Aufmacherbild

"Man muss Marcel Koller arbeiten lassen"

Andreas Herzog gehörte dieser Tage nicht zum ersten Mal zum Kandidaten-Kreis für die Besetzung des wichtigsten Trainer-Posten in Österreich.

Schon vor den Amtszeiten Karel Brückners und Didi Constantinis war der ehemalige Co-Trainer unter EURO-Coach Josef Hickersberger im erlesenen Kreis. Auch dieses Mal reichte es nicht.

„Ich bin nicht enttäuscht“, schildert der ÖFB-U21-Teamchef zur nicht stattgefundenen Beförderung.

Wie der 42-Jährige die Bestellung des Schweizers Marcel Koller und die kritischen Reaktionen sieht, ob der Wiener in dieser U21-EM-Quali zur vorangegangen etwas anders machen würde – LAOLA1 sprach mit dem Rekord-Teamspieler:

LAOLA1: Wie groß war die Enttäuschung über die Nicht-Bestellung als ÖFB-Teamchef?

Andreas Herzog: Enttäuscht bin ich nicht. Ich habe es geahnt und mir dieses Mal auch nicht so viel ausgerechnet wie vielleicht beim letzten Mal, wo ich ein wenig blauäugiger an die Geschichte herangegangen bin.

LAOLA1: Was sagst du zur Bestellung von Marcel Koller?

Herzog: Man muss ihn einmal arbeiten lassen, das ist das Wichtigste. Ich glaube schon, dass er seine Qualitäten hat. Es geht jetzt aber nicht um Koller oder jemand anderen, sondern um den österreichischen Fußball. Wir müssen uns verbessern und hier muss jeder helfen.

LAOLA1: Größen des österreichischen Fußballs, allen voran Herbert Prohaska und Kurt Jara, sehen die Bestellung kritisch und meinen sinngemäß, die Qualifikation Kollers hätte ein österreichischer Trainer auch gehabt. Wie sieht das der Rekord-Teamspieler?

Herzog: Ich glaube, da geht es weniger um die Person Koller, als mehr darum, dass sich die Leute mehr einen österreichischen Teamchef gewünscht hätten. Das ist aber die Entscheidung des Präsidiums, es wird das als beste Lösung sehen. Wir können nur hoffen, dass sie es ist. Man muss Marcel Koller aber jetzt einmal in Ruhe seine Arbeit anfangen lassen und nicht gleich vorverurteilen. Das wäre der falsche Weg. Er kann ja nichts dafür, er hat ja kein Verbrechen angestellt. Manchmal komme ich mir in Österreich so vor, als wäre ein Teamchef ein Schwerverbrecher. Didi Constantini ist am Anfang bejubelt worden, am Schluss wurde er nicht wie ein Fußball-Trainer, sondern wie ein Schwerverbrecher behandelt. Da hört sich der Spaß bei mir auf.

LAOLA1: Ist das nur in Österreich so?

Herzog: Es ist überall so. Der Respekt kommt immer mehr abhanden und das ist eine Tendenz, die auf Dauer immer schwieriger wird.

LAOLA1: Inwieweit wirst du als U21-Teamchef Koller dahingehend und in anderen Dingen zur Seite stehen?

Herzog: Klar, werde ich ihm zur Seite stehen, aber inwieweit, das muss man abwarten. Ich habe mich darauf auch noch nicht konzentriert, denn ich habe nun mit Holland und Schottland zwei schwere EM-Quali-Spiele vor mir. Ich habe das Ganze bislang mehr in den Nachrichten verfolgt, natürlich hat man auch darüber diskutiert, aber hauptsächlich ist es gerade mein Job, dass ich mit der U21 gegen Holland spiele. Das hat absolute Priorität.

LAOLA1: Du hast Daniel Royer verloren, weil im A-Team Verletzungspech herrscht. Glaubst du, manch ein Spieler erspart sich einfach die Reise nach Aserbaidschan und Kasachstan?

Herzog: Das glaube ich nicht. Ein neuer Teamchef ist jetzt auch da, da will sich wohl jeder aufdrängen und das nicht absichtlich auslassen.

LAOLA1: Wie konkurrenzfähig siehst du deinen nun vorhandenen Kader?

Herzog: Mit Georg Teigl und Royer habe ich zwei schnelle Außenstürmer verloren, aber das müssen wir eben kompensieren und vielleicht ein wenig umstellen. Es war in den letzten Spielen so, dass wir sehr viel Schnelligkeit in der Offensive hatten – das war unser Trumpf. Wir haben sie zwar immer noch, aber nicht so geballt, wie es mit den beiden wäre.

LAOLA1: Hast du aus der vorangegangenen Quali etwas mitgenommen, das du in dieser nun anders machst? Gibt es etwas, was du hättest besser machen können?

Herzog: Sicher hat es Situationen gegeben, in denen ich Fehler gemacht habe. Das weiß man aber vorher nie, etwa bei Einwechslungen, von denen man im Vorhinein überzeugt ist. Schlussendlich hat es dann nicht gepasst. Von der Grundidee täte ich es vielleicht wieder so machen. Gegen Weißrussland zu Hause habe ich etwa Nuhiu, der zwei Tore erzielte, ausgewechselt und in Summe zwei Konterspieler gebracht – nur sind wir damals zu keinem Konter mehr gekommen. Von der Grundidee ist es also normal, in so einer Situation schnelle Spieler zu bringen, aber es ist in die Hose gegangen und daher war es nicht die richtige Entscheidung. Gewisse andere Dinge kamen hinzu. Man muss immer wieder weiterlernen, egal in welchem Job. Hier lernt man von den früheren Spielen.

LAOLA1: Abschließend schließen wir den Kreis: Der ÖFB  will mit der neuen Teamchef-Bestellung gewährleisten, dass von Nachwuchs bis A-Team eine durchgängige Spielphilosophie herrscht.

Herzog: Ich denke, es wird nicht viel Unterschied zu meiner Philosophie sein. Darum werde ich in Zukunft kein Problem haben. Heutzutage gibt es auch nicht allzu viele Möglichkeiten, wichtig ist eben, dass ein Offensiv-Fußball zu spielen versucht wird. Das ist auch meine Philosophie und ich denke nicht, dass das der neue Trainer ändern wird. Jetzt haben wir doch auch in den Nachwuchs-Mannschaft versucht, uns spielerisch kontinuierlich weiter zu entwickeln. Das ist uns schon besser gelungen als in früheren Jahren und ich denke nicht, dass sich das komplett ändern wird – das wäre auch der falsche Weg.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Dann reden wir darüber und blicken zuerst zurück: Österreich hat die Quali knapp verpasst, etwa durch ein unnötiges Heim-3:3 gegen Weißrussland, das bei der EM-Endrunde 2011 den dritten Platz und damit ein Olympia-Ticket ergatterte. Wie bitter ist die Nicht-Qualifikation nachträglich?

Herzog: Wir hätten die Relegationsspiele leicht überstehen können. Zuvor haben wir eine 3:1-Führung  gegen die Weißrussen verspielt, dann Last-Minute das 1:2 in Schottland kassiert. Das waren zwei wichtige Spiele, in denen wir Fehler gemacht haben. Das darf uns jetzt nicht noch einmal passieren, sonst werden wir keine Chance auf die Playoff-Spiele haben. Es ist aber genug Qualität in der Mannschaft vorhanden, so dass man darauf hoffen kann, unsere Ziele umsetzen zu können.

LAOLA1: Ist diese EM-Quali in dieser Konstellation schwieriger oder gleich in Relation zur vorangegangenen?

Herzog: Schwieriger, weil die Gruppe schwieriger ist. Ich habe auch schon die Bulgaren zwei Mal gesehen, die haben zwei Mal super gespielt. In Schottland ein 0:0 geholt und zu Hause gegen Holland unglücklich 0:1 verloren. Es ist eine ausgeglichene Gruppe, in der man ausgehen kann, dass die Holländer Favorit sind. Umso wichtiger wäre es das Heimspiel zu gewinnen, damit wir für die nächsten Spiele einen Vorteil haben.

LAOLA1: Einer, der im niederländischen Kader steht, heißt Nacer Barazite. Der Austrianer ist in Form…

Herzog: Wenn man davon ausgeht, dass er einer der Besten der Liga ist, dann weiß ein jeder Spieler, was ihn erwartet.

LAOLA1: Auf Schottland triffst du wie in der vorangegangenen Quali auch. Inwieweit hast du dich auf diesen Gegner schon vorbereitet?

Herzog: Hauptsächlich einmal auf Holland, aber ich habe Schottland auch schon beobachtet. Vor allem im Mittelfeld waren sie sehr spielstark, was vom vorangegangenen Team nicht behauptet werden kann. Die haben mehr von ihrer Kampfkraft gelebt und waren hinsichtlich der taktischen Grundordnung in erster Linie kompakt. Von den Fähigkeiten waren sie damals nicht außergewöhnlich gut. Jetzt haben sie zwei, drei jüngere Spieler dabei, die wirklich sehr gut sind.

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»