Reife Leistung, verdienter Lohn

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„WM, WM, wir fahren zur WM!“

Es gab keinen Winkel in den Katakomben des Szusza-Ference-Stadions zu Budapest, in dem die Jubel-Triaden von Österreichs U19-Team nach dem 3:0-Sieg über Israel nicht zu hören waren.

Der ÖFB-Nachwuchs hatte sich mit dem zweiten Sieg im zweiten EM-Spiel nicht nur einen Platz im Semi-Finale des Turniers, sondern auch eines der begehrten Tickets für die U20-Weltmeisterschaft 2015 in Neuseeland gesichert.

„Wir haben unser großes Ziel erreicht“, freute sich Torschütze Valentin Grubeck, „wir haben so hart dafür gearbeitet und es so sehr verdient!“

Dementsprechend ging es im ÖFB-Lager nach dem Schlusspfiff rund. „Wir haben Musik gemacht, haben geschrien und waren alle sehr glücklich“, berichtete ManCity-Legionär Sinan Bytyqi von der „Kabinen-Party“.

Wenn’s läuft, dann läuft’s

Nicht nur beim Feiern machten die ÖFB-Kicker eine gute Figur. Auch der zweite Auftritt der Schützlinge von Teamchef Andreas Heraf, lässt sich unter die Kategorie „souverän“ subsumieren.

Wie schon gegen Ungarn, überstand die ÖFB-Equipe die nervöse Anfangsphase. Wie schon gegen Ungarn, war es Bytyqi, der sein Team auf die Sieger-Straße brachte. Wie schon gegen Ungarn, traf der Offensiv-Mann vom Elfmeter-Punkt.

„Der Spielverlauf ist wichtig und der ist in letzter Zeit sehr, sehr oft auf unserer Seite“, konnte sich Heraf bei Fortuna nicht beschweren. „Im heutigen Fußball fallen Tore nur noch nach Fehlern. Der Gegner beging eben wieder den ersten“, analysierte der Teamchef, der vor dem Spiel selbst im Mittelpunkt stand.

Grillitsch rechtfertigt Aufstellung

Auf nicht weniger als drei Positionen veränderte der 46-Jährige jene Elf, die Ungarn zum EM-Auftakt 3:1 schlug.

Unter anderem ersetzte Bremen-Legionär Florian Grillitsch, der nach einer Sperre wieder zur Verfügung stand, den Horner Grubeck, der gegen Ungarn zwei Assist verbuchte.

„Eine ganz harte Entscheidung“, gab Heraf zu. Aber eine, die sich bezahlt machen sollte – in jeder Hinsicht, denn beide Akteure drückten dem Spiel ihren Stempel auf. Grillitsch holte nicht nur den Penalty zur Führung heraus, sondern sorgte auch kurz vor der Pause per Kopf für die Vorentscheidung (42.).

Ein Tor, ein Assist beim EM-Debüt: Grillitsch

"Natürlich war ich enttäuscht"

Und dann kam Grubeck. In der 71. Minute eingewechselt, sorgte der Joker mit seinem ersten Ballkontakt für das 3:0 und die Entscheidung. Unmut oder Genugtuung verspürte er nach dem Spiel dennoch nicht.

„Natürlich war ich enttäuscht, aber jetzt empfinde ich einfach nur Freude pur“, beschrieb der Stürmer „einen der schönsten Momente“ seines Lebens.

Wer von beiden gegen Portugal aufläuft? „Ich weiß noch nicht, was ich mache“, gab der Teamchef gerne zu. Deshalb scherzte Grubeck: „In der Haut des Trainers möchte ich nicht stecken.“

Nicht „typisch österreichisch“

Was feststeht, ist, dass Österreich erneut eine „reife Leistung“ geboten hat, wie ÖFB-Präsident Leo Wintdner befand.

Der ergebnisorientierte Stil der Mannschaft, der eine stabile Defensive und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor voraussetzt, sage ihm zu. „Das Team hat nicht typisch österreichisch agiert, sondern richtig abgeklärt“, so Windtner, der die Ergebnisse als „Bestätigung des Weges“ sieht.

Vom EM-Titel zu träumen wagte der 63-Jährige trotzdem noch nicht. „Im Halbfinale warten andere Herausforderungen.“

Eisbaden und radeln

Anstatt den frühzeitigen Einzug in eben jenes zu überschwänglich zu feiern, blickte Österreichs U19 bereits wieder nach vorne. Am Freitag (18 Uhr) geht es gegen Portugal um den Gruppen-Sieg und um den vermeintlich leichteren Semifinal-Gegner.

Bytyqi, der dabei auf seinen ehemaligen City-Klub-Kollegen und guten Freund Marcos Lopes trifft, ließ schon einmal mit einer Kampfansage aufhorchen. „Nach zwei Siegen wollen wir jetzt auch den dritten. Wir sind mittlerweile schwer zu schlagen!“

Auch für Edel-Joker Grubeck stand fest, dass das Abenteuer EM noch lange nicht zu Ende ist. „Jetzt werden wir wieder ins Eis-Wasser gehen, ausradeln und alles daran setzen, so weit wie möglich zu kommen. Wir können Großes erreichen.“

 

Aus Budapest berichtet Kevin Bell

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