"Heraf braucht sich für Taktik nicht entschuldigen"

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Paul Gludovatz wird auch am kommenden Donnerstag seinen Wecker früh stellen und Österreichs Fußball-U20-Auswahl im WM-Achtelfinale gegen Usbekistan (6 Uhr) vor dem TV-Gerät die Daumen drücken.

Schon die drei Gruppenspiele der Österreicher ließ sich der Coach der U20-WM-Vierten von 2007 nicht entgehen und war von den Leistungen der Truppe von Andreas Heraf angetan.

Gludovatz nimmt Heraf in Schutz

"Unter die letzten 16 und möglicherweise sogar unter die letzten acht zu kommen, ist eine super Geschichte", erklärte der Burgenländer und bezeichnete das aktuelle ÖFB-U20-Team als "großartige Truppe. Wenn sich jeder der Mannschaft unterordnet - und das scheint der Fall zu sein -, ist es absolut möglich, dass man es noch weiter als ins Achtelfinale schafft."

Von einem Glückslos Usbekistan wollte Gludovatz allerdings nicht sprechen. "Ich kann diese Mannschaft nicht einschätzen. Sie hat keinen großen Namen, aber ich sage sicher nicht, dass wir auf jeden Fall gewinnen."

Die Kritik an der eher defensive Spielweise der Österreicher kann Gludovatz nicht nachvollziehen. "Heraf braucht sich für seine Taktik nicht zu entschuldigen. Man muss punkten und aufsteigen. Die Kritik ist typisch österreichisch. Sollen wir Barcelona nachahmen? Diese Mannschaft ist realitätsbezogen und schöpft ihre Qualitäten aus", erklärte er.

Aufstieg "taktisch erarbeitet"

Das liegt laut Gludovatz vor allem am Chefcoach. "Mir taugen seine Grundaussagen. Er und sein Trainerteam arbeiten effektiv, blenden und bluffen nicht und reden nicht von Attraktivität. Der Aufstieg ist souverän geschafft worden und war nicht auf Glück aufgebaut, sondern taktisch erarbeitet", betonte der frühere Ried-Betreuer und ergänzte: "Es geht bei einem Turnier ausschließlich ums Weiterkommen. In Schönheit sollen andere sterben."

Vor der U20-WM 2011 in Kolumbien hatte Heraf vom ab Donnerstag 69-Jährigen noch öffentliche Kritik einstecken müssen, mittlerweile ist Gludovatz voll des Lobes für seinen Nachfolger. "Er hat sich seit damals verändert. Vor vier Jahren hat er zu viel herumtheoretisiert, wollte alles im Detail planen. Jetzt hat er eine komplett andere Einstellung zu gewissen Sachen und ist viel sicherer geworden", sagte Gludovatz.

Der langjährige ÖFB-Nachwuchs-Teamchef hofft auf einen noch langen Neuseeland-Aufenthalt der ÖFB-U20-Kicker. "Ich wünsche ihnen viel mehr, als sie bisher erreicht haben, eine Final-Teilnahme und den Weltmeistertitel." In diesem Fall würde der eigene vierte WM-Platz von 2007 in Kanada in den Hintergrund rücken. "Aber das wäre mir komplett egal, ich würde mich mit ihnen mitfreuen", sagte Gludovatz.

Vergleich hinken immer

Vergleiche mit dem ÖFB-U20-Team vor acht Jahren mit Spielern wie Sebastian Prödl, Zlatko Junuzovic, Rubin Okotie, Martin Harnik, Veli Kavlak, Markus Suttner oder Erwin Hoffer wollte der Coach nicht anstellen. "Die hinken immer. Für mich war es einfach eine wunderschöne Zeit mit wunderschönen Erinnerungen."

Gludovatz ging ein Jahr nach der WM 2007 zur SV Ried, die er bis 2012 erfolgreich betreute. Es folgte ein relativ kurzes Engagement als sportlicher Geschäftsführer bei Sturm Graz, bis 2013 betreute er den Erste-Liga-Klub TSV Hartberg.

Derzeit trainiert Gludovatz in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Fußballer (VdF) zeitweise vertragslose Kicker, mit denen er im Rahmen eines von der internationalen Gewerkschaft (FIFPro) organisierten Länderturniers am 26. Juni im Burgenland gegen vereinssuchende ukrainische Spieler antritt. Der Sieger gastiert am 2. Juli in Belgien, und der Aufsteiger aus dieser Partie ist für den Final-Bewerb der letzten vier "vertragslosen Nationalmannschaften" qualifiziert.

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