Der Reifeprozess einer Ex-Diva

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„Trainer, nimm den kleinen Arnautovic raus!“

Ein Zuseher am FAC-Platz registrierte nicht gerade wohlwollend, dass sich Adrian Grbic nur schleppend zurück in die Defensive bewegte.

Wenige Minuten später beim 2:1-Sieg in der EM-Quali gegen Georgien zeigt der 16-Jährige sein anderes Gesicht. Er donnert den Ball aus einem Freistoß unhaltbar ins Tor.

"Er war eine launische Diva"

„Früher war er eine launische Diva. Ein Genie, aber gleichzeitig auch ein Wahnsinniger“, sagt U17-Teamchef Hermann Stadler. Das habe sich seit seinem Wechsel zum VfB Stuttgart im Sommer aber geändert: „Er ist viel reifer und professioneller geworden.“

Tatsächlich haben Szenen wie die anfangs erwähnte mittlerweile Seltenheitswert. Bis auf wenige Ausnahmen arbeitet der Wiener in der Defensive fleißig mit.

"Alle haben mich angeschrien"

„Im ersten Training habe ich den Ball verloren und bin stehengeblieben. Sofort haben mich vom Trainer bis zu den Mitspielern alle angeschrien. Da habe ich realisiert, dass ich nicht stehenbleiben sollte“, berichtet Grbic von seiner ersten Einheit in Deutschland.

„Am Anfang hatte ich mit dem Umschalten von Offensive auf Defensive so meine Probleme. Jetzt kriege ich das aber schon sehr gut hin.“

"Es war für ihn einen Tick zu einfach"

Noch vor einem Jahr hatte er das nicht unbedingt nötig. In der U16 des SK Rapid war er der unumstrittene Star. 17 Tore in der U16-Meisterschaft und neun in der U18-Liga beweisen seine Überlegenheit.

„Ich habe ihn in der letzten Saison bei Rapid erlebt. Er hat unglaublich viele Tore geschossen. Da hat man schon gemerkt, dass es für ihn schon einen Tick zu einfach war“, berichtet Salzburg-Profi Valentino Lazaro.

Die Gurkerl auf der Mittellinie

Entsprechend trat der Youngster auch auf. „Er hat geglaubt, es reicht, auf der Mittellinie die Gurkerl zu spielen, weil die Leute das sehen wollen“, erzählt Stadler.

Adrian Grbic ist einer der Leistungsträger in der U17-Auswahl des ÖFB

Lazaro beschreibt die Spielweise seines Freundes so: „Seine Stärke ist auf jeden Fall sein Schuss, das sieht man bei jedem Spiel. Er sucht immer den Abschluss. Man merkt auch, dass er sich Cristiano Ronaldo als Vorbild nimmt, anhand der Übersteiger und Versuche, schnell am Gegner vorbeizugehen.“

Zwölf Heimflüge im Jahr

Dass sein früher Schritt ins Ausland ein Fehler war, glaubt keiner. „Es war sicher gut für ihn“, sagt Stadler.

Und wie erlebt es der Kicker selbst? „Am Anfang habe ich schon gedacht, dass es hart wird, aber die Mitspieler und Trainer haben mich sehr gut aufgenommen. Die ersten zwei Wochen waren eher schwierig, danach ging es aber.“

Zwölf Mal im Jahr bezahlt ihm sein Klub Heimflüge nach Wien. „Also sehe ich meine Familie recht oft. Außerdem kommen sie auch manchmal nach Stuttgart. Heimweh habe ich keines“, so der 16-Jährige.

Freund Lovric, Vorbild Holzhauser

Zudem ist im Schwabenland ja mittlerweile eine kleine Österreicher-Kolonie daheim. In der U17 spielt neben Grbic noch Fabian Gmeiner, in der U19 kicken Philipp Mwene und Francesco Lovric.

Vor allem mit Letzterem pflegt der U17-Teamspieler regelmäßigen Kontakt: „Er ist im Internat mein Zimmernachbar, wir verstehen uns richtig gut.“

Eines haben sie aber alle gemein: Sie blicken zu Raphael Holzhauser auf. „Er ist noch so jung und spielt schon regelmäßig bei den Profis“, schwärmt der Wiener.

Ein Weg, den Grbic auch machen will: „Mein Ziel ist es, so früh wie möglich in der ersten Mannschaft zu spielen.“


Harald Prantl

Grbic kann das nur bestätigen: „Ich wollte früher oft auf Gurkerl gehen und habe auf der Mittelauflage viel gedribbelt. In Stuttgart habe ich gelernt, dass ich das nur vorne, in der gefährlichen Zone, anwenden soll. Mir gelingt das immer besser.“

Erfolgreichster Goalgetter seines Teams

Was dem Teenager außerdem gelingt, sind jede Menge Tore. Zwölf Meisterschaftstore hat er in der B-Jugend, also der U17 der Schwaben, schon erzielt. Damit ist er der erfolgreichste Goalgetter seiner Mannschaft.

Hinzu kommen einige Assists. Beim 3:2-Sieg gegen die Altersgenossen des FC Bayern bereitete er Dominik Martinovic alle drei Treffer vor. „Dabei waren wir schon 0:2 in Rückstand. Ein verrücktes Spiel“, lacht Grbic.

Auch schon in der U19 dabei

Nach nicht einmal einem ganzen Jahr ist man in Stuttgart von den Qualitäten des Österreichers schon überzeugt. „Ich habe gute Leistungen gebracht, der Trainer der A-Jugend hat mich gesehen und daraufhin durfte ich drei Spiele in der A-Jugend machen. Ich habe gut gespielt und drei Torvorlagen gemacht.“

Der schlaksig wirkende Edeltechniker kommt entweder am linken Flügel oder an vorderster Front zum Einsatz. „Wobei ich lieber über die Seite komme“, ergänzt er.

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