"Mit ihnen ist so viel möglich"

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"Wir werden trotz allem noch unterschätzt"

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"Ein fantastischer Kader", merkte etwa Neustadt-Manager Günther Kreissl an.

Ähnlich dachten wohl auch sein Trainer Heimo Pfeifenberger, Kapfenberg-Coach Klaus Schmidt oder Ex-ÖFB-U21-Teamchef Manfred Zsak, heute U19-Übungsleiter.

Wie Werder-Trainer Thomas Schaaf die österreichische U21-Auswahl einschätzt, ist nicht bekannt, jedoch hat auch der Deutsche den Weg auf sich genommen, um die Mannschaft von Werner Gregoritsch beim 1:0 gegen die Slowakei zu begutachten.

Die seit Herbst neuformierten ÖFB-Fohlen, die das Ziel EM 2015 in Tschechien im Visier haben, gewannen das Testspiel gegen den Nachbarn in Unterzahl und sind seit nunmehr fünf Spielen ungeschlagen (zum Spielbericht).

Am Montag wartet in Brighton mit England ein harter Brocken, steht doch der um zwei Jahre ältere Kader gegenüber, der bei der EM 2013 in Israel dabei sein wird.

Im Interview mit LAOLA1 spricht Werner Gregoritsch über die Qualitäten seines Kaders sowie seinen Input als U21-Teamchef.

LAOLA1: In Unterzahl zu gewinnen, zieht wohl so oder so ein gutes Fazit nach sich.

Werner Gregoritsch: Die ersten zehn Minuten waren gut, wir haben gut begonnen und eine gute Chance gehabt. Dann ist unser Spiel überraschend ein wenig schlechter geworden, weil wir auch zu viel mit Spitze, Hacke und so weiter agiert haben. Das hat nicht funktioniert, wir haben zu filigran gespielt, was nicht unser Stil ist. Wir haben das in der Pause angesprochen, der Ausschluss war dann auch ein Knackpunkt. Zudem haben die Einwechselspieler wie Zulj, Ritzmaier oder Tobias Kainz ihre Qualitäten so eingebracht, dass die Mannschaftsleistung gehoben wurde. Wir hatten bessere Aktionen als in der Gleichzahl. Das war für mich auch ein Zeichen, dass in der Mannschaft sehr viel drinnen steckt. Dafür muss eben auch die Einstellung passen, man muss in die Zweikämpfe gehen.

LAOLA1: Sie arbeiten schon seit längerer Zeit mit dem "neuen" Kader. Welchen Eindruck haben Sie?

Gregoritsch: Wir haben an die 30 Spieler, die aus der Bundesliga, Ersten Liga kommen und natürlich Legionäre, die einfach die Qualität haben, etwas Besonderes zu leisten. Das müssen wir einfach umsetzen. Und man sieht auch, dass über den Kampf, die Leidenschaft, die Kompaktheit und die Organisation etwas zu bewegen ist - auch in Unterzahl. Und das ist die größte Lehre aus der Geschichte dieses Spiels.

LAOLA1: Handelt es sich um einen qualitativ besseren Kader als den vorherigen?

Gregoritsch: Das kann man so nicht sagen. Aber eines ist klar, es sind jetzt natürlich sehr viele Spieler vom 92er-Jahrgang dabei, wo die Früchte der Akademien schon sehr zum Tragen kommen. Das sind Profis, das merkt man. Die Mannschaft ist eine Einheit und es gibt da auch keinen Abfall. Es ist super, du kannst von der Bank Spieler bringen, die sich nahtlos einfügen. Die Mannschaft verliert dabei aber nicht an Qualität.

LAOLA1: Am Montag wartet mit England ein echter Prüfstein.

Gregoritsch: Auf jeden Fall. Das ist die Mannschaft, die im Juni an der EM teilnehmen wird, also die "alte" Truppe, die zwei Jahre älter ist als wir. Aber wenn mein Team kämpft und rackert, dann ist sehr viel möglich.

LAOLA1: Ist Ihr Kader reif für die erstmalige Teilnahme einer österreichischen U21-Nationalmannschaft an einer EM? Ist dies das klar erklärte Ziel?

Gregoritsch: Unser Ziel ist es, sich zu qualifizieren und zumindest einmal als Zweiter in die Playoffs zu kommen. Mit dieser Mannschaft ist so viel möglich. Es muss natürlich alles passen. Gegen eine Mannschaft wie Spanien (Anm.: neben Bosnien-Herzegowina, Ungarn und Albanien Quali-Gegner) musst du natürlich leidenschaftlich und organisiert sein, aber auch dementsprechend Fußball spielen. In diesem Sport ist alles möglich und ich glaube, dass wir trotz allem international noch sehr unterschätzt werden.

LAOLA1: Sie sind etwas mehr als ein Jahr im Amt. Wie fällt Ihr persönliches Resümee als U21-Teamchef aus?

Gregoritsch: Mir macht es riesigen Spaß. Zwischendurch muss man natürlich mal ein paar harte Worte sagen, so wie in der Halbzeit gegen die Slowakei. Aber die Spieler nehmen das an, das ist sehr positiv. Generell ist es ein sehr schönes Arbeiten, weil sie sehr professionell und zum Teil noch sehr jugendlich und unverbraucht sind. Die Eigenmotivation ist sehr hoch. Und wenn man korrekt ist, aber trotzdem eine Linie fährt, dann kommt das bei der Mannschaft genauso an. Nur Lautstärke geht auch nicht, du musst sie überzeugen. Zudem muss die U21 eine Einheit sein, und das sind wir, das hat man auch gesehen, als wir uns nach dem Sieg im Kreis zusammengestellt haben.

LAOLA1: Die Zeit mit den Spielern ist immer eine kurze. Was wollen Sie den Spielern persönlich mitgeben?

Gregoritsch: Ich will ihnen nicht nur im fußballerischen, sondern auch im menschlichen Bereich etwas mitgeben. Ich bin ja nicht umsonst Pädagoge worden und war auch einmal ein junger Fußballer, der es in die Bundesliga und in die U21 geschafft hat. Den Sprung in die Nationalmannschaft habe ich nie geschafft, weil ich zu unprofessionell war, zu viel Lebensfreude gehabt habe. (lacht) Das will ich den Spielern eben anders vermitteln.

 

Das Gespräch führten Bernhard Kastler und Christian Eberle

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