"Wir wollen das Land stolz machen"

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"Es soll mir nie schlechter gehen", lacht Tino Casali.

Die gute Laune des jungen Mannes ist nicht weiter verwunderlich. Immerhin hat er es mit der ÖFB-U20 ins Achtelfinale der WM 2015 in Neuseeland geschafft.

Und der Tormann hat daran maßgeblichen Anteil. Mit starken Leistungen gegen Ghana (1:1) und Panama (2:1) sowie einer Glanzvorstellung beim 0:0 gegen Argentinien hat sich der 19-Jährige ins Rampenlicht pariert.

"Mein Handy ist übergegangen"

"Es war für mich sicher das größte Spiel meiner bisherigen Karriere. Aber die Spiele gegen Ghana und Panama waren auch nicht weniger bedeutend, wenngleich die Partie gegen Argentinien noch wichtiger war", strahlt der Kärntner.

Nach der Partie gegen die "Gauchos" standen die Gratulanten Schlange: "Mein Handy ist übergegangen. So ziemlich jeder, mit dem ich irgendwann einmal etwas zu tun hatte – Freunde, ehemalige und aktuelle Mitspieler, frühere Schulkollegen –, hat mir geschrieben. Es ist schön, dass das so viele Menschen mitverfolgen."

Wenngleich er einschränkt: "Das ist schon etwas Großes. Wir haben es jedoch noch gar nicht so richtig realisiert. Wahrscheinlich auch, weil wir so weit weg sind. Wir kriegen gar nicht so richtig mit, was in Österreich geschrieben wird. Aber vermutlich ist es gar nicht so schlecht, dass wir den Rummel nicht so mitbekommen."

"Das war kein Glück"

Der Stolz darüber, die Gruppe überstanden zu haben, ist ihm anzumerken: "Wir sind nicht mit Glück aufgestiegen. Wir haben kein Spiel verloren, haben nur zwei Gegentore, davon eines aus einem Elfmeter, kassiert. In dieser Art und Weise war das nicht zu erwarten. Umso schöner ist es, dass wir überraschen konnten."

In den drei Gruppen-Spielen haben die ÖFB-Youngster mehrere Gesichter gezeigt. Hohes Anpressen gegen Ghana, situatives Gegenpressing gegen Panama und die "Festung" mit zwei überaus defensiven Fünferketten gegen Argentinien.

"Das Trainerteam gibt uns jedes Mal einen super Plan mit, wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet. Die Trainer leisten wirklich tolle Arbeit, sitzen jede Nacht an der Gegner-Analyse", sagt Casali.

Ein Freund als Abwehrchef

Die Defensive steht jedenfalls immer gut. Kein Wunder, wird sie doch von zwei Freunden zusammengehalten. Goalie Casali kennt Abwehrchef Lukas Gugganig nämlich schon sehr lange.

"Ich realisiere gar nicht so richtig, wo ich da mitspielen darf"

Der Villacher muss also noch ein wenig ausharren. "Man braucht im Fußball immer viel Geduld, so ist das im Fußball eben", winkt er ab.

Möglich, dass Casali im Sommer verliehen wird, um eine Klasse höher als bei den Amateuren in der Regionalliga Spielpraxis sammeln zu können. Der FAC soll bekanntlich Kooperationsklub der Veilchen werden und hat mit Rene Swete eben erst seine Nummer eins an den SV Grödig verloren.

"Wir wollen das Land stolz machen"

Doch damit beschäftigt sich Casali derzeit nicht. In seinem Kopf dreht sich alles um das WM-Achtelfinale gegen das Team aus Usbekistan (Do., 6 Uhr MEZ).

Das klingt nach einem machbaren Gegner. "Vom Namen her ist es nicht die schwierigste Aufgabe. Aber das wird sich Argentinien über uns auch gedacht haben – und die sind gescheitert. Wir werden den Gegner ganz sicher nicht unterschätzen. Das ist ein WM-Achtelfinale! Da hat jedes Team, das dabei ist, seine Berechtigung, da zu sein", warnt der Keeper.

Das Ziel ist klar: "Wir wollen das ganze Land wieder stolz machen."

"Damals war das so groß"

So wie es Casali im Alter von zwölf Jahren war. Damals hütete er das Tor im Nachwuchs des SV Spittal. Und sah Prödl, Junuzovic, Okotie, Hoffer und Co. bei der U20-WM 2007 in Kanada auf die Beine.

"Es war das erste Nachwuchs-Turnier, das ich so richtig verfolgt habe. Ich habe mir immer den Wecker gestellt, um mir die Spiele anzusehen. Damals ist mir das alles so groß vorgekommen. Jetzt bin ich selbst dabei und realisiere gar nicht so richtig, wo ich da mitspielen darf", sagt er.

Es möge ihm nie schlechter gehen…

Harald Prantl

"Ich habe schon in der U8 gegen ihn gespielt – er bei Mühldorf, ich bei Spittal. Im LAZ waren wir dann gemeinsam. Wir verstehen uns richtig gut. Schön, dass man das auf dem Feld auch sieht", grinst er.

Mittlerweile kickt "Guggi" beim FC Liefering. Casali ist indes vor zwei Jahren von Kärnten nach Wien übersiedelt. Erst vor wenigen Tagen hat die Austria die Option auf eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre gezogen.

Kärntner Vorurteile

"Ich freue mich sehr. Die Austria ist ein Riesenverein in Österreich. Ich habe richtig viele coole Leute kennengelernt. Das habe ich mir als Kärntner nicht gedacht. In Kärnten herrschen ja gewisse Vorurteile gegenüber Wienern. Ich kann die aber nicht bestätigen", meint Casali.

Nachsatz mit Augenzwinkern über Sportdirektor Franz Wohlfahrt, ebenfalls Kärntner: "Er stärkt die Kärntner Gemeinschaft in Wien."

In der abgelaufenen Saison war der 1,91 Meter große Schlussmann die Nummer drei bei den Violetten. Daran wird sich wohl im Sommer nichts ändern. Mit Heinz Lindner geht zwar der Stamm-Goalie, dafür kommt Nationalteam-Torhüter Robert Almer zurück an den Verteilerkreis.

Vorfreude auf Kollege Almer

Casali freut sich: "Mit Almer kommt ein Supertormann, von dem wir sicher viel lernen können. Das tut Osman Hadzikic und mir richtig gut. Wir haben auch schon von Heinz Lindner sehr viel mitnehmen können."

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