Heraf zerknirscht - keine Kritik von Präsident Windtner

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Das enttäuschende Abschneiden seiner Mannschaft bei der U20-WM in Kolumbien hat Andreas Heraf zugesetzt.

Gezeichnet vom 0:4 in Cartagena gegen Ägypten und dem damit verbundenen Aus in der Gruppenphase mit einem Punkt und 0:7 Toren, betrieb der Teamchef am Donnerstag (Ortszeit) Ursachenforschung und wurde dabei vor allem beim Leistungsvermögen der ÖFB-Auswahl fündig.

"Das war nicht ausreichend, um bei einer WM zu bestehen", erklärte der Wiener, der das Unheil schon seit längerem kommen gesehen hatte.

"Habe es geahnt"

"Ich habe es geahnt, dass es in dieser Zusammensetzung eng wird. Das hat sich leider bewahrheitet."

Das Fehlen von Kickern wie David Alaba, Aleksandar Dragovic, Raphael Holzhauser oder Marco Djuricin ließ Heraf aber nur bedingt als Ausrede gelten.

"Wenn man sich die Qualität von Brasilien oder Ägypten anschaut, wäre es selbst mit unseren Top-Spielern schwer geworden", vermutete der 43-Jährige.

Eines von mehreren Übeln sei die mangelnde Chancenauswertung gewesen. "Es ist traurig, wenn man in drei Partien aus 15 Möglichkeiten kein einziges Tor macht. Da geht's um Qualität, da kommen wir nicht drumherum."

"Wäre Überraschung gewesen"

Dem vergebenen Sieg im ersten Match gegen Panama, der möglicherweise schon den Aufstieg bedeutet hätte, trauerte Heraf erst gar nicht nach.

"Im Achtelfinale wären wir dann auf eine ähnlich starke Mannschaft wie Brasilien oder Ägypten getroffen. Da wäre alles andere als ein Ausscheiden eine Überraschung gewesen."

Der frühere Teamspieler schickte sein Team in jedem Match mit einer anderen Taktik aufs Feld und nahm - auch notgedrungen - von Spiel zu Spiel einige personelle Änderungen vor.

"Würde nichts anders machen"

Dennoch zeigte sich Heraf auch nach dem Ausscheiden von der Richtigkeit seiner Entscheidungen überzeugt.

"Ich würde nichts anders machen", betonte der Nationaltrainer. "Am Ende ist es eine Frage der Qualität. Zusammen mit der Hitze und den Erkrankungen hatten wir keine Chance."

Diese Erkenntnis hatte bei Heraf eine tiefe Enttäuschung zur Folge. "Ich bin derzeit völlig leer. Ich habe bis zur letzten Minute alles versucht, doch es war zu wenig."

"Habe menschlich viel gelernt"

Auf die Frage, ob er etwas aus der WM gelernt habe, meinte der Coach: "Menschlich habe ich sehr viel gelernt." Genauer wollte Heraf diese Antwort nicht erklären.

Für seine Spieler habe die Endrunde immerhin wertvolle Erfahrungen gebracht.

"Aber was sie daraus machen, hängt jetzt von ihnen ab." Der Teamchef sah davon ab, Spieler namentlich zu loben oder zu kritisieren, wagte aber immerhin einen generellen Ausblick in die Zukunft der ÖFB-WM-Kicker.

"In Kanada waren die Besten dabei"

Während es bisher sechs Teilnehmer an der U20-WM 2007 in Kanada ins A-Team schafften, wird diese Zahl bei den Kolumbien-Reisenden wohl nicht so hoch sein, vermutete Heraf.

"Es könnten schon so viele sein, aber die Wahrscheinlichkeit ist geringer, denn in Kanada waren die Besten dabei."

Heraf hob mit der gesamten ÖFB-Delegation bereits am Freitag von Cartagena in Richtung Wien ab, wo er nach Zwischenstationen in Bogota und Madrid am Samstagabend landen sollte.

U20-Team hört auf zu bestehen

Als nächste Aufgabe wartet auf den Trainer mit der U17-Auswahl (Stichtag 1. Jänner 1995) vom 30. August bis 3. September der Toto-Cup in Oberösterreich, im Oktober steht dann die erste Phase der EM-Qualifikation auf dem Programm.

Das U20-Team wiederum hört auf zu bestehen, die Kicker werden in die U21-Mannschaft von Andreas Herzog integriert und nehmen ebenfalls im Herbst die EM-Qualifikation in Angriff.

Vom aktuellen Kader ist einzig Kevin Stöger auch noch für die U19-Auswahl einsatzberechtigt.

Trotz des sang- und klanglosen Ausscheidens hat ÖFB-Präsident Leo Windtner indes auf Kritik verzichtet.

Der Oberösterreicher führte das enttäuschende Abschneiden vielmehr auf die klimatischen Bedingungen und mangelndes Spielglück zurück.

"Vorwürfe bringen nichts"

"Es bringt nichts, jetzt jemandem Vorwürfe zu machen", erklärte Windtner nach dem 0:4 am Donnerstag (Ortszeit) in Cartagena gegen Ägypten.

Das frühe Aus wäre der ÖFB-Auswahl möglicherweise erspart geblieben, hätte sie in der Auftaktpartie die Chancen verwertet und gegen Panama gewonnen.

"Dann hätten wir Selbstvertrauen für die weiteren Partien gehabt", vermutete der 60-Jährige.

"Haben es bei diese Klima schwer"

Bei den klaren Niederlagen gegen Brasilien und Ägypten sei man auch Opfer der feucht-heißen Witterung an der Karibik geworden.

"Da ist uns schonungslos aufgezeigt worden, dass wir es bei diesem Klima schwer haben."

ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner hingegen nannte andere Gründe für das Scheitern.

"Wir waren gegen Brasilien und Ägypten technisch, konditionell und taktisch unterlegen", meinte der Oberösterreicher.

"Es ist sich nicht ausgegangen"

Auf die taktische Unterlegenheit wollte Ruttensteiner nicht genauer eingehen und meinte nur: "Wir haben in jedem Spiel ein anderes System gesucht, aber es ist sich nicht ausgegangen."

Das Fehlen von nicht abgestellten Kickern wie David Alaba, Aleksandar Dragovic oder Raphael Holzhauser ließ Ruttensteiner nur bedingt als Erklärung gelten.

"Ich hätte mir gewünscht, dass wir komplett nach Kolumbien gereist wären. Aber auch mit allen Spielern wäre es sehr schwer geworden."

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