Zuerst Pressing, dann "Festung"

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Heraf: "Die Mannschaft hat gelernt, zu gewinnen"

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"Das war wichtig!" 

ÖFB-Teamkapitän Francesco Lovric war die Erleichterung nach dem 3:1-Auftakt-Sieg gegen U19-EM-Gastgeber Ungarn deutlich anzusehen.

Der Druck, den man sich eigentlich nicht machen lassen wollte, er war abgefallen.

Dafür mussten Lovric und Co. in den 90 Minuten zuvor jedoch hart arbeiten und zwei mannschaftstaktische Extreme zur Schau stellen.

Während der ÖFB-Nachwuchs dem Gegner im ersten Durchgang mit aggressivem (Gegen-)Pressing zusetzte, rührte er – mit einer Drei-Tore-Führung im Rücken – vor allem in der letzten halben Stunde mächtig Beton an.

"Das ist unsere Stärke"

Zunächst hatte die Elf von Teamchef Andreas Heraf aber noch "die Hosen voll", wie der Coach gegenüber LAOLA1 verriet. Österreich zeigte sich von den 10.000 Fans im Szusza-Ferenc-Stadion, der Heimstätte von Ujpest Budapest, beeindruckt. Goalie Ivan Lucic und gegnerisches Unvermögen waren der Grund für die torlose Anfangsphase. Eine symptomatische Szene leitete jedoch die Wende ein.

Austria-Profi Sascha Horvath stibitzte seinem Gegner das Spielgerät und schickte Valentin Grubeck, der den Kontakt mit dem Goalie dankend annahm – Elfmeter. Gegenpressing sei Dank.

"Das ist unsere große Stärke, so schießen wir unsere Tore", unterstrich Manchester-City-Legionär Sinan Bytyqi. Er war es auch, der sich "einfach den Ball genommen und reingehauen" hat.

Ein überraschter Heraf

Nach dem Führungstreffer war die Heraf-Equipe dann Herr der Lage und spätestens beim 2:0 durch Blutsch hatten auch die 10.000 Augenpaare im Stadion die größte Stärke der Gäste ausgemacht. Da presste Valentin Grubeck den Außenverteidiger der Magyaren an, eroberte den Ball und servierte diesem dem LASKler auf dem Silber-Tablett.

"Wir warteten auf ihre Fehler und die haben sie gemacht", erklärte Heraf seine Siegesformel einem ungarischen Journalisten. Was er ihm nicht sagte: "Ich war überrascht, dass sie sich so überrumpeln haben lassen."

Sein Kapitän formulierte es diplomatischer. "Wir waren cleverer und haben nicht viele Torchancen gebraucht", so Lovric.

Andreas Heraf machte alles richtig, stellte von Pressing auf die "Festung" um

Deckel drauf

Nach dem Seitenwechsel musste die ÖFB-Elf dem kräfteraubenden Spiel und der brütenden Hitze – gleich zweimal gab es den offiziellen "Cooling Break" seitens der UEFA – Tribut zollen.

"Du kannst nicht 90 Minuten Pressing spielen", erklärten Bytyqi, Lovric und Heraf unisono. Deshalb war der Freistoß-Treffer von Peter Michorl kurz nach der Pause besonders wichtig, der Sack war zu.

In der Folge zog sich der ÖFB-Nachwuchs tief in die eigene Hälfte zurück. "Wir nennen es: ‚Die Festung’. Das ist Teil unserer Philosophie", gab Heraf gerne zu, dass man sich nur noch hinten einigelte. "Wenn die Kräfte nachlassen, greifen wir auf diese Maßnahme zurück."

Die "Festung“ hielt

Mit Erfolg. Zwar hatte Ungarn gefühlte 90 Prozent Ballbesitz, Topchancen blieben aber Mangelware, ansonsten war Lucic zur Stelle. "Bis auf das Gegentor, wo wir gestolpert sind, lief alles so, wie wir es uns vorgestellt hatten", lobte Heraf die taktische Leistung.

In der Tat rannten sich Kapitän Lovric und Mannschafts-Kollege Alexander Joppich über den Haufen und ermöglichten so den Ungarn den Anschluss-Treffer. Abgesehen davon hielt die "Festung".

Auch wenn es für die mitgereisten Schlachtenbummler, bei denen sich Bytyqi artig bedankte ("das hat die Mannschaft sehr motiviert"), äußerst nervenaufreibend gewesen sein mag. Im ÖFB-Lager herrschte vollste Zufriedenheit. "Ziel war es nicht mehr, ein Tor zu erzielen, sondern das Ergebnis nach Hause zu spielen", erklärte Heraf.

Blutsch, Bytyqi ebneten den Weg

Heraf, sie haben ein Problem!

Mehr als eine halbe Stunde nach Schlusspfiff, als sich auch die Katakomben des Szusza-Ferenc-Stadions langsam aber sicher leerten, seine Spieler schon längst in Eistonnen badeten, traf es den Teamchef dann wie aus heiterem Himmel.

"Jetzt fällt es mir erst ein", sagte der 46-Jährige. "So eine Wahnsinns-Leistung und das ohne die Drei!" Gemeint waren die unfreiwilligen Tribünen-Gäste, die gesperrten Florian Grillitsch, Lukas Gugganig und Michael Brandner, die Heraf schon am Dienstag gegen Israel wieder zur Verfügung stehen.

"Was mache ich denn jetzt?", scherzte der Coach über sein "Luxus-Problem". Heraf versicherte aber, dieses gerne einer Lösung zu unterziehen.

Sieger-Gen

Gegen Israel geht es am Dienstag (18 Uhr) um alles. Das große Ziel, die Qualifikation für die U20-WM 2015 in Neuseeland, hätte man mit einem Sieg auf jeden Fall in der Tasche. Auch das Semifinale dieses Turniers könnte man dann buchen.

Der Sieg gegen Ungarn sei die "halbe Miete" gewesen, so Heraf, "das Flugzeug (nach Neuseeland, Anm.) steht bereit, wir müssen nur noch einsteigen!" Der Coach weiß jedoch, dass es gegen Israel, das Favorit Portugal im Parallel-Spiel 0:3 unterlag, noch einmal schwerer wird.

Warum er dennoch guter Dinge ist? "Die Mannschaft hat gelernt, das Entscheidende zu tun, die Mannschaft hat gelernt, zu gewinnen!"

 

Aus Budapest berichtet Kevin Bell

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