"Kopf hoch und weiter!"

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"Wir waren chancenlos."

Österreichs U19-Teamchef Andreas Heraf blieb nach der Machtdemonstration der deutschen Elf im EM-Semifinale nichts anderes übrig, als "deren Klasse neidlos anzuerkennen".

Mit 0:4 unterlag die ÖFB-Equipe dem Top-Favoriten des Turniers und beendete den Höhenflug der vergangenen zehn Tage damit auf die denkbar unsanfteste Art und Weise.

Die Niederlage sei, so der Teamchef, eine "Watschn". Aber gegen Deutschland, das "eine Nummer zu groß" gewesen sei, könne man verlieren.

Auch weil die DFB-Elf einen nahezu perfekten Tag erwischte, wie Bundestrainer Marcus Sorg im Gespräch mit seinem Gegenüber bestätigte.

Zu viel Respekt

Nicht nur der Himmel über dem Szusza-Ference-Stadion öffnete unmittelbar nach dem Anpfiff seine Schleusen. Auch die deutsche Offensiv-Abteilung um Werder-Youngster Davie Selke ließ es sogleich Chancen regnen.

Der ÖFB-Nachwuchs fand, anders wie noch in den Gruppen-Spielen, keinen Zugriff auf den Gegner. All die Dinge, die noch gegen Ungarn, Israel und Portugal klappten, traute sich die Mannschaft an diesem Abend gar nicht erst zu. "Wir sind von der ersten Minute an in Ehrfurcht erstarrt", begründete Heraf.

Dabei hatte er wenige Stunden zuvor noch allen Grund, vom Final-Einzug zu träumen. So giftig sei seine Elf auf das Duell mit dem EM-Favoriten gewesen. "Ich war wirklich überzeugt, dass etwas möglich ist."

Warum es dann doch nichts wurde, lag für die Protagonisten auf der Hand. "Wir haben zu viel Respekt gezeigt, waren immer einen Schritt zu spät", analysierte Kapitän und Abwehr-Chef Francesco Lovric, der 90 Minuten lang alle Hände voll zu tun hatte, die Darbietung.

Österreichs Nachwuchs fand gegen Selke und Kollegen kein Mittel

Lern-Effekt

Der Teamchef schlug in dieselbe Kerbe. Deutschland habe deren eigene physische Überlegenheit und die fehlende ÖFB-Präsenz im Zweikampf „brutal“ ausgenutzt.

"Körperlich sind das Tiere", unterstrich der 46-Jährige noch einmal den körperlichen Top-Zustand der deutschen Mannschaft - ohne es negativ zu meinen.

"Die Deutschen spielen teilweise Bundesliga. Bei uns gilt das nur für Sascha Horvath", so Heraf. "Diesen Unterschied muss man einfach merken."

Wie fast alle ÖFB-Kicker, erwischte der quirlige Austria-Profi jedoch einen rabenschwarzen Tag. Auch Hoffnungsträger Bytyqi konnte nicht an die jüngsten Leistungen anschließen und sparte nicht mit Selbstkritik. "Ich kann nur daraus lernen", hoffte der ManCity-Legionär, Gesagtes bald unter Beweis stellen zu können. "Kopf hoch und weiter", laute die Devise.

Deutschland, eine Weltklasse-Mannschaft

Diese muss auch für das ÖFB-Team gelten, auch wenn bei dem Großteil der Akteure nach dem Schlusspfiff die Enttäuschung noch überwog. Vor allem die Höhe der Pleite tat dann doch weh.

"Die Niederlage sitzt tief", gab Lovric offen zu, "hart gefallen" zu sein. "Wir werden heute sicher nicht gut schlafen und traurig sein. Das müssen wir erst einmal verarbeiten", pflichtete Markus Blutsch bei. Beide zeigten sich aber überzeugt, das Ausscheiden schnell verkraftet zu haben.

DFB-Elf kaufte Österreich die Schneid' ab

Im ÖFB-Lager hatte man einsehen, dass an diesem Tag nichts zu holen war. "Die Deutschen waren in allen Belangen überlegen", analysierten sämtliche Spieler die „verdiente Niederlage“ unisono. Bytyqi: "Deutschland ist eine Weltklasse-Mannschaft."

Unverhofft kommt oft

Was das Ausscheiden erträglicher macht? Österreichs U19 fliegt im kommenden Jahr, dann als U20, zur Weltmeisterschaft nach Neuseeland. "Man qualifiziert sich nicht alle Tage für eine WM", so Bytyqi, der das Wort "Enttäuschung" alleine deshalb erst gar nicht in den Mund nahm.

Abschließend erinnerte Teamchef Andreas Heraf: "WM-Qualifikation und Dritter bei der Europameisterschaft? Das hätte vorher niemand gedacht und das kann uns niemand mehr wegnehmen."

 

Aus Budapest berichtet Kevin Bell

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