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"Ich traue ihnen Ähnliches zu, wie uns 2007"

Sebastian Prödl dient vielen Spielern der aktuellen ÖFB-U20-Auswahl vor der WM in Kolumbien als Vorbild.

Der Steirer ist das Paradebeispiel dafür, welchen positiven Einfluss die Teilnahme am zweitgrößten FIFA-Turnier für den weiteren Karriereverlauf eines Fußballers haben kann.

Bei der Endrunde 2007 in Kanada machte sich der Bremen-Legionär als Kapitän der viertplatzierten ÖFB-Mannschaft international einen Namen und profitiert nach eigenen Angaben auch heute noch von der Erfahrung, die er in Nordamerika gesammelt hat.

"Werder durch WM aufmerksam geworden"

"Ich bin sicher, dass Werder durch die U20-WM auf mich aufmerksam geworden ist und mich dann weiter beobachtet hat. Die WM hat auf jeden Fall einen großen Teil zu diesem Transfer beigetragen. Ein österreichischer Kicker braucht eben andere Bühnen als nur die Bundesliga, und bei so einem Turnier sitzen mehr Scouts auf der Tribüne als in der österreichischen Bundesliga", erklärte Prödl.

Durch einen WM-Start wird man laut dem 24-Jährigen aber nicht nur für internationale Clubs interessant, sondern man gewinnt auch an Qualität, um überhaupt im Ausland bestehen zu können.

"Du kommst mit einer riesigen Erfahrung von so einem Turnier zurück, was dir dann auch wieder beim Verein zugutekommt."

Auf Anhieb Führungsrolle angenommen

Prödl war 2007 erst relativ kurz vor Turnierbeginn vom damaligen Teamchef Paul Gludovatz zum Kapitän ernannt worden und etablierte sich auf Anhieb als Führungsspieler, was ihm sogar eine Nominierung zum besten Spieler der WM einbrachte.

"Ich bin schnell in die Führungsrolle hineingewachsen und habe auch das Glück gehabt, dass die Mannschaft voll hinter mir gestanden ist", sagte der frühere Sturm-Graz-Kicker.

Den Erfolgslauf in Kanada hätte Prödl vor der WM nicht für möglich gehalten. "Die Erwartungshaltung war nicht groß. Wir wollten einfach nur ein gutes Turnier spielen und eine schöne Zeit haben. Aber dann haben wir schnell gemerkt, dass wir über uns hinauswachsen und sehr weit kommen können", erinnerte sich der nunmehrige A-Teamspieler.

Gludovatz hauptverantwörtlich für Erfolg

"Wir sind damals wie eine perfekte Turniermannschaft aufgetreten. Wir waren eine Einheit, es hat keine disziplinären Fehltritte gegeben, jeder hat optimal mitgezogen. Der Grund für den Erfolg war das Kollektiv. Jeder war sich im Klaren über seine Rolle und hat gewusst, was er zum Erfolg beitragen kann."

Für Prödl besteht kein Zweifel daran, wer hauptverantwortlich am "Sommermärchen" von 2007 war. "Das war ein großes Verdienst von Gludovatz. Er hat die Mannschaft nicht nur nach dem fußballerischen Können, sondern auch nach dem Charakter ausgesucht. Er und der ganze Trainerstab haben keine Eitelkeiten zugelassen."

Akribische Taktikarbeit und Gegneranalyse

Doch nicht nur in gruppendynamischer Hinsicht wurde ganze Arbeit geleistet. "Wir wurden auf jedes Spiel speziell eingestellt, in jedem Match hatten wir eine andere Taktik. Sofort nach jeder Partie haben wir schon den nächsten Gegner analysiert. Das war perfekt durchorganisiert, eine Meisterleistung des gesamten Betreuerstabs", betonte Prödl.

Nun hofft der Innenverteidiger auf ein ähnliches Husarenstück der aktuellen ÖFB-U20-Auswahl in Kolumbien. "Die Spieler besitzen hohe Qualität. Ich traue ihnen Ähnliches zu, wie uns 2007 in Kanada gelungen ist, wenn sie von Beginn an einen Lauf entwickeln."

Kein Kinderfußball

Sollte die Truppe von Andreas Heraf tatsächlich in die Fußstapfen der 2007-Mannschaft treten, wehrt sich Prödl schon jetzt gegen Kritiker, von denen die U20-WM mit "Kinderfußball" gleichgesetzt wird.

"Wir haben damals in Kanada auf einem Niveau gespielt, wie man es oft in der österreichischen Bundesliga nicht sieht", meinte Prödl.

"Aber einen Wert hat ein Erfolg im Nachwuchsbereich erst dann, wenn man ihn danach bestätigen kann."

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