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"Es tut weh, dass ich nicht dabei sein kann"

Als Cheftrainer Andreas Heraf am Freitag mit Michael Schimpelsberger, Kevin Stöger, Marco Djuricin und Co. in den Flieger zur U20-Weltmeisterschaft nach Kolumbien stieg, blutete ihm das Herz.

Nur allzu gern wäre er mitgeflogen und hätte versucht, der Mannschaft zu helfen. Doch für Raphael Holzhauser kam es anders, als er sich das vorgestellt hatte. Sein Klub, der VfB Stuttgart, kannte kein Pardon und stellte klar, dass man den rot-weiß-roten Nachwuchskicker nicht freigeben würde.

„Ich war ziemlich enttäuscht“

Dem 18-Jährigen blieb nichts anderes übrig, als die Entscheidung seines Arbeitgebers klaglos hinzunehmen. Dabei fiel ihm das alles andere als leicht. „Als ich es gehört habe, war ich ziemlich enttäuscht“, gesteht Holzhauser beim Interview-Termin mit LAOLA1.

Es sei schließlich schon immer sein Ziel gewesen, bei einer Weltmeisterschaft zu spielen, „und dann auch noch mit so einer super Mannschaft. Ich glaube immer noch, dass wir einiges erreichen können und Österreich für Furore sorgen kann. Aber klar tut es weh, dass ich nicht dabei sein kann.“

In der 3. Liga etablieren

Immer wieder wird aus dem VfB-Umfeld laut, welch großes Talent Holzhauser ist und wie nah er sich bereits an die erste Mannschaft gekämpft hat. Nicht wenige Experten gehen davon aus, dass er schon in der neuen Saison das eine oder andere Mal ins kalte Wasser geworfen wird und in der Bundesliga zu Einsätzen kommt.

Zunächst muss er sich jedoch in der zweiten Mannschaft, die in Deutschlands 3. Liga agiert, behaupten. Dort kam der 1,93m-Hüne in der letzten Saison zu 31 Einsätzen, wobei er fünf Mal das Tor traf. Am Samstag erfolgt der Auftakt, die Schwaben gastieren bei Arminia Bielefeld. „Ich will beim Ligastart gleich eine gute Leistung bringen und dann wieder bei den Profis im Training aufzeigen.“

Talentschmiede VfB Stuttgart

Holzhauser hat einen Weg vor Augen, den schon zahlreiche Größen wie Kevin Kuranyi, Andreas Hinkel oder Timo Hildebrand beschritten haben. Sich über konstant gute Spiele für die Profis empfehlen, um sich anschließend in der Bundesliga durchzusetzen.

Die erfolgreiche Jugendarbeit war es letztendlich auch, die den Blondschopf im Sommer 2009 nach Baden-Württemberg lotste. „Der VfB ist für mich in Deutschland einer der besten Vereine in der Nachwuchsarbeit.“ Er habe seinerzeit den Klub besucht und musste sich „danach nichts mehr anschauen. Ich wurde überzeugt.“

Trainingslager kein Honiglecken

Stattdessen greift er beim VfB an. Aktuell befindet er sich mit den Profis im Trainingslager in Zell am Ziller und fühlt sich dort überaus wohl. „Wir sind super integriert und aufgenommen worden.“

Wenngleich die Stimmung prächtig ist und der Schmäh läuft, ist nicht alles angenehm. Trainer Bruno Labbadia und sein Team verlangen den Kickern alles ab, damit diese für die neue Saison gerüstet sind.

„Es war eines der härtesten Trainings, das ich mitgemacht habe“, gibt Holzhauser unumwunden zu, um sofort zu ergänzen, „aber das gehört dazu. Wir wollen uns in jedem Training beweisen und so dem Trainer die Möglichkeit geben, uns während der Saison einzusetzen.“

Es gibt immer etwas zu verbessern

Seither hat er jede Menge gelernt, so betrachtet der U21-Nationalspieler „meine Übersicht, mein Passspiel und meine Torgefahr als zentraler Mittelfeldspieler“ als größte Stärken, sieht sich aber noch lange nicht am Plafond seiner Schaffenskraft angekommen. So müsse er sein Defensivverhalten und Kopfballspiel noch verbessern.

Alles in allem ist Holzhauser froh, schon früh (mit 16 Jahren) den Sprung ins Ausland gewagt zu haben. „Das war ein wichtiger Schritt in meiner Karriere. Ich habe mich nicht nur fußballerisch verbessert, sondern auch menschlich.“

Alaba, der Vorzeige-Jungprofi

Dieser Eigenschaft kommt gerade heutzutage eine besondere Relevanz zu, ist sie doch alles andere als selbstverständlich. So verwundert es auch nicht, dass Holzhauser sich lieber ein Beispiel an Vorzeige-Jungprofi David Alaba denn an Skandalnudel Marko Arnautovic nimmt.

„Marko kenne ich nicht so gut, aber ich kenne die Schlagzeilen. Man denkt sich, er sollte immer die Wahrheit sagen. Auch die Geschichten, in denen man hört, was er in den Trainings so abliefert, finde ich nicht okay. Aber so ist seine Mentalität, da wird man nicht mehr viel ändern können.“

Alaba hingegen sei ein ganz anderer Typ. „Er ist jemand, von dem man einiges lernen kann. Er ist eine Person, zu der man aufschauen kann.“ Hin und wieder unternehmen die beiden privat etwas gemeinsam.

Der Traum vom A-Nationalteam

Möglicherweise auch schon bald beruflich in der A-Nationalmannschaft, wo Alaba längst zum Stammspieler reifte? Der Kreativspieler, der sich „auf der Achter-Position“ am wohlsten fühlt, wiegelt ab: „Zuerst möchte ich mich in der U21 weiter etablieren, das A-Team ist noch kein Thema.“

Kontakt mit Didi Constantini oder dessen Trainerteam habe es noch keinen gegeben, doch Holzhauser gibt hinsichtlich einer Berufung zu: „Klar träumt man davon. Ich habe ja schon sieben U21-Spiele und dabei immer gute Leistungen erbracht.“

Wenn er weiterhin am Boden bleibt, an seinen Schwächen arbeitet und den Fokus auf den Fußball legt, ist aber auch der Sprung ins A-Team mittelfristig alles andere als unrealistisch. Dort könnte sein Traum, eines Tages bei einer Weltmeisterschaft zu spielen, doch noch in Erfüllung gehen.

 

Christoph Nister/Kurt Vierthaler

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