"Diese Gruppe ist machbar!"

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Erstmals seit neun Jahren fährt wieder eine U17-Auswahl des ÖFB zu einer Europameisterschaft.

In der Slowakei – alle drei ÖFB-Spiele finden in Dubnica nad Vahom statt – will die Mannschaft von Teamchef Hermann Stadler für Furore sorgen.

„Die Vorfreude ist riesig“, sagt der Coach vor der Abreise.

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DER KADER

Die Akademie von Red Bull Salzburg stellt mit sechs Kickern die meisten für die ÖFB-Auswahl ab, die zweitgrößte Abordnung kommt mit drei Spielern von der Wiener Austria. Außerdem sind mit Adrian Grbic (Stuttgart) und Michael Lercher (Werder Bremen) zwei Deutschland-Legionäre zu finden. Ein Großteil der ersten Elf dürfte schon stehen. Die Nummer eins ist Alexander Schlager, als Außenverteidiger sind Petar Gluhakovic (rechts) und Kapitän Lercher (links) gesetzt. In der Innenverteidigung kämpfen Stefan Peric, Marcel Probst und der wieder fitte Dominik Baumgartner um zwei Plätze. In der Offensive sind die Außenpositionen ebenso praktisch fix besetzt – Grbic links und Nikola Zivotic rechts. Zentral ziehen die beiden hochtalentierten Sascha Horvath und Valentino Lazaro die Fäden. Man darf gespannt sein, ob mit den zwei Spitzen Tobias Pellegrini und Daniel Ripic gespielt wird, oder ob sich Stadler für die defensivere Variante entscheidet und in der Mittelfeld-Zentrale einen zusätzlichen Mann aufbietet. (Der gesamte Kader als Diashow!)

DIE HOFFNUNGSTRÄGER

Valentino Lazaro, Adrian Grbic und Sascha Horvath sind ganz klar die drei stärksten Spieler im Aufgebot. Ersterer ist nach seinem Mittelfußbruch wieder fit und voller Tatendrang. Stadler zählt den Salzburg-Profi zu den größten Talenten Europas. Auch in der Mozartstadt wird der Offensivspieler in höchsten Tönen gelobt. Während Lazaro mehr der Vorbereiter ist, glänzt Grbic als Vollstrecker. Der Stuttgart-Legionär ist technisch überaus stark und ein ausgezeichneter Freistoß-Schütze. Zudem befindet er sich in blendender Form – in der deutschen U18-Meisterschaft Süd/Südwest führten nicht nur seine Stuttgarter die Tabelle an, sondern Grbic mit 18 Toren auch die Torschützenliste. „Es läuft richtig gut derzeit“, grinst der Wiener. Ebenfalls gut unterwegs ist Horvath. Der 16-Jährige ist Stammspieler bei den Austria Amateuren, die in der Regionalliga Ost um den Titel mitspielen, und trainiert schon regelmäßig bei den Profis mit. Der lediglich 1,64 Meter große Mittelfeldspieler hat das Auge für den klugen Pass und ist dank seiner engen Ballführung nur sehr schwer vom Ball zu trennen.

DER TEAMCHEF

Hermann Stadler ist bereits seit 2006 im ÖFB tätig und gilt als einer der kompetentesten in der Riege der Nachwuchs-Teamchefs dieses Landes. Der 31-Jährige weiß, was es bedeutet, ein Team bei einer Endrunde zu betreuen, war er doch bei der Heim-EM 2007 U19-Coach. „Damals waren die Voraussetzungen aber andere als diesmal“, will er die beiden Turniere nicht vergleichen. Seine Schützlinge halten jedenfalls viel von ihm. „Er liebt es, Späße zu machen. Er ist ein sehr offener und fröhlicher Mensch. Wenn aber die Disziplin nicht passt, wird er schnell grantig“, erzählt Grbic. Lazaro ergänzt: „Er ist ein lustiger Typ, der viel mit den Spielern spricht. Er war selber ein erfolgreicher Spieler, weiß also, wovon er redet. Er führt viele Einzelgespräche.“

DIE STÄRKEN

„Unsere Stärke ist, dass wir nicht zuviel nachdenken, sondern einfach drauf los spielen. Viele denken ja, dass wir Österreicher nicht so die Ballkünstler sind, aber wir beweisen ihnen einfach immer das Gegenteil“, meint Lazaro. Stadler hingegen führt den Teamgeist ins Vordertreffen: „Entscheidend wird sein, ob wir als Mannschaft auftreten.“ Zudem sei seine physisch sehr stark: „Wir haben körperlich immer zu den besten Mannschaften gezählt, das stimmt mich zuversichtlich.“ Hinzu kommen die Umstände der Qualifikation. Mit einer Niederlage gegen Irland in die Eliterunde gestartet, bewies die Truppe viel Moral und belohnte sich am Ende dafür sogar mit dem Gruppensieg. „Das ist extrem positiv. Wir haben gesehen, dass auch nach einem Fehlstart noch alles möglich ist“, so der Teamchef.

DIE SCHWÄCHEN

Einerseits mag es ein Plus sein, dass vor allem Grbic und Lazaro Spiele im Alleingang entscheiden können, andererseits tut sich die Mannschaft vor allem spielerisch sehr schwer, wenn dieses Duo auslässt. Das war nicht zuletzt in der Eliterunde zu merken, als Lazaro verletzungsbedingt passen musste. Stadler ist allerdings zuversichtlich: „Dadurch, dass Lazaro, Ripic und Baumgartner wieder voll fit sind, sollte die spielerische Note wieder mehr im Vordergrund stehen.“ Dennoch ist dem Teamchef auch bewusst: „Bei einer Endrunde geht es nicht darum, schön zu spielen – es geht darum, dass man gewinnt. Es darf nicht das Wichtigste sein, ob wir einen hohen Ball mehr oder weniger spielen.“ Fakt ist aber, dass der zweite Anzug bei weitem nicht so gut passt wie der erste.

DIE GEGNER

„Diese Gruppe ist auf jeden Fall machbar“, sagen die Spieler unisono. Zum Auftakt wartet Gastgeber Slowakei (5.5., 14:30 Uhr), danach geht es gegen Schweden (8.5., 16 Uhr) und zum Abschluss der Gruppe muss das ÖFB-Team gegen die Schweiz ran (11.5., 16:30 Uhr). „Jeder dieser Gegner ist zu schlagen“, ist sich Stadler sicher. Die Slowaken seien „unberechenbar, zumal sie als Veranstalter nicht durch die Quali mussten“. Im August 2012 duellierten sich die beiden Teams im Rahmen des TOTO-Cups aber schon einmal – der ÖFB gewann mit 1:0. „Der Heimvorteil wird ihr großes Plus sein. Andererseits kann es aber auch Druck erzeugen, dass sie als Gastgeber gute Leistungen bringen müssen. Mal sehen, wie sie das aushalten“, so der Teamchef. Das letzte Spiel gegen die Schweiz endete Mitte Oktober 2012 mit einem 1:1-Unentschieden.

DAS ZIEL

Dabei sein ist für die ÖFB-U17 gewiss nicht alles. „Wir wollen die Gruppenphase unter den ersten Zwei beenden. Damit spielen wir um den Europameister-Titel und qualifizieren uns für die WM“, gibt Stadler die Marschroute vor. Bereits der dritte Platz in der Gruppe würde für die Teilnahme bei der U17-WM reichen – diese findet von 17. Oktober bis 8. November 2013 in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt. „Aber mit Platz drei geben wir uns sicher nicht zufrieden“, sagt Lazaro. Grundsätzlich scheint bei dieser Europameisterschaft alles möglich. „Das Teilnehmerfeld ist nämlich nicht so gut besetzt wie normal“, spricht Grbic die abwesenden Nationen wie etwa Deutschland, Frankreich und die Niederlande an. Stadler sieht es so: „Die Teams sind relativ auf Augenhöhe, es ist kein echter Top-Favorit zu erkennen. In beiden Gruppen ist alles möglich.“


Harald Prantl

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