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Volle Konzentration auf den ersten WM-Gegner

Was musste sich Andreas Heraf in den letzten Wochen nicht ärgern!

Zunächst über die verschiedenen Vereine von potenziellen Kandidaten für die U20-Weltmeisterschaft.

Darunter der FC Bayern München (David Alaba), FC Basel (Aleksandar Dragovic), VfB Stuttgart (Raphael Holzhauser) oder hierzulande Red Bull Salzburg.

Keiner wollte dem ÖFB-Teamchef seine Talente für den Trip nach Kolumbien abstellen.

Gludovatz teilt aus

Und dann auch noch der Schlagabtausch mit Ried-Trainer Paul Gludovatz, der vor dem Liga-Start zum Rundumschlag gegen Fußball-Bund und Heraf ausholte und vier Jahre nach dem vierten Platz bei der U20-WM in Kanada, wo er selbst noch Teamchef war, kräftig Watschen austeilte.

Ein paar gefällig? „Ich habe damals bei jedem Trainer regelmäßig mit Demut um die Spieler gebeten. Da muss man eben mehr Zeit opfern, so etwas kann man nicht vom Büro aus erledigen. Ich habe zigtausende Kilometer abgespult, da war viel Mühsal dabei.“ Rumms, der erste Tiefschlag.

„Die Kontakte zwischen ÖFB und Bundesliga-Trainern sind Alibi. Anrufe alleine genügen nicht!“ Rumms, der nächste Treffer.

Warm-Up? Von wegen!

Heraf und der ÖFB wehrten sich, Präsident Leo Windtner bezeichnete die Aussagen von Gludovatz als entbehrlich und kontraproduktiv – und stellte sich vor dessen Nachfolger Heraf.

„Er ist ein akribischer wie nachhaltiger Arbeiter und ein intelligenter Trainer.“ Balsam auf die Wunden von Heraf, der sich eine Retourkutsche verkniff.

Stattdessen konzentrierte sich der Wiener auf die Vorbereitung für die U20-WM, die für den heimischen Nachwuchs in etwas mehr als einer Woche mit dem Spiel gegen Panama startet.

Für viele Fans hierzulande genau der richtige Gegner zum Aufwärmen für das Duell mit Brasilien. Nicht so für Heraf, der sich intensiv mit den Panamesen auseinandergesetzt hat. „Das ist keine g’mahte Wiese für uns!“

Spion bei Testspielen in Quito

Acht DVDs haben Mitarbeiter, Kollegen und Freunde über die verschiedensten Kanäle besorgt.

Zuletzt testete Panama gleich drei Mal gegen Ekuador – und Heraf gelang es, einen Spion nach Quito zu schicken, der das Spiel mit seiner Videokamera aufgezeichnet und ins Ernst-Happel-Stadion geschickt hat.

Erster Ansprechpartner für den 43-Jährigen ist der in Kolumbien lebende Michael Grubinger, der Kontakt mit dem ÖFB aufnahm, als feststand, dass Österreich bei der U20-WM dabei ist.

"Für uns ein großer Vorteil"

Seither ist der 34-Jährige einer der wichtigsten Männer im Team von Andreas Heraf. "Er reist viel, ist extrem bemüht und vor allem ist er im Fußball tätig, was ein großer Vorteil ist.“

Während des Turniers wird Grubinger als Dolmetscher und Video-Analytiker für Heraf arbeiten. „Für uns ist es ein großer Vorteil, dass wir jemanden vor Ort haben, der die Gegebenheiten kennt und auch die Sprache spricht.“

Der Wahl-Kolumbianer war auch der Erste, der den Teamchef vor Panama gewarnt hat, gleich nach der Auslosung.

No-Name als Geheimfavorit?

Heraf: „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen: Panama ist die Nummer 52 der Weltrangliste, wir liegen auf Platz 65. Panama hat bei der U17-WM die Vorrunde überstanden – in einer Gruppe mit Deutschland. Wir waren noch nie dabei."

"Das A-Team war beim Gold-Cup im Halbfinale, ist erst an den USA gescheitert. Vier Spieler vom A-Team werden auch bei der U20-WM dabei sein. Muss ich noch mehr sagen?“

Ja, gerne. „Panama bereitet sich seit Wochen penibel auf die Weltmeisterschaft vor, hat keine Reisestrapazen, fährt eine halbe Stunde mit dem Schiff nach Kolumbien und die Spieler sind natürlich auch an das Klima dort gewöhnt.“

Doch noch Einigkeit mit Gludovatz

Letzteres ist, anders als die Gegner, noch eine große Unbekannte für Heraf. „Wir wissen nicht, wie unsere Spieler das verkraften.“

Dennoch ist der elffache Teamspieler zuversichtlich. Genau wie übrigens auch Paul Gludovatz.

Der traut dem rot-weiß-roten Nachwuchs den Einzug ins Achtelfinale zu – und dort, da sind sich die beiden einig, "ist dann alles möglich!“

Stephan Schwabl

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