slowenien, Kroatien) legt man mehr Wert.

Die aktuelle Mannschaft ist gespickt mit einer Handvoll starker slowenischer Akteure, die sich in der Regionalliga schon über die Jahre etablieren konnten, wie der 24-jährige Rajko Rep, der mit 16 Toren und zehn Assists zum Topscorer der Klagenfurter avancierte. Hinzu kommen ehemalige Erste-Liga und Bundesliga-Profis wie Manuel Wallner, Christian Prawda, Sandro Zakany, Ali Hamdemir und Bartolomej Kuru.

Hilfe aus Deutschland

Unterstützung bei Spielerverpflichtungen bietet seit Sommer 2014 die Hanseatische Fußball Kontor GmbH (HFK). Wer steckt dahinter?

Auf ihrer Homepage wird um Anleger geworben, "die an den Entwicklungen des profitablen und Rendite-starken Fußballmarktes teilhaben wollen". Die Mindestzeichnungssumme liegt bei 10.000 Euro. Dafür werden den privaten Anlegern Zinsen ab sechs Prozent in Aussicht gestellt. Mit diesem Kapital beteiligt sich das Hanseatische Fußball Kontor an Vereinen bzw. finanziert Vereine - national und international. Konkret kann sich der HFK entweder am Gehalt des Spielers beteiligen, dafür für Liquidität beim Verein sorgen und dann im Fall eines Vereinswechsels an der Verkaufssumme partizipieren.

Im Fall der Austria Klagenfurt wird der Verein finanziell beim Einkauf von Fußballern unterstützt und Kontor erhält im Gegenzug einen prozentuellen Anteil am nächsten Transfer der Profis.

Die fußballerische Blutauffrischung spiegelte sich prompt im Kader wieder. Nahezu ein Dutzend neuer Spieler engagierten die Klagenfurter für die Meisterschaft 2014/15. Alle im besten Fußballeralter und mit der Lust auf Titel.

"Wahnsinn, wie stark der Kader ist"

"Es ist ein Wahnsinn, was für einen starken Kader wir heuer eigentlich haben. Viele Spieler haben ihr Können schon in höheren Ligen oder im Ausland unter Beweis gestellt. Die Chance, in die Erste Liga aufzusteigen, war noch nie so groß", findet Spielmacher Sandro Zakany.

Der Mann mit der Rückennummer 10 ist Spielgestalter bei der Austria. Mit seinem Heimatverein will der 28-jährige Ex-Bundesliga-Profi (LASK, Admira, WAC) wieder den Weg zurück ins Fußball-Oberhaus finden. "Der Regionalliga-Meistertitel war schön, aber wir wollen mehr", kündigt Zakany an.

So richtig konnte im violetten Lager nach dem Meistertitel aber nicht gefeiert werden. Immerhin steht die wichtigste Partie der Saison bekanntlich noch auf dem Programm.

"Wir wissen, dass wir mit der Relegation erst einen kleinen Teil erreicht haben. Wir müssen daher weiter konzentriert bleiben, um am Ende der Saison als ganz großer Sieger dazustehen", weiß Stammspieler und Ex-Bundesliga-Profi Manuel Wallner.

Die Chance lebt

Ein Aufstieg in die Erste Liga würde neue Sponsoren und Gelder an Land ziehen, die man dringend benötigt.

Die Klagenfurter Verantwortlichen wollen den Ball flach halten. "Wenn wir den Aufstieg nicht schaffen, dann werden wir enttäuscht sein, können aber immer noch von einer erfolgreichen Saison sprechen", meint Pressesprecher Christian Rosenzopf.

"Ein Traditionsklub wie die Austria Klagenfurt gehört in die Bundesliga", ist Präsident Svetits überzeugt und fügt hinzu: "Die Stadt, die Fans und das Land brauchen eine starke Austria. Unser Ziel ist es, in zwei bis drei Jahren in der Bundesliga zu spielen."

Die Masterfrage                                               

Irgendwie klingt alles sehr positiv. Der Verein befindet sich in ruhigerem Fahrwasser, die Gehälter werden pünktlich gezahlt (Zakany: "Am Ersten des Monats ist das Geld da!") und sportlich stehen die Zeichen auf Aufstieg. Doch so ganz möchte man dem Braten nicht trauen.

Zuviel ist in der Klagenfurter Fußball-Geschichte schon passiert, um sich frühzeitig über Erfolge zu freuen. Die Chancen ins Profi-Business einzusteigen, sind heuer jedenfalls so groß wie noch nie.

Paul Preisig

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