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Wäre da mehr drinnen gewesen?

Drei Spiele, ein Punkt, null Tore – Für Österreich endete die U20-WM enttäuschend.

Nach einem hoffnungsvollen Start beim 0:0 gegen Panama war die Mannschaft von Andreas Heraf gegen Brasilien (0:3) und Ägypten (0:4) ohne Chance.

Der Teamchef begann dabei in jeder Partie mit einem anderen System. Aus taktischer Sicht lieferten die Österreicher also drei interessante Spiele ab, die der LAOLA1-Taktik-Corner näher beleuchtet:

Österreich - Panama 0:0

Mit einem 4-3-3 gegen Panama

Im Auftaktspiel schickte Heraf sein Team in einem 4-3-3-System auf das Feld. Panama-Coach Alfredo Poyatos vertraute auf ein 4-1-4-1.

In der ersten Hälfte hatte die ÖFB-U20 enorme Probleme mit dem Pressing der Panamaer. Verantwortlich dafür waren die vier Mittelfeldspieler der Lateinamerikaner, die sich wie eine Mauer vor der österreichischen Abwehr aufbauten. Dadurch wurde das Zusammenspiel zwischen dem dreiköpfigen ÖFB-Mittelfeld und der Verteidigung um Chef Michael Schimpelsberger verhindert.

Erst mit Fortdauer des Spiels fand die Heraf-Elf ein simples Rezept gegen das Forechecking der Panamaer: Anstatt flacher Pässe ins Mittelfeld spielten die Innenverteidiger Rath und Schimpelsberger hohe Bälle auf die Außenstürmer. Schafften es diese, das Leder unter Kontrolle zu bringen, war es vor allem Weimann und nach seiner Einwechslung Teigl, die über Läufe an die Grundlinie für Gefahr sorgten.

Die infolge dieses Konzepts kreierten Chancen vergaben die österreichischen Angreifer jedoch leichtfertig. Es blieb beim 0:0 gegen einen Gegner, der fußballerisch und konditionell wohl zu den schwächsten Teams des Turniers in Kolumbien gehörte. Mit einem zweiten Plan im Repertoir wäre wohl mehr drinnen gewesen.

Österreich - Brasilien 0:3

Mit einem 3-3-3-1 gegen Brasilien

3-3-3-1 – Ausgerechnet das System von Ried-Coach und Heraf-Kritiker Paul Gludovatz wählte der U20-Teamchef gegen die WM-Mitfavoriten aus Brasilien aus. Die „Selecao“ trat in einem 4-4-2 mit Raute auf.

Heraf warnte vor dem Spiel davor, dass die Südamerikaner durch die Mitte kommen würden. Also ließ er sein Team relativ eng stehen: Die Außenspieler Dilaver und Ziegl sowie Klem und Farkas drängten in die Mitte. Dieser Plan funktionierte defensiv so lange, bis sich die Brasilianer darauf einstellten. Letztlich war es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die Brasilianer ihre individuelle Klasse in Tore ummünzten. Denn in der Offensive war die ÖFB-Elf weitgehend harmlos. Über die Flügel kam aufgrund der engen Spielweise nur wenig. Dabei ist es gerade die Gefährlichkeit über die Seiten, die das Rieder 3-3-3-1 so erfolgreich macht.

Letztlich feierte die „Selecao“ einen nie gefährdeten 3:0-Sieg, ohne taktisch einen besonderen Trick anzuwenden.  Henrique (37.), Coutinho (52./Elfer) und Willian (63.) fixierten den Erfolg.

Österreich - Ägypten 0:4

Mit einem 4-4-2 gegen Ägypten

Die Augangsposition vor dem Spiel gegen Ägypten war klar: Mit einem Sieg steht Österreich im Achtelfinale. Diesmal stellte Heraf sein Team in einem flachen 4-4-2 auf. Ägypten vertraute auf ein 4-2-3-1 mit Mohamed Ibrahim hinter der  einzigen Spitze Ahmed Hassan.

Und der 19-Jährige aus Ägypten, der in der zweiten Hälfte als Stürmer agierte, entschied letztlich das Spiel. Drei Tore (60., 62., 82.) gingen auf sein Konto. Unter anderem auch deswegen, da er den Raum zwischen den beiden österreichischen Viererketten nützte. Die Nordafrikaner überließen den Österreichern zwar viel Ballbesitz, machten mit ihren Tempoangriffen aber viel Druck.

Wie schon gegen Brasilien fehlte es dem Spiel der Heraf-Truppe auch diesmal an Breite. Die Flügelspieler Schütz und Klem zogen immer wieder zur Mitte, anstatt die Außenverteidiger der Ägypter anzubohren. Zudem musste Österreichs bester Spieler, Andi Weimann, zur Pause verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Die darauffolgende taktische Umstellung auf ein 4-2-3-1 brachte nur wenig. Ägypten gewann verdient und klar mit 4:0.

Fazit: Heraf ist kein Gludovatz

Schon vor der WM war die Erwartungshaltung an das österreichische Team nicht besonders hoch. Schließlich fielen etliche Leistungsträger, wie Alaba, Holzhauser und Djuricin aus den unterschiedlichsten Gründen für das Turnier in Kolumbien aus. Dennoch fällt die Bilanz nach drei Spielen, in denen kein Tor erzielt wurde, ernüchternd aus. Hätte man aus diesem Kader nicht mehr herausholen können?

Teamchef Heraf ist sich jedenfalls keiner Schuld bewusst: „Ich würde nichts anders machen. Am Ende ist es eine Frage der Qualität. Zusammen mit der Hitze und den Erkrankungen hatten wir keine Chance." Der ehemalige Rapid-Profi hatte sich immerhin für jede Partie etwas überlegt, auch wenn diese Ideen nicht immer aufgingen. Doch taktische Flexibilität beruht im Idealfall (bestes Beispiel: Uruguay) auf einer ganzheitlichen Philosophie, die hinter dem Gameplan für das aktuelle Spiel steht. Eine solche Philosophie war bei der Heraf-Truppe allerdings nicht erkennbar. Zu oft wechselte Heraf das Spielkonzept.

So wurde auch nichts aus einer Wiederholung des Sommermärchens der U20-WM 2007. Gludovatz hatte es damals mit akribischer taktischer Arbeit vorgemacht. Heraf versuchte es, seinem Kritiker gleich zu machen, scheiterte nun aber letztendlich.

 

Jakob Faber

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