Grillitsch: "Habe gesehen, wo ich hinwill"

Aufmacherbild
 

"Quattro-Flo"

Nach einem passenden Spitznamen mussten die Verantwortlichen nicht lange suchen.

Mit vier Toren beim 5:0-Sieg gegen Rumänien legte U19-Nationalspieler Florian Grillitsch den Grundstein für die spätere EM-Qualifikation der ÖFB-Auswahl.

Bitter nur, dass der Werder-Bremen-Legionär ausgerechnet beim 3:1-Auftakt-Sieg der Endrunde am Samstag gegen Gastgeber Ungarn einer von 10.000 Tribünen-Gästen war. Gelb-Sperre! Eingehandelt in der Qualifikation. So will es das UEFA-Regulativ.

Im bevorstehenden zweiten Gruppen-Spiel gegen Israel (Dienstag, 18 Uhr) kann der Stürmer – selbiges gilt im Übrigen auch für Lukas Gugganig und Michael Brandner – endlich selbst ins Turnier-Geschehen eingreifen.

Start-Elf oder Joker-Rolle?

Ob Teamchef Andreas Heraf seinem Goalgetter nach dem 3:1-Erfolg einen Platz in der Startelf zugesteht, wird sich zeigen. Grillitsch-Ersatz Valentin Grubeck überzeugte im 4-3-3 an vorderster Front und bereitete die Treffer von Sinan Bytyqi (Elfer-Foul an Grubeck) und Markus Blutsch vor.

Dass man im ersten Spiel auch ohne sein Zutun einen Sieg einfahren werde, stand für Grillitsch aber schon vor der Abreise fest. "Die Sperren werden nicht schwer wiegen, wir haben ein gutes Team, da gehören mehr als elf Spieler dazu", prophezeite Grillitsch im Gespräch mit LAOLA1.

Ob von Beginn an am Feld oder von der Bank, der 1,87m-Mann gibt dem österreichischen Spiel weitere Möglichkeiten.

"Özil inspiriert mich"

"Ich bin in der Offensive auf jeder Position einsetzbar", weiß Grillitsch. Sein Spiel charakterisiere sich durch Antizipations-Gabe, Spiel-Verständnis und Spiel-Intelligenz. "Und den Tor-Abschluss", fügt der Werder-Legionär eilig hinzu.

Die Torjäger-Qualitäten unterscheiden ihn von seinen Vorbildern Toni Kroos und Mesut Özil. Letzteren bewundere er schon seit dessen Zeit in Bremen. "Er inspiriert mich durch sein Spiel", sagt der 18-Jährige über den Weltmeister, der über Real Madrid mittlerweile beim FC Arsenal gelandet ist.

Grillitsch selbst ist vor rund einem Jahr zumindest schon einmal an der Weser gelandet. "Ich wurde beobachtet und Werder bot gute Perspektiven. Es war schnell klar, dass ich wechsle", erinnert sich der Stürmer an seinen Transfer von der AKA St. Pölten in die Hansestadt.

Fünf Spiele, neun Tore. Grillitsch schlug an der Weser ein

Perfekter Einstand

Damals, im Sommer 2013, benötigte er keinerlei Eingewöhnungszeit. In den ersten fünf Bundesliga-Spielen für die U19 verbuchte der ÖFB-Legionär nicht weniger als neun Treffer.

"Ich wurde von den Jungs super aufgenommen. Wenn ich mich wohlfühle, kann ich meine Leistung bringen", begründet der gebürtige Neunkirchner, dessen Wohnung nur einen Katzensprung vom Vereinsgelände entfernt liegt.

Weil es in der Folge für einige Wochen nicht mehr so recht mit dem Toreschießen klappen wollte, assistierte Grillitsch seinen Team-Kollegen. Fünf Vorlagen weist die Statistik für die nächsten vier Einsätze aus.

Scherzen mit Hunt

Seine Leistungen wurden belohnt. Der Offensiv-Mann lief für Werder Bremens zweite Mannschaft in der Regionalliga Nord auf und schnupperte schon bald Profi-Luft.

"Frank Baumann (Direktor Profifußball und Scouting, Anm.) rief mich an, um mir zu sagen, dass ich bei den Profis trainiere", erinnert sich Grillitsch. "Ein Highlight!"

Stunden später stand der Jungspund gemeinsam mit den Werder-Stars Aaron Hunt, Eljero Elija und seinen Landsleuten Richard Strebinger, Zlatko Junuzovic und Sebastian Prödl auf dem Platz.

"Basti hat sich meiner gleich angenommen. Wenn ich etwas brauche, solle ich zu ihm kommen", berichtet Grillitsch. Tipps könne man sich jedoch jederzeit von sämtlichen Spielern holen. Zwischen ihm und dem mittlerweile nach Wolfsburg abgewanderten Aaron Hunt lief sogar der "Schmäh".

BVB-Interesse eine Ehre

Auch mit Cheftrainer Robin Dutt gab es ein Gespräch. "Er hat mir erklärt, wie es hier abläuft und was er von mir hält", berichtet der Niederösterreicher. Aber nicht nur in Bremen ist man von den Qualitäten Grillitschs angetan.

Borussia Dortmund soll seine Fühler nach dem U19-Nationalspieler ausgestreckt haben. Dieser erfuhr es über die Medien. "Mein Manager hat nur gesagt, dass ich mich auf die EM-Quali konzentrieren soll", so Grillitsch.

Der Wechsel kam nicht zu Stande, scheiterte Medien-Berichten zufolge an der Ablöse. Ob es überhaupt konkrete Gespräche zwischen den Klubs gab, weiß der 18-Jährige nicht. "Das Interesse aus Dortmund ist eine Ehre, aber ich bin Spieler von Werder Bremen und habe bis 2015 Vertrag."

Blut geleckt

Diesen will Grillitsch zumindest erfüllen, wenn nicht sogar verlängern. "Ich sage nicht, dass ich für immer bei Werder bleiben werde, aber momentan fühle ich mich wohl und meine Perspektive ist gut."

Sein großes Ziel bleibt die deutsche Bundesliga, die Liga des Weltmeisters. Der Spielstil spreche ihn an, sagt der ÖFB-Kicker. In Bremen sieht er die besten Chancen auf einen baldigen Profi-Einsatz. "Das wäre ein Traum."

Bis es so weit ist, wird Grillitsch zwar weiter auf dem Boden, trotzdem aber zielstrebig bleiben und seine Leistungen auf dem Platz für sich sprechen lassen. Überstürzen will er nichts, auch wenn er in seinem ersten Jahr an der Weser Blut geleckt hat.

"Ich habe gesehen, wo ich hinwill!"


Kevin Bell

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen